Der Wunsch nach flexiblem Arbeiten ist in Deutschland auf einem Rekordhoch: 88 % der Beschäftigten wollen Homeoffice oder flexible Modelle, und nur noch 7 % der Führungskräfte planen eine Rückkehr zur Vollzeit-Präsenzpflicht (PwC, 2025). Damit ist klar: Das Büro, das man betritt, weil man muss, hat ausgedient. An seine Stelle tritt ein Büro, in das man kommt, weil es einen Mehrwert bietet – und genau das ist der Kern dessen, was unter New Work verstanden wird.
Doch New Work ist mehr als Homeoffice, Obstkorb und Tischkicker. Es ist ein Denkmodell, das die Arbeit neu um den Menschen herum organisiert – mit konkreten Folgen für die Gestaltung des Büros. Dieser Ratgeber erklärt, woher New Work kommt und welche Prinzipien dahinterstehen, wie sich diese Prinzipien in einen realen Raum übersetzen, wie Sie ein New-Work-Bürokonzept Schritt für Schritt einführen – und warum Kultur dabei wichtiger ist als jedes Möbelstück.
New Work in Zahlen
Diese Zahlen zeigen einen Wandel, der nicht mehr umkehrbar ist. Flexible Arbeitsmodelle gelten inzwischen als einer der wichtigsten Faktoren für die Mitarbeiterbindung – noch vor dem Gehalt. Für Unternehmen heißt das: Wer Talente halten und gewinnen will, kommt an New Work nicht vorbei. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht mehr ob, sondern wie man es im eigenen Haus glaubwürdig umsetzt.
1. Was ist New Work? Ursprung und Prinzipien
Der Begriff New Work geht auf den österreichisch-amerikanischen Sozialphilosophen Frithjof Bergmann zurück, der ihn Ende der 1970er-Jahre prägte. Bergmann beobachtete in den USA, wie die Automatisierung klassische Industriearbeit verdrängte, und stellte eine radikale Frage: Was würden Menschen tun, wenn die Lohnarbeit sie nicht mehr vollständig vereinnahmt – was wollen sie „wirklich, wirklich"? Seine Antwort war eine Arbeitswelt, die nicht den Menschen dem Job unterordnet, sondern den Job dem Menschen dient. Im Zentrum standen für ihn Selbstständigkeit, Freiheit und die Teilhabe an einer Gemeinschaft.
Aus dieser Wurzel hat sich ein zeitgemäßes Verständnis entwickelt, das etwa der Wirtschaftspsychologe Markus Väth in einer „New Work Charta" zusammengefasst hat. Fünf Prinzipien bilden den Kern: Freiheit (selbstbestimmt entscheiden, wo, wann und wie man arbeitet), Selbstverantwortung (Vertrauen statt Kontrolle, Ergebnisse statt Anwesenheit), Sinn (Arbeit, die als bedeutsam erlebt wird), Entwicklung (Raum für persönliches und fachliches Wachstum) und soziale Verantwortung (Gemeinschaft und ein verantwortungsvoller Umgang mit Mensch und Umwelt). Wichtig ist die Einordnung: New Work ist damit kein fertiges Büromöbel-Paket, sondern eine Haltung. Homeoffice, flache Hierarchien oder flexible Zeiten sind Ausdruck dieser Haltung – nicht ihr Wesen.
Bemerkenswert ist, wie weit sich der Begriff von seinem Ursprung entfernt hat. Bergmann ging es um eine fast utopische Befreiung der Arbeit; im heutigen Sprachgebrauch ist „New Work" oft auf flexible Arbeitszeiten und schickes Mobiliar geschrumpft. Diese Verwässerung ist nicht nur akademische Spitzfindigkeit – sie erklärt, warum so viele New-Work-Projekte enttäuschen: Sie übernehmen die Vokabel, ohne den Anspruch dahinter zu verstehen. Wer die Prinzipien dagegen ernst nimmt, gewinnt einen klaren Maßstab, an dem sich jede Gestaltungsentscheidung messen lässt.
Genau hier liegt das häufigste Missverständnis. Viele Unternehmen verwechseln die sichtbaren Symbole von New Work – die offene Fläche, die Sitzsäcke, der Kaffeevollautomat – mit New Work selbst. Doch ein offenes Büro, in dem weiterhin Anwesenheit kontrolliert und Misstrauen gelebt wird, ist kein New-Work-Büro, sondern bestenfalls ein hübsch dekoriertes altes. Die Prinzipien müssen zuerst in Führung und Kultur ankommen, bevor der Raum sie glaubwürdig spiegeln kann.
