Moderne BĂŒrokonzepte: Beispiele, Typen & Vergleich

🏱 Moderne BĂŒrokonzepte im Vergleich: Zellen-, Gruppen-, Kombi-, Großraum- & Multispace-BĂŒro ✓ Open Space ✓ Desk Sharing ✓ mit StĂ€rken, SchwĂ€chen & Eignung.

Rund 70 % der BeschĂ€ftigten fĂŒhlen sich im offenen BĂŒro durch LĂ€rm gestört – und trotzdem ist das GroßraumbĂŒro nicht pauschal die falsche Wahl. Der Grund: Es gibt nicht das eine richtige BĂŒrokonzept. Die entscheidende Frage lautet nie „offen oder geschlossen?", sondern „welche Form passt zu unseren TĂ€tigkeiten, unserer Kultur und unserer tatsĂ€chlichen Anwesenheit?". Genau diese Antwort fĂ€llt leichter, wenn man die gĂ€ngigen Konzepte mit ihren StĂ€rken und SchwĂ€chen nebeneinander sieht.

Dieser Ratgeber stellt die wichtigsten BĂŒrokonzepte als konkrete Beispiele vor – vom klassischen ZellenbĂŒro ĂŒber Kombi- und GruppenbĂŒro bis zu Open Space, Multispace und flexiblen Nutzungskonzepten wie Activity-Based Working und Desk Sharing. Sie sehen jeweils, wofĂŒr sich ein Konzept eignet, wo seine Grenzen liegen und fĂŒr welche Teams es die richtige Wahl ist. Wie Sie aus diesen Bausteinen ein stimmiges Gesamtkonzept entwickeln, zeigt ergĂ€nzend der Ratgeber zu modernen BĂŒrokonzepten; hier geht es um die Beispiele und die Entscheidung dazwischen.

1. BĂŒrokonzepte verstehen: das Spektrum von geschlossen bis offen

Jedes BĂŒrokonzept lĂ€sst sich auf einer einfachen Achse einordnen: Wie viel rĂ€umliche Trennung gibt es zwischen den ArbeitsplĂ€tzen? Am einen Ende steht das vollstĂ€ndig geschlossene ZellenbĂŒro mit maximaler Ruhe und Vertraulichkeit, am anderen das vollstĂ€ndig offene GroßraumbĂŒro mit maximalem Austausch und maximaler FlĂ€cheneffizienz. Dazwischen liegen die spannenden Mischformen, die genau deshalb so beliebt sind, weil sie versuchen, das Beste beider Welten zu verbinden.

BĂŒroformen nach Offenheitsgrad

BĂŒroformen nach Offenheitsgrad

Von der geschlossenen Zelle bis zur voll offenen FlÀche
Orientierung, kein Messwert · jede Form hat ihre Berechtigung
geschlossen teiloffen offen
ZellenbĂŒroEinzel-/MehrpersonenbĂŒro
Vertraulichkeit
KombibĂŒroEinzelrĂ€ume + Mittelzone
Balance
GruppenbĂŒrobis ~25 PlĂ€tze, ein Team
Teamraum
Multispaceoffene + geschlossene Zonen
moderne Mischform
GroßraumbĂŒrooffene FlĂ€che ab ~400 mÂČ
maximale Offenheit

Diese Einordnung ist kein Werturteil – kein Punkt auf der Achse ist „besser" als ein anderer. Ein geschlossenes BĂŒro ist nicht altmodisch und ein offenes nicht automatisch modern. Entscheidend ist allein die Passung: Wer ĂŒberwiegend konzentriert und vertraulich arbeitet, ist links auf der Achse richtig aufgehoben; wer von schnellem Austausch und kurzen Wegen lebt, eher rechts. Die meisten Unternehmen stellen bei ehrlicher Betrachtung fest, dass ihr TĂ€tigkeitsmix in der Mitte liegt – und landen deshalb bei einer Mischform. Bevor wir die ansehen, lohnt der Blick auf die klassischen Reinformen, denn sie sind die Bausteine jeder Mischung.

