Moderne Bürokonzepte: Zukunftsorientierte Arbeitsplatzgestaltung

Moderne Bürokonzepte umsetzen 🏢 Offene Raumstrukturen ✓ Kollaborationszonen ✓ Digitalisierung ✓ New Work Prinzipien ✓ Innovativ arbeiten!

1. Was moderne Bürokonzepte tatsächlich leisten – und was nicht

Das Büro hat ein Identitätsproblem. Beschäftigte verbringen laut der Gensler Global Workplace Survey 2025 im Schnitt rund 55 % ihrer Arbeitswoche im Büro, geben aber an, dass sie etwa 65 % bräuchten, um ihre beste Arbeit zu leisten. Gleichzeitig stimmen nur 26 % der Befragten zu, dass ihr aktueller Arbeitsplatz sie dabei tatsächlich unterstützt. Die Lücke zwischen Anwesenheit und Wirksamkeit ist das zentrale Problem, das moderne Bürokonzepte lösen sollen.

Dabei geht es nicht um offenere Grundrisse oder ein paar Sitzsäcke im Flur. Ein modernes Bürokonzept ist eine strategische Entscheidung darüber, welche Arbeit wo am besten stattfindet. Es strukturiert Flächen konsequent nach Tätigkeiten: konzentrierte Einzelarbeit, kollaborative Teamarbeit, informeller Austausch und Regeneration bekommen jeweils eigene, dafür optimierte Bereiche.

Der Begriff umfasst dabei verschiedene Ansätze mit unterschiedlicher Reichweite:

Activity-Based Working (ABW) löst den festen Arbeitsplatz vollständig auf. Mitarbeitende wählen je nach Tätigkeit den passenden Bereich – vom schallisolierten Fokusraum bis zum offenen Projektbereich. Unternehmen, die ABW einsetzen, stellen typischerweise 0,7 bis 0,8 Arbeitsplätze pro Person bereit.

Multi-Space-Büros verfolgen denselben Grundgedanken, halten aber in der Regel einen gewissen Anteil fest zugewiesener Plätze bei. Die Fläche wird in klar definierte Zonen unterteilt, zwischen denen Mitarbeitende im Tagesverlauf wechseln können.

Hybride Konzepte kombinieren beides mit einer bewussten Steuerung der Bürotage. Feste Teamtage schaffen Planbarkeit, während die übrigen Tage flexibel zwischen Homeoffice und Büro aufgeteilt werden.

Allen Ansätzen gemeinsam ist die Abkehr von einer Logik, die seit Jahrzehnten galt: ein Schreibtisch, eine Person, acht Stunden. Diese Logik führt in hybriden Arbeitsmodellen zu massiven Leerständen – statistisch gesehen werden knapp die Hälfte aller Schreibtische weniger als eine Stunde pro Tag genutzt.

Was die Studienlage wirklich sagt

Die Forschung zu modernen Bürokonzepten ist umfangreicher, als sich vermuten lässt – und die Ergebnisse sind differenzierter. Eine Meta-Analyse der Universität Sydney kommt zu dem Ergebnis, dass rund 70 % der Studien einen positiven Einfluss von ABW auf die Arbeitsleistung ausweisen. Eine Studie von Veldhoen + Company (2020) zeigt nach der Umstellung auf ABW eine Steigerung der Arbeitsplatzzufriedenheit um 17 %, der individuellen Aktivität um 13 % und der Gruppenaktivität um 8 %.

Gleichzeitig zeigen andere Untersuchungen ein weniger eindeutiges Bild. Eine internationale Studie aus 2018 ergab, dass klassische Zellenbüros bei den Kriterien Zufriedenheit, Wohlfühlen und Effektivität weiterhin vorne lagen. Der niederländische ABW-Forscher Jan Gerard Hoendervanger stellt fest, dass das Konzept derzeit nur den Bedürfnissen einer kleinen Minderheit entspricht – aber signifikantes Potenzial hat, wenn es mit Bedacht umgesetzt wird.

Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Es kommt nicht auf das Konzept an sich an, sondern auf die Passung. Die Gensler-Studie 2025 bestätigt das eindrücklich: Mitarbeitende, die eine hohe Wahlfreiheit in Bezug auf ihren Arbeitsort innerhalb des Büros haben, bewerten ihren Arbeitsplatz fast dreimal häufiger positiv als solche ohne diese Wahlfreiheit. Der Hebel liegt also nicht im Abschaffen von Einzelbüros, sondern im Schaffen von Optionen.