Warum gerade jetzt? New Work ist keine neue Idee, aber erst heute trifft sie auf die passenden Bedingungen. Der Fachkräftemangel verschiebt die Verhandlungsmacht zugunsten der Arbeitnehmer, die jüngeren Generationen erwarten Sinn und Flexibilität ganz selbstverständlich, und die Pandemie hat im großen Stil bewiesen, dass ortsunabhängiges Arbeiten funktioniert. Was früher als idealistische Vision galt, ist damit zur betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit geworden: Unternehmen, die selbstbestimmtes Arbeiten verweigern, verlieren im Wettbewerb um Talente – und zwar messbar, wie die Bindungsstudien zeigen.
2. Vom Prinzip zum Raum: Wie New Work das Büro verändert
Wenn die Haltung steht, stellt sich die praktische Frage: Wie sieht ein Büro aus, das New Work tatsächlich unterstützt? Der Schlüssel liegt darin, jedes der fünf Prinzipien in eine konkrete räumliche und organisatorische Entscheidung zu übersetzen. Die folgende Grafik macht diese Übersetzung sichtbar.
Von der Haltung zum Raum
Am deutlichsten wird der Unterschied im direkten Vergleich mit dem klassischen Büro. Wo früher der feste, oft nach Hierarchie zugewiesene Arbeitsplatz im Mittelpunkt stand, rückt im New-Work-Büro die Tätigkeit in den Vordergrund: Die Fläche bietet verschiedene Umgebungen, und die Beschäftigten wählen selbst, wo sie welche Aufgabe erledigen. Das setzt voraus, dass das Büro nicht mehr als reiner Arbeitsplatz-Speicher gedacht wird, sondern als Begegnungsort, der das leistet, was das Homeoffice nicht kann – Zusammenarbeit, Kultur und soziale Bindung.
| Dimension | Klassisches BĂĽro | New-Work-BĂĽro |
|---|---|---|
| Arbeitsplatz | fester, oft hierarchisch zugewiesener Platz | frei wählbar je nach Tätigkeit (Activity-Based) |
| Leitprinzip | Anwesenheit & Kontrolle | Selbstbestimmung & Vertrauen |
| Funktion des BĂĽros | Ort der Einzelarbeit | Ort der Begegnung & Zusammenarbeit |
| Verhältnis zum Homeoffice | Ausnahme, geduldet | gleichberechtigt integriert (hybrid) |
| ErfolgsmaĂźstab | geleistete Stunden im BĂĽro | Ergebnisse & Wohlbefinden |
Diese Gegenüberstellung ist bewusst zugespitzt – kein Unternehmen springt über Nacht von der einen zur anderen Spalte. Entscheidend ist die Richtung: Ein New-Work-Bürokonzept bewegt sich konsequent vom Kontroll- zum Vertrauensraum. Wie sich offene Flächen dabei akustisch und funktional gestalten lassen, damit sie diesem Anspruch gerecht werden, vertieft der Ratgeber Großraumbüro einrichten.
Dieser Funktionswandel hat eine wichtige Konsequenz für die Planung: Das Büro muss sich seine Existenzberechtigung gewissermaßen verdienen. Solange es nur Schreibtische bereitstellt, die es zu Hause auch gibt, fehlt der Grund zu pendeln. Erst wenn die Fläche etwas bietet, das im Homeoffice fehlt – spontane Begegnungen, kreative Zusammenarbeit, das Gefühl von Zugehörigkeit –, wird sie zum Magneten statt zur Pflicht. Gute New-Work-Planung fragt deshalb konsequent: Wofür kommen die Menschen wirklich her? Und richtet die Fläche genau darauf aus.
3. Die Bausteine eines New-Work-BĂĽros
Ein New-Work-Büro besteht aus denselben Grundzonen wie jedes moderne Bürokonzept – setzt aber andere Schwerpunkte. Weil ein erheblicher Teil der konzentrierten Einzelarbeit ohnehin im Homeoffice stattfindet, verschiebt sich das Gewicht im Büro spürbar hin zu dem, wofür man physisch zusammenkommt: Begegnung, Austausch und gemeinsames Arbeiten. Die Begegnungs- und Kollaborationsflächen sind deshalb das Herz eines New-Work-Büros, nicht ein netter Zusatz am Rand.