Wo ein Unternehmen auf dieser Achse landet, hĂ€ngt von mehr ab als vom Geschmack der GeschĂ€ftsfĂŒhrung. Drei KrĂ€fte ziehen daran: die TĂ€tigkeiten (wie viel stille Konzentration steht wie viel Abstimmung gegenĂŒber?), die Kultur (lebt das Unternehmen von Transparenz und spontanem Austausch oder von ungestörter Tiefe?) und schlicht die Immobilienkosten (offene FlĂ€chen bringen mehr Köpfe auf weniger Quadratmeter unter). Seit hybrides Arbeiten zur Norm geworden ist, kommt ein vierter Treiber hinzu: Weil selten alle gleichzeitig im BĂŒro sind, lohnt sich starre FlĂ€che fĂŒr feste EinzelplĂ€tze immer seltener – das verschiebt fast alle Konzepte spĂŒrbar in Richtung Offenheit und FlexibilitĂ€t.

Gerade weil der Trend so eindeutig in eine Richtung weist, lohnt eine Warnung: Ein BĂŒrokonzept allein nach der aktuellen Mode zu wĂ€hlen, ist genauso riskant wie am Trend vorbeizuplanen. Das offene Vorzeige-BĂŒro mit Lounge und Tischtennisplatte nĂŒtzt wenig, wenn die HĂ€lfte des Teams tĂ€glich konzentriert Zahlen prĂŒft und im LĂ€rm nicht arbeiten kann. Umgekehrt verschenkt eine Kanzlei Potenzial, wenn sie aus Gewohnheit am reinen ZellenbĂŒro festhĂ€lt, obwohl lĂ€ngst projektbasiert in wechselnden Teams gearbeitet wird. Die folgenden Beispiele sind deshalb kein Ranking von alt zu modern, sondern ein Werkzeugkasten – jedes Konzept ist fĂŒr die richtige Situation das beste.

2. Die klassischen BĂŒroformen im Detail

Vier Grundformen prĂ€gen die BĂŒrowelt seit Jahrzehnten. Sie unterscheiden sich nicht nur im Aussehen, sondern in der Art, wie sie Arbeit ermöglichen oder erschweren – und genau deshalb passt jede zu anderen Anforderungen.

Das ZellenbĂŒro ist die klassische Reinform der Abgeschlossenheit: Einzel- oder MehrpersonenbĂŒros, meist entlang der Fassade angeordnet und ĂŒber einen gemeinsamen Flur erschlossen. Sein grĂ¶ĂŸter Vorteil ist die Ruhe – ungestörtes, konzentriertes Arbeiten und vertrauliche GesprĂ€che sind hier jederzeit möglich, weshalb Anwaltskanzleien, Steuerberatungen, Arztpraxen und alle TĂ€tigkeiten mit sensiblen Daten dieses Konzept schĂ€tzen. Der Preis dafĂŒr ist FlĂ€cheneffizienz und FlexibilitĂ€t: WĂ€nde lassen sich nicht ĂŒber Nacht versetzen, Flure verbrauchen zusĂ€tzlichen Raum, und der spontane Austausch zwischen Teams bleibt auf der Strecke, weil jeder hinter seiner TĂŒr sitzt.

Das GroßraumbĂŒro bildet den Gegenpol. Per Definition handelt es sich um eine offene FlĂ€che ab etwa 400 Quadratmetern ohne feste TrennwĂ€nde, auf der viele Menschen gemeinsam arbeiten. Es punktet mit kurzen Wegen, schnellem Austausch und hoher FlĂ€cheneffizienz – auf gleicher FlĂ€che finden mehr ArbeitsplĂ€tze Platz, was die Mietkosten pro Kopf senkt. Diese Vorteile kippen jedoch schnell ins Gegenteil, wenn die Akustik nicht stimmt: LĂ€rm und fehlende PrivatsphĂ€re fĂŒhren zu Ablenkung und Unruhe. Ein GroßraumbĂŒro steht und fĂ€llt deshalb mit seiner Gestaltung – worauf es dabei ankommt, vertieft der Ratgeber zum GroßraumbĂŒro einrichten.