2. Die vier Zonen: Wie ein modernes Büro aufgebaut ist

Ein funktionierendes modernes Bürokonzept braucht mindestens vier klar voneinander abgegrenzte Zonen. Die Abgrenzung ist dabei nicht optional – sie ist die Voraussetzung dafür, dass die Zonen ihren jeweiligen Zweck erfüllen können. Akustische und visuelle Trennung muss von Anfang an mitgedacht werden.

Fokus-Zonen

Konzentriertes Arbeiten ist das Sorgenkind moderner Bürowelten. Lärm ist der Produktivitätskiller Nummer eins, und die Zahlen sind eindeutig: Studien beziffern die Produktivitätsverluste durch Lärmbelastung auf 5 bis 15 % der Arbeitszeit. Laut einer Jabra-Studie (2024) mit 2.000 Wissensarbeitern fühlen sich 63 % bei hohem Lärmpegel körperlich müde, 47 % fühlen sich gestresst. Eine Ifop-Studie ergab, dass durch Bürolärm täglich 30 Minuten Arbeitszeit verloren gehen – pro Person.

Fokus-Zonen müssen daher konsequent schallisoliert sein. Das bedeutet: geschlossene Einzelkabinen oder Deepwork-Räume mit akustisch wirksamen Materialien, nicht bloß ein Schreibtisch mit Trennwand in einer ruhigeren Ecke. Die DIN 18041 empfiehlt für konzentriertes Arbeiten eine Nachhallzeit von unter 0,5 Sekunden. Dieser Wert ist in offenen Büros ohne gezielte Maßnahmen praktisch nicht erreichbar.

Ein wichtiger Befund: Eine Studie verglich drei Szenarien – ein Einzelbüro mit geschlossener Tür, ein Open Space mit guter Akustikplanung und ein Open Space ohne Akustikmaßnahmen. Das Ergebnis: Die Leistungsfähigkeit im akustisch behandelten Open Space lag auf dem gleichen Niveau wie im Einzelbüro. Ohne Akustikmaßnahmen sank sie deutlich ab. Die Investition in Akustik ist also nicht Luxus, sondern die Grundvoraussetzung dafür, dass ein offeneres Konzept funktioniert.

Kollaborations-Zonen

Hier findet die Arbeit statt, für die das Büro gegenüber dem Homeoffice einen echten Mehrwert bietet: Workshops, Brainstormings, Sprint-Sessions. Die Gensler-Studie zeigt, dass sich das Büro zunehmend als sozialer Ort positioniert – Teamarbeit, Austausch und kreative Sessions sind die Hauptgründe, warum Menschen ins Büro kommen.

Kollaborationszonen brauchen modulare Möblierung, die sich in Minuten umkonfigurieren lässt, beschreibbare Flächen (Whiteboards, Glaswände), zuverlässige hybride Meeting-Technik (Kameras, Mikrofone, Bildschirme) und eine räumliche Abgrenzung, die verhindert, dass ein lebhaftes Brainstorming die Fokus-Zone nebenan stört.

Kommunikations-Zonen

Telefonboxen und kleine Meeting-Pods lösen ein spezifisches Problem: private Gespräche und Videocalls, die in offenen Bereichen die Konzentration aller anderen beeinträchtigen. In hybriden Arbeitsmodellen, in denen ein erheblicher Teil der Meetings mit remote zugeschalteten Kolleginnen und Kollegen stattfindet, sind diese Räume nicht mehr wegzudenken. Laut der Gensler-Studie 2024 existieren Räume für Videokonferenzen in hochperformanten Büros zwei- bis viermal häufiger als in schlecht bewerteten Büros.

Soziale Zonen (Community Hubs)

Kaffeebars, Lounges, Projektcafés – diese Bereiche fördern den informellen Austausch, der in der Forschung als „Serendipität" bezeichnet wird: ungeplante Begegnungen, aus denen neue Ideen entstehen. Die Gensler-Studie bestätigt: Mitarbeitende aus starken Teams sitzen zu 81 % in der Nähe ihrer Kolleginnen und Kollegen, verglichen mit nur 50 % bei schwachen Teams. Die physische Nähe und die Gelegenheit zum beiläufigen Gespräch spielen eine messbare Rolle für die Teamqualität.

Vergleich: Welches Konzept passt zu welchem Unternehmen?

Konzept Stärken Schwächen Geeignet für
Zellenbüro Maximale Konzentration, Privatsphäre Geringe Flächeneffizienz, Silobildung Tätigkeiten mit hoher Vertraulichkeit
Open Space Kurze Wege, Transparenz Lärm, Konzentrationsverlust Projektbasierte Teams mit viel Abstimmungsbedarf
Activity-Based Working Höchste Flexibilität, bis zu 50 % Flächenersparnis Erfordert kulturellen Wandel