Das heißt aber nicht, dass Ruhe überflüssig wird – im Gegenteil. Wer ins Büro kommt und dort nur Lärm und Ablenkung vorfindet, bleibt beim nächsten Mal zu Hause. Deshalb gehören ebenso selbstverständlich Fokus- und Rückzugszonen dazu, in denen ungestörtes Arbeiten und vertrauliche Gespräche möglich sind. Eine Besonderheit des hybriden Arbeitens sind Touchdown-Plätze: einfache, nicht zugewiesene Arbeitsplätze, an denen sich jemand für ein paar Stunden zwischen zwei Terminen niederlässt, ohne einen festen Schreibtisch zu blockieren. Sie sind der praktische Ausdruck des Desk-Sharing-Gedankens.
Worauf es bei der konkreten Ausstattung dieser Zonen ankommt, lässt sich auf einige Kernpunkte verdichten:
- Flexible, bewegliche Möbel: Tische auf Rollen, modulare Sitzlandschaften und mobile Trennwände erlauben es, Flächen je nach Bedarf schnell umzukonfigurieren.
- Technik fĂĽr hybride Zusammenarbeit: gute Kameras, Mikrofone und Displays in jedem Meetingbereich, damit zugeschaltete Kolleginnen und Kollegen gleichberechtigt teilnehmen.
- Akustik und Ergonomie: Schallabsorption und gute, höhenverstellbare Möbel sind die Voraussetzung dafür, dass die Fläche im Alltag überhaupt funktioniert.
- Identität und Wohlbefinden: Pflanzen, Tageslicht, Materialien und Gestaltungselemente, die die Kultur des Unternehmens spürbar machen.
Ein Aspekt verdient dabei besondere Aufmerksamkeit: das Wohlbefinden. New Work nimmt den Menschen ernst, und das schließt seine körperliche und seelische Gesundheit ein. Tageslicht, gute Luft, Pflanzen und ruhige Materialien sind deshalb keine Dekoration, sondern wirken nachweislich auf Konzentration, Stimmung und Gesundheit. Ein Büro, das Erholung und Bewegung ermöglicht – vom höhenverstellbaren Tisch bis zur einladenden Treppe statt des Aufzugs –, unterstützt genau die Selbstbestimmung, die New Work verspricht: Menschen gestalten ihren Arbeitstag so, wie er für sie am besten funktioniert.
Diese Bausteine sind keine Pflichtliste zum Abhaken, sondern ein Baukasten. Welche Zone wie viel Gewicht bekommt, ergibt sich aus den Tätigkeiten des Teams – ein Punkt, den der übergeordnete Ratgeber zu modernen Bürokonzepten mit der Logik des Activity-Based Working ausführlich behandelt.
Ein praktischer Nebeneffekt dieser Bausteine ist die Flächeneffizienz. Weil im hybriden Modell selten alle gleichzeitig vor Ort sind, kommt ein New-Work-Büro mit deutlich weniger Arbeitsplätzen als Mitarbeitenden aus. Die eingesparte Fläche wird nicht gestrichen, sondern umgewidmet – in eben jene Begegnungs- und Rückzugszonen, die das klassische Büro nicht kannte. So entsteht aus derselben oder sogar einer kleineren Fläche ein reichhaltigeres Angebot, was New Work zugleich zu einem Hebel für niedrigere Mietkosten macht.
4. New Work einfĂĽhren: Schritt fĂĽr Schritt
Der Weg zu einem New-Work-Büro führt nicht über den Möbelkatalog, sondern über einen geordneten Veränderungsprozess, der Kultur und Raum von Anfang an zusammen denkt. Die folgenden sechs Schritte haben sich in der Praxis bewährt.