Das GruppenbĂŒro liegt bewusst zwischen diesen Extremen. Es ist fĂŒr bis zu rund 25 ArbeitsplĂ€tze ausgelegt – ab 400 Quadratmetern spricht man definitionsgemĂ€ĂŸ vom GroßraumbĂŒro – und beherbergt typischerweise ein Team, das thematisch eng zusammenarbeitet. So verbindet es die kurzen Wege des offenen BĂŒros mit einer ĂŒberschaubaren, weniger anonymen AtmosphĂ€re. Das KombibĂŒro schließlich kombiniert kleine, oft verglaste EinzelbĂŒros, die ringförmig um eine gemeinsame Mittelzone gruppiert sind. Jeder hat seinen geschlossenen Raum fĂŒr konzentriertes Arbeiten, findet aber wenige Schritte entfernt die GemeinschaftsflĂ€che fĂŒr Austausch, Besprechungen und gemeinsame Ressourcen. Diese Balance aus RĂŒckzug und NĂ€he macht das KombibĂŒro zu einem der durchdachtesten klassischen Konzepte – allerdings um den Preis eines höheren Planungsaufwands.

Die folgende Übersicht stellt die Formen mit ihren StĂ€rken, SchwĂ€chen und idealen Einsatzfeldern gegenĂŒber:

BĂŒroformStĂ€rkenSchwĂ€chenIdeal fĂŒr
ZellenbĂŒroRuhe, Vertraulichkeit, Konzentrationgeringe FlĂ€cheneffizienz, wenig AustauschKanzleien, Beratung, sensible Daten
GruppenbĂŒroTeamnĂ€he, kurze Wege, ĂŒberschaubarbegrenzte FlexibilitĂ€t bei Wachstumfeste Teams bis ~25 Personen
KombibĂŒroBalance aus RĂŒckzug und Austauschhöherer Planungs- und FlĂ€chenaufwandwissensintensive, gemischte Arbeit
GroßraumbĂŒrokurze Wege, FlĂ€cheneffizienz, gĂŒnstigLĂ€rm und Ablenkung ohne Akustikkonzeptkommunikationsstarke, offene Kulturen

In Reinform trifft man diese vier Formen heute allerdings immer seltener an. Das liegt auch daran, dass jede ihre SchwĂ€che mit der Zeit deutlich zeigt: Das ZellenbĂŒro verschenkt FlĂ€che und erschwert die Zusammenarbeit ĂŒber Teamgrenzen hinweg, das reine GroßraumbĂŒro erkauft seine Effizienz mit LĂ€rm und Konzentrationsverlust. Besonders die vermeintliche Sparlogik des Großraums trĂŒgt: Die niedrigeren Quadratmeterkosten pro Kopf sind real, verpuffen aber, sobald Ablenkung und Unzufriedenheit die ProduktivitĂ€t drĂŒcken oder gute Leute wegen der ArbeitsatmosphĂ€re kĂŒndigen. Aus genau dieser Erkenntnis sind die modernen Mischformen entstanden, die die StĂ€rken kombinieren und die SchwĂ€chen gezielt entschĂ€rfen.

3. Open Space & Multispace: die moderne Weiterentwicklung

Die meisten zeitgemĂ€ĂŸen BĂŒros gehören keiner der reinen klassischen Formen mehr an, sondern einer ihrer Weiterentwicklungen. Das Open-Space-BĂŒro ist die wichtigste davon. Anders als das reine GroßraumbĂŒro setzt es nicht auf gleichförmige Offenheit, sondern gliedert die FlĂ€che in Zonen – etwa fĂŒr Teamarbeit, fĂŒr Besprechungen und fĂŒr ruhiges, konzentriertes Arbeiten. Damit reagiert es genau auf die SchwĂ€che des klassischen Großraums: Statt alle in denselben LĂ€rm zu setzen, bekommt jede TĂ€tigkeit ihren passenden Ort. Open Space steht so fĂŒr Transparenz, FlexibilitĂ€t und eine kommunikative, kreative AtmosphĂ€re, ohne die Konzentration völlig zu opfern.

Noch einen Schritt weiter geht das Multispace-Konzept. Es kombiniert offene, hĂ€ufig fensternahe ArbeitsplĂ€tze mit geschlossenen, oft teilverglasten RĂ€umen fĂŒr Fokusarbeit, vertrauliche GesprĂ€che und Videocalls. Das Multispace ist damit die konsequente Antwort auf das hybride Arbeiten: Weil ohnehin nicht alle gleichzeitig vor Ort sind und die Anwesenden sehr unterschiedliche Dinge tun, braucht es eine Vielfalt an Settings statt einer einheitlichen Schreibtischlandschaft. Genau deshalb gilt das Multispace vielen als das BĂŒrokonzept der Gegenwart – es bildet die RealitĂ€t moderner Wissensarbeit am ehesten ab. Wer das Konzept noch weiter in Richtung Selbstbestimmung und Kultur denkt, landet beim New-Work-BĂŒrokonzept; wohin sich BĂŒros darĂŒber hinaus entwickeln, zeigt der Ausblick auf das BĂŒrokonzept der Zukunft.

Inspiration aus der Praxis: Was ein Multispace konkret ausmacht, sind weniger die Schreibtische als die ergĂ€nzenden Elemente dazwischen. Telefonboxen und kleine Einzelkabinen fangen Calls und kurze Fokusphasen ab, ohne dass jemand einen ganzen Raum blockiert. Think Tanks – kleine, schallgedĂ€mmte BesprechungsrĂ€ume fĂŒr zwei bis vier Personen – ersetzen den stĂ€ndig ĂŒberbuchten großen Konferenzraum. Eine Lounge oder KaffeekĂŒche wird zur informellen Begegnungszone, in der die spontanen GesprĂ€che stattfinden, die im starren Großraum gerade nicht entstehen. Hinzu kommen BegrĂŒnung als natĂŒrlicher Raumteiler und Schallschlucker sowie eine bewusste Materialwahl aus Teppich, Holz und Textil, die Nachhall nimmt und WĂ€rme schafft.

Damit ein offenes Konzept funktioniert, mĂŒssen diese Elemente jedoch einem Plan folgen statt dekorativ verstreut zu sein. Die Zonen brauchen eine Logik – laute Bereiche zusammen, ruhige abseits der Laufwege – und ein durchdachtes Akustikkonzept, das den Schall dort dĂ€mpft, wo er entsteht. Fehlt dieser Plan, bleibt vom schönen Open Space im Alltag nur ein lauter Großraum mit ein paar Pflanzen. Genau hier entscheidet sich, ob ein Konzept im Hochglanzprospekt oder im echten Arbeitsalltag ĂŒberzeugt.

4. Nutzungskonzepte statt Raumformen: Activity-Based Working & Desk Sharing

Die BĂŒroform beschreibt, wie der Raum gebaut ist – das Nutzungskonzept beschreibt, wie er belegt wird. Beide Ebenen lassen sich frei kombinieren, und gerade hier liegt der grĂ¶ĂŸte Hebel moderner BĂŒrokonzepte. Beim Activity-Based Working gibt es keine festen ArbeitsplĂ€tze mehr; stattdessen wĂ€hlen die Mitarbeitenden je nach TĂ€tigkeit die passende Zone – den ruhigen Fokusplatz fĂŒr die Konzeptarbeit, den Teamtisch fĂŒrs gemeinsame Brainstorming, die Telefonbox fĂŒr den Call. Das setzt voraus, dass fĂŒr jede TĂ€tigkeit genug passende PlĂ€tze existieren, und es verlangt einen Kulturwandel weg vom eigenen, personalisierten Schreibtisch.