New Work einfĂĽhren in 6 Schritten
Der erste und der letzte Schritt sind die schwierigsten – und die wichtigsten. Am Anfang steht die ehrliche Klärung der Haltung: Ist die Führung wirklich bereit, Kontrolle abzugeben und Ergebnisse statt Anwesenheit zu bewerten? Wer diese Frage nicht ehrlich mit Ja beantwortet, sollte mit dem Umbau warten, denn ein New-Work-Büro ohne New-Work-Führung wird von den Beschäftigten sofort als Widerspruch erkannt. Am Ende steht die ebenso anspruchsvolle Aufgabe, die neue Kultur im Alltag tatsächlich zu leben: Führungskräfte müssen Vertrauen vorleben, neue Spielregeln müssen eingeübt und nach den ersten Wochen nachjustiert werden. Dazwischen liegen die handwerklichen Schritte – Mitarbeitende einbeziehen, Arbeitsmodell und Spielregeln festlegen, Flächen planen und an einer Pilotfläche erproben.
Praxistipp: Behandeln Sie die Einführung als Veränderungsprojekt, nicht als Bauprojekt. Der häufigste Grund für gescheiterte New-Work-Initiativen ist nicht der Grundriss, sondern fehlendes Change Management – Menschen, die in alten Mustern verharren, weil ihnen niemand erklärt hat, warum und wie sie anders arbeiten sollen.
Wie lange der Umbau dauert, hängt stark von der Ausgangskultur ab – realistisch sind mehrere Monate, in größeren Organisationen auch ein Jahr und mehr. Der häufigste Fehler ist, ihn zu überstürzen: Ein über Nacht verordneter Großraum ohne Vorbereitung erzeugt Widerstand, der das ganze Vorhaben diskreditiert. Wer dagegen mit einer überzeugten Pilotabteilung beginnt, dort sichtbare Erfolge schafft und diese als internes Vorbild nutzt, gewinnt die Organisation Schritt für Schritt – Veränderung wird so vom Befehl zur Einladung.
5. New Work ist Kultur, nicht Dekoration
Kein Thema wird im Zusammenhang mit New Work so oft missverstanden wie dieses, deshalb verdient es einen eigenen Abschnitt. Es gibt eine wachsende Zahl von Büros, die alle äußeren Merkmale von New Work tragen – offene Flächen, Sitzsäcke, eine Kaffeebar – und in denen sich trotzdem nichts Grundlegendes geändert hat. Die Beschäftigten sollen weiterhin pünktlich da sein, Vertrauen wird nicht gewährt, Entscheidungen fallen wie eh und je von oben. Dieses Phänomen wird oft als „New Work Washing" bezeichnet: die Fassade ohne das Fundament.
Das Problem daran ist nicht nur kosmetisch. Beschäftigte spüren den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit sehr genau, und das Ergebnis ist oft schlimmer als beim ehrlichen klassischen Büro: Enttäuschung, Zynismus und ein Vertrauensverlust, der schwer zu reparieren ist. Wer New Work auf die Einrichtung reduziert, riskiert also genau das Gegenteil dessen, was er erreichen will. Die folgende Übersicht trennt den echten Anspruch vom bloßen Schein:
| Aspekt | Echtes New Work | New Work Washing |
|---|---|---|
| Arbeitsort | frei wählbar, Homeoffice gleichberechtigt | offene Fläche, aber faktische Präsenzpflicht |
| Führung | Vertrauen, Ergebnisorientierung | Kontrolle, nur neu möbliert |
| Entscheidungen | partizipativ, Verantwortung verteilt | weiterhin streng top-down |
| Zweck der Gestaltung | bessere Arbeit & Wohlbefinden | Image & Recruiting-Optik |
Die Lehre daraus ist einfach: Investieren Sie zuerst in Haltung und Führung, dann in den Raum. Ein bescheidener, aber ehrlich gelebter New-Work-Ansatz wirkt stärker als die teuerste Fläche ohne kulturelles Fundament.
Was „Vertrauen statt Kontrolle" konkret bedeutet, lässt sich an alltäglichem Führungsverhalten festmachen: Ergebnisse statt Anwesenheit bewerten, Erreichbarkeit nicht mit Leistung verwechseln, Entscheidungsspielräume tatsächlich abgeben und auch dann nicht zur Mikrokontrolle zurückkehren, wenn es einmal hakt. Diese Verhaltensänderung ist für viele Führungskräfte der schwierigste Teil, weil sie an Gewohnheiten und am eigenen Rollenverständnis rührt. Begleitende Schulungen und ein ehrlicher Austausch im Führungskreis sind deshalb keine Kür, sondern Voraussetzung dafür, dass aus dem New-Work-Versprechen gelebte Praxis wird.