Eng verwandt ist das Desk Sharing (auch Hot Desking): Es gibt bewusst weniger ArbeitsplĂ€tze als Mitarbeitende, weil ohnehin nie alle gleichzeitig anwesend sind. Wie stark man PlĂ€tze einsparen kann, beschreibt die Desk-Sharing-Quote – das VerhĂ€ltnis von ArbeitsplĂ€tzen zu Mitarbeitenden. Eine Quote von 0,7 bedeutet etwa 70 PlĂ€tze fĂŒr 100 Mitarbeitende und damit rund 30 % weniger Schreibtische, was sich direkt in geringeren FlĂ€chen- und Mietkosten niederschlĂ€gt. Die folgenden Kennzahlen ordnen diesen Trend ein:

Moderne BĂŒrokonzepte in Zahlen

Moderne BĂŒrokonzepte in Zahlen

Warum der Trend zu flexiblen, zonierten FlÀchen geht
70 %
der BeschĂ€ftigten fĂŒhlen sich im offenen BĂŒro durch LĂ€rm gestört – der Grund, warum reine GroßrĂ€ume zu Multispace weiterentwickelt werden
buero-wissen.de
0,7
typische Desk-Sharing-Quote: nur noch sieben ArbeitsplĂ€tze fĂŒr zehn Mitarbeitende bei hohem Hybrid-Anteil
New-Work-Praxis
−30 %
Schreibtische und anteilige FlĂ€che lassen sich bei einer Quote von 0,7 einsparen – das senkt die Mietkosten spĂŒrbar
Rechenbeispiel Desk-Sharing
> 21 %
der FlÀche entfallen in modernen Konzepten auf Kollaborations- und Begegnungszonen statt auf reine Schreibtischreihen
meinoffice.net

So setzen Sie es um: Desk Sharing funktioniert nur mit klaren Spielregeln. Ein Clean-Desk-Prinzip sorgt dafĂŒr, dass PlĂ€tze am Abend leer und am Morgen frei nutzbar sind; persönliche Dinge wandern in abschließbare Locker; und ein einfaches Buchungssystem verhindert die morgendliche Platzsuche. Wichtig ist außerdem ein realistischer Puffer fĂŒr Anwesenheitsspitzen – wer die Quote zu sportlich ansetzt, erzeugt Frust, wenn an PrĂ€senztagen die PlĂ€tze knapp werden. Richtig kalibriert verbindet Desk Sharing Kostenersparnis mit der FlexibilitĂ€t, die hybride Teams ohnehin brauchen.

Die grĂ¶ĂŸte HĂŒrde bei Activity-Based Working und Desk Sharing ist selten die Technik, sondern die Gewohnheit. Der eigene, personalisierte Schreibtisch mit Familienfoto und Lieblingstasse ist fĂŒr viele ein StĂŒck IdentitĂ€t – ihn aufzugeben, fĂŒhlt sich zunĂ€chst wie ein Verlust an. Erfolgreiche Umstellungen nehmen dieses BedĂŒrfnis ernst: Sie schaffen persönliche Locker, bieten genug Vielfalt an PlĂ€tzen, damit niemand schlechter sitzt als vorher, und kommunizieren offen, warum die VerĂ€nderung kommt. Wird das Thema dagegen als reine Sparmaßnahme ĂŒber die Köpfe hinweg verordnet, kippt die Stimmung – und das beste Raumkonzept scheitert an der Kultur. Flexible Nutzungskonzepte sind deshalb immer auch ein Change-Projekt, nicht nur ein Möbelthema.

5. Welches Konzept passt zu wem?

Die Wahl des richtigen Konzepts ist weniger eine Geschmacks- als eine Analysefrage. Sie ergibt sich fast von selbst, wenn man drei Dinge ehrlich beantwortet: Welche TĂ€tigkeiten ĂŒberwiegen, wie viel Vertraulichkeit ist nötig, und wie viele Menschen sind tatsĂ€chlich gleichzeitig vor Ort? Aus diesen Antworten lĂ€sst sich das passende Konzept ableiten – und in den allermeisten FĂ€llen ist es keine Reinform, sondern eine Mischung.

Das passende BĂŒrokonzept finden

Das passende BĂŒrokonzept finden

In fĂŒnf Schritten von der Analyse zur Entscheidung
Auswahllogik · meist gewinnt eine Mischform
1
TĂ€tigkeiten analysieren
Wie viel konzentrierte Einzelarbeit, wie viel Austausch und wie viele vertrauliche GesprÀche fallen an? Der TÀtigkeitsmix bestimmt, wie offen oder geschlossen das Konzept sein darf.
AnalyseFokus vs. Austausch
2
Anwesenheit & Hybrid-Quote erheben
Wie viele Menschen sind im Schnitt wirklich vor Ort? Eine hohe Homeoffice-Quote eröffnet Desk-Sharing und spart FlĂ€che – die Datenbasis dafĂŒr sollte gemessen, nicht geschĂ€tzt werden.
DatenDesk-Sharing-Quote
3
Vertraulichkeit & FlĂ€che prĂŒfen
Gibt es datenschutzkritische oder gerÀuschintensive TÀtigkeiten, die geschlossene RÀume verlangen? Parallel den FlÀchenbedarf nach ASR A1.2 und das Budget abstecken.
RahmenDatenschutzASR A1.2
4
Konzept-Typ(en) wÀhlen
Selten passt eine Reinform: Meist ist ein Multispace die beste Wahl, das offene Teamzonen mit geschlossenen Fokus- und BesprechungsrÀumen kombiniert.
EntscheidungMultispace-Mix
5
Pilotieren & anpassen
Eine MusterflĂ€che mit echten Teams testen, RĂŒckmeldungen einholen und nachjustieren, bevor das Konzept auf die ganze Etage ausgerollt wird.
TestPilotflÀche

Als grobe Orientierung hilft die folgende Zuordnung typischer Bedarfslagen zu den passenden Konzepten. Sie ersetzt keine individuelle Planung, zeigt aber, in welche Richtung die Entscheidung jeweils lÀuft:

Bedarf / SituationEmpfohlenes Konzept
Viel konzentrierte, vertrauliche ArbeitZellen- oder KombibĂŒro
Ein eng zusammenarbeitendes TeamGruppenbĂŒro
Gemischte TĂ€tigkeiten, hybride AnwesenheitMultispace (offene + geschlossene Zonen)
Viel Austausch, hohe FlĂ€cheneffizienz gewĂŒnschtOpen Space / Großraum mit Akustikkonzept
Stark schwankende Anwesenheit, Kosten senkenDesk Sharing / Activity-Based Working

AuffĂ€llig ist, dass sich diese Konzepte nicht ausschließen, sondern kombinieren lassen: Ein Multispace kann Desk Sharing als Belegungsmodell nutzen, ein Open Space kann einzelne ZellenbĂŒros fĂŒr vertrauliche Aufgaben enthalten. Genau diese Kombinierbarkeit macht die moderne BĂŒroplanung so vielseitig – und erklĂ€rt, warum die Beispiele aus diesem Ratgeber selten in Reinform, sondern meist als durchdachte Mischung auftreten.

Ein Blick auf verschiedene Branchen macht das greifbar. Eine Kreativagentur lebt von spontanem Austausch und sichtbarer Zusammenarbeit – hier dominieren offene Team- und ProjektflĂ€chen, ergĂ€nzt um wenige RĂŒckzugsrĂ€ume. Eine Anwalts- oder Steuerkanzlei arbeitet mit vertraulichen MandantengesprĂ€chen und tiefer Konzentration und bleibt deshalb nĂ€her am Zellen- oder KombibĂŒro. Ein Tech-Unternehmen mit hohem Homeoffice-Anteil setzt auf ein Multispace mit Desk Sharing, weil ohnehin selten alle da sind. Und ein Vertriebs- oder Service-Team, das viel telefoniert, braucht vor allem schallgedĂ€mmte Call-Bereiche, egal in welcher Grundform. Dasselbe Spektrum an Konzepten fĂŒhrt also je nach TĂ€tigkeit zu ganz unterschiedlichen Lösungen – und genau das ist der Grund, warum man Beispiele nie blind kopieren, sondern immer auf den eigenen Bedarf ĂŒbersetzen sollte.