6. Was New Work bringt – und wo die Grenzen liegen
Richtig umgesetzt, zahlt sich New Work mehrfach aus. Die Studienlage ist hier eindeutig: Flexible, selbstbestimmte Arbeitsmodelle verbessern die Mitarbeiterbindung, die Zufriedenheit und die Gesundheit, senken Fehlzeiten und steigern die Produktivität. Für die Personalgewinnung ist ein glaubwürdiges New-Work-Profil zu einem echten Wettbewerbsvorteil geworden – flexible Arbeitsmodelle rangieren bei der Bindung inzwischen noch vor dem Gehalt. In einer gut gestalteten Arbeitsumgebung lässt sich die Produktivität laut Fraunhofer IAO um bis zu 36 % steigern.
Bei aller Begeisterung gehört aber auch die ehrliche Kehrseite dazu, denn New Work ist kein Selbstläufer. Die größte Herausforderung ist der Teamzusammenhalt: Wenn jeder frei wählt, wann er kommt, kann es passieren, dass sich Teams kaum noch persönlich begegnen – gerade in verteilten Organisationen ist das eine reale Gefahr. Nicht jede Tätigkeit und nicht jeder Mensch eignet sich gleichermaßen für maximale Selbstbestimmung; manche brauchen Struktur, andere Aufgaben verlangen Präsenz oder besondere Vertraulichkeit. Und der Wandel verlangt von Führungskräften ein echtes Umdenken, das nicht allen leichtfällt.
Daraus folgt eine wichtige Differenzierung: New Work ist kein Einheitsrezept, das man jeder Abteilung in gleicher Dosis verordnet. Eine Forschungs- oder Entwicklungseinheit profitiert von großer Autonomie und ruhigen Fokuszeiten, ein Support-Team mit festen Schichten braucht mehr Struktur, und sicherheits- oder vertraulichkeitskritische Tätigkeiten setzen der freien Ortswahl natürliche Grenzen. Ein reifes New-Work-Konzept erkennt diese Unterschiede an und dosiert Selbstbestimmung nach Tätigkeit und Team – statt ein Modell dogmatisch über alle zu stülpen.
Die zentralen Stolpersteine lassen sich vorab entschärfen, wenn man sie kennt:
- Vereinzelung: Ohne bewusst gesetzte gemeinsame Bürotage oder Team-Events zerfasert der Zusammenhalt – Begegnung muss aktiv ermöglicht werden.
- Ungleichheit zwischen Präsenz und Remote: Wer im Büro ist, darf keine Vorteile gegenüber Zugeschalteten haben; Meetings und Entscheidungen müssen hybrid fair sein.
- Ăśberforderung durch Freiheit: Selbstbestimmung braucht Leitplanken und klare Spielregeln, sonst entsteht Unsicherheit statt Freiheit.
New Work ist damit weder ein Allheilmittel noch eine Modeerscheinung, sondern ein anspruchsvoller, aber lohnender Umbau der Arbeitsweise. Wohin die Entwicklung mittelfristig geht, beleuchtet ergänzend der Ratgeber zum Bürokonzept der Zukunft. Für die Planung und Umsetzung eines tragfähigen Konzepts aus einer Hand steht die Büroplanung bereit.
Ob New Work im eigenen Haus tatsächlich wirkt, sollte man nicht dem Bauchgefühl überlassen, sondern messen. Aussagekräftig sind etwa die Entwicklung der Mitarbeiterzufriedenheit in regelmäßigen Pulsbefragungen, die Fluktuations- und Krankheitsquote, die Erfolgsquote bei der Stellenbesetzung und die tatsächliche Nutzung der einzelnen Zonen. Diese Kennzahlen zeigen früh, ob die Veränderung greift oder wo nachzusteuern ist – und sie liefern die Argumente, um den eingeschlagenen Weg auch intern gegenüber Skeptikern zu rechtfertigen.
7. Häufige Fragen zum New Work Bürokonzept
Was ist ein New Work BĂĽrokonzept?
Ein New Work Bürokonzept überträgt die Prinzipien von New Work – Selbstbestimmung, Vertrauen, Sinn – in die Gestaltung des Büros. Statt fester Plätze und Anwesenheitskontrolle bietet es frei wählbare Zonen für unterschiedliche Tätigkeiten, starke Begegnungsflächen und eine gleichberechtigte Integration des Homeoffice. Das Büro wird vom Pflichtort zum Begegnungs- und Kulturort.