6. Von der Inspiration zur Umsetzung

Die hier vorgestellten Beispiele sind der Ausgangspunkt, nicht das Ziel. Aus ihnen ein konkretes, zum eigenen Unternehmen passendes BĂŒrokonzept zu entwickeln, ist ein eigener Prozess – von der Bedarfsanalyse ĂŒber die Zonierung bis zur PilotflĂ€che. Diesen Weg beschreibt der Ratgeber zu modernen BĂŒrokonzepten Schritt fĂŒr Schritt; er ist die natĂŒrliche Fortsetzung dieser Beispielsammlung.

Ein letzter, wichtiger Gedanke: Kein BĂŒrokonzept ist fĂŒr die Ewigkeit gemacht. TĂ€tigkeiten, TeamgrĂ¶ĂŸen und Arbeitsweisen Ă€ndern sich, und ein gutes Konzept ist flexibel genug, um mitzuwachsen. Modulare Möbel, bewegliche Trennelemente und ein Belegungsmodell, das sich anpassen lĂ€sst, halten das BĂŒro lebendig. FĂŒr die professionelle Planung und Umsetzung bĂŒndelt die BĂŒroplanung alle Leistungen aus einer Hand – von der Konzeptauswahl bis zum fertigen Raum.

Ein Faktor entscheidet dabei besonders hĂ€ufig ĂŒber Erfolg oder Misserfolg: die frĂŒhe Einbindung der Mitarbeitenden. Wer die Menschen, die spĂ€ter in den RĂ€umen arbeiten, von Anfang an befragt und einbezieht, erfĂ€hrt nicht nur, welche TĂ€tigkeiten welchen Raum brauchen, sondern schafft zugleich Akzeptanz fĂŒr die VerĂ€nderung. Konzepte, die am Reißbrett ĂŒber die Köpfe hinweg entstehen, scheitern dagegen oft an der RealitĂ€t – etwa wenn die teure Fokuszone leer bleibt, wĂ€hrend sich vor den zwei Telefonboxen Schlangen bilden. Beispiele anderer Unternehmen sind als Inspiration wertvoll, ersetzen aber nie den Blick auf die eigenen Leute.

Genauso wichtig ist, den Erfolg nach dem Einzug zu ĂŒberprĂŒfen. Eine kurze Befragung nach einigen Wochen und die Beobachtung, welche Zonen tatsĂ€chlich genutzt werden und welche nicht, zeigen schnell, wo nachgesteuert werden muss. Ein modernes BĂŒrokonzept ist eben kein einmaliges Projekt mit festem Enddatum, sondern ein lernendes System, das sich mit dem Unternehmen weiterentwickelt – genau das unterscheidet ein BĂŒro, das nur auf dem Papier gut aussieht, von einem, in dem Menschen wirklich gern und produktiv arbeiten.

7. HĂ€ufige Fragen zu modernen BĂŒrokonzepten

Welche BĂŒrokonzepte gibt es?

Zu den klassischen BĂŒroformen zĂ€hlen das ZellenbĂŒro, das GruppenbĂŒro, das KombibĂŒro und das GroßraumbĂŒro. Als moderne Weiterentwicklungen kommen Open-Space- und Multispace-Konzepte hinzu, die offene und geschlossene Zonen kombinieren. Auf der Nutzungsebene ergĂ€nzen Activity-Based Working und Desk Sharing diese Raumformen.

Was ist der Unterschied zwischen GroßraumbĂŒro und Multispace?

Das GroßraumbĂŒro ist eine durchgehend offene FlĂ€che ohne feste TrennwĂ€nde. Das Multispace gliedert die FlĂ€che dagegen bewusst in unterschiedliche Zonen und ergĂ€nzt die offenen ArbeitsplĂ€tze um geschlossene RĂ€ume fĂŒr Fokusarbeit, vertrauliche GesprĂ€che und Videocalls. Multispace ist damit die Antwort auf die SchwĂ€chen des reinen Großraums.