Was sind die Prinzipien von New Work?
Auf Frithjof Bergmann zurückgehend und in der „New Work Charta" zusammengefasst, gelten fünf Prinzipien: Freiheit, Selbstverantwortung, Sinn, Entwicklung und soziale Verantwortung. Sie verschieben den Fokus von der Arbeit als reinem Broterwerb hin zu einer Arbeit, die zum Menschen passt und ihm Gestaltungsspielraum gibt.
Ist New Work einfach nur Homeoffice und ein Kicker?
Nein. Homeoffice, flexible Zeiten oder eine lockere Einrichtung sind nur sichtbare Ausdrucksformen. New Work ist eine Haltung, die auf Vertrauen, Selbstbestimmung und Sinn beruht. Ein offenes Büro mit Kicker, in dem weiterhin Kontrolle und starre Hierarchien herrschen, ist kein New Work, sondern „New Work Washing".
Wie sieht ein New-Work-BĂĽro konkret aus?
Es folgt dem Activity-Based Working: verschiedene Zonen für Fokus, Zusammenarbeit, Meetings und Begegnung, die je nach Aufgabe gewählt werden. Begegnungs- und Kollaborationsflächen bekommen mehr Gewicht, ergänzt um Fokus-/Rückzugsbereiche und Touchdown-Plätze für hybride Tage. Feste, zugewiesene Schreibtische entfallen meist zugunsten von Desk-Sharing.
Wie fĂĽhrt man New Work im Unternehmen ein?
In sechs Schritten: Haltung und Ziele klären, Mitarbeitende einbeziehen, Arbeitsmodell und Spielregeln festlegen, Flächen und Zonen planen, an einer Pilotfläche erproben und schließlich die Kultur dauerhaft verankern. Entscheidend ist, Kultur und Raum gemeinsam zu denken – ohne gelebtes Vertrauen bleibt der schönste Raum wirkungslos.
8. Fazit: Erst die Haltung, dann der Raum
New Work ist die wohl wirkungsvollste, aber auch die am häufigsten missverstandene Strömung der modernen Arbeitswelt. Ihr Kern ist keine Einrichtungsfrage, sondern eine Haltung: Arbeit so zu organisieren, dass sie zum Menschen passt – selbstbestimmt, sinnvoll und in einer tragfähigen Gemeinschaft. Das Büro ist dabei nicht Nebensache, sondern der sichtbarste Ausdruck dieser Haltung. Es verwandelt sich vom Ort der täglichen Pflichtanwesenheit in einen Ort, an den Menschen kommen, weil er ihnen Zusammenarbeit, Kultur und Begegnung bietet.
Der rote Faden lautet deshalb: erst die Haltung, dann der Raum. Wer Führung und Kultur zuerst auf Vertrauen und Selbstbestimmung ausrichtet und das Büro anschließend konsequent danach gestaltet, gewinnt zufriedenere, gesündere und produktivere Teams – und ein starkes Argument im Wettbewerb um Talente. Wer die Reihenfolge umdreht und nur die Fassade modernisiert, riskiert das Gegenteil. New Work ist anspruchsvoll, aber für Unternehmen, die es ernst meinen, ist es einer der lohnendsten Wege in die Zukunft der Arbeit.
Quellenverzeichnis
- CLEVIS: New Work – Konzept, Definition und Arbeitsweisen (Ursprung Frithjof Bergmann). https://www.clevis.de/ratgeber/new-work/
- Brainbirds: New Work Manifesto – Werte und Prinzipien (New Work Charta nach Markus Väth). https://www.brainbirds.com/de/blog/new-work-manifesto-werte-und-prinzipien
- PwC (2025): Homeoffice so gefragt wie nie – flexible Arbeitsmodelle als Wettbewerbsfaktor. pwc.de
- Startupverband: Deutscher Startup Monitor – Bedeutung flexibler Arbeitsmodelle für die Mitarbeiterbindung. startupverband.de
- Fraunhofer IAO: Forschung zu Büro, Arbeitsumgebung und Produktivität (Office 21). iao.fraunhofer.de
- Haufe Akademie: New Work – Bedeutung, Chancen und Herausforderungen. haufe-akademie.de