Was bedeutet Desk Sharing und fĂŒr wen lohnt es sich?

Beim Desk Sharing gibt es weniger ArbeitsplĂ€tze als Mitarbeitende, da selten alle gleichzeitig vor Ort sind. Die Desk-Sharing-Quote (z. B. 0,7) gibt das VerhĂ€ltnis an. Es lohnt sich vor allem bei hoher Homeoffice- bzw. Hybrid-Quote und kann rund 30 % der Schreibtische und der zugehörigen FlĂ€che einsparen – vorausgesetzt, es gibt klare Spielregeln wie ein Clean-Desk-Prinzip.

Welches BĂŒrokonzept passt zu meinem Unternehmen?

Das hĂ€ngt vom TĂ€tigkeitsmix, dem Bedarf an Vertraulichkeit und der tatsĂ€chlichen Anwesenheit ab. Viel konzentrierte oder vertrauliche Arbeit spricht fĂŒr geschlossene Formen, viel Austausch fĂŒr offene; gemischte, hybride Arbeit fĂŒhrt meist zu einem Multispace. Eine ehrliche Analyse dieser drei Punkte – idealerweise mit gemessenen Anwesenheitsdaten – zeigt die Richtung.

Wie viel FlÀche braucht ein Arbeitsplatz je nach Konzept?

Als Richtwert nennt die ASR A1.2 etwa 8–10 mÂČ je Arbeitsplatz im Einzel-/ZellenbĂŒro und 12–15 mÂČ im GroßraumbĂŒro, wobei dort zusĂ€tzliche Verkehrs- und AbstandsflĂ€chen enthalten sind. Über Desk Sharing lĂ€sst sich die insgesamt benötigte FlĂ€che unabhĂ€ngig von der Form deutlich reduzieren.

8. Fazit: die richtige Mischung statt der einen Form

Die wichtigste Erkenntnis aus all diesen Beispielen ist zugleich die befreiendste: Es gibt kein universell bestes BĂŒrokonzept. Das ZellenbĂŒro ist nicht ĂŒberholt und das GroßraumbĂŒro nicht per se modern – jede Form hat ihre Berechtigung, sobald sie zur TĂ€tigkeit passt. Die spannenden Lösungen entstehen heute fast immer in der Mitte, als durchdachte Mischung aus offenen und geschlossenen Bereichen, ergĂ€nzt um ein flexibles Belegungsmodell.

Wer die vorgestellten Konzepte als Baukasten begreift, statt nach der einen perfekten Vorlage zu suchen, trifft die beste Entscheidung: ein BĂŒro, das die eigenen TĂ€tigkeiten unterstĂŒtzt, die Kultur abbildet und sich anpassen lĂ€sst, wenn sich die Anforderungen Ă€ndern. Der nĂ€chste Schritt ist, aus der Inspiration einen konkreten Plan zu machen – und genau dort setzt die eigentliche Konzeptentwicklung an.

Quellenverzeichnis

  1. aconsea: BĂŒrokonzepte im Vergleich. https://aconsea.com/buerokonzepte-im-vergleich
  2. Lech BĂŒroplanung: BĂŒroformen im Vergleich. https://lech-bueroplanung.de/blog/bueroformen/
  3. buero-wissen.de: BĂŒroformen im Vergleich – welcher BĂŒrotyp? https://buero-wissen.de/bueroformen-im-vergleich-welcher-buerotyp/
  4. b-k-p: Multispace BĂŒro – Wissenswertes zum BĂŒrokonzept. https://www.b-k-p.net/wissen/multispace-buero
  5. Flexopus: Desk Sharing – Definition und Quote. https://www.flexopus.com/new-work-lexikon/desk-sharing
  6. Karrierebibel: BĂŒroformen im Überblick. https://karrierebibel.de/bueroformen/
  7. Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): ASR A1.2 – Raumabmessungen und BewegungsflĂ€chen. https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/ASR/ASR-A1-2.html

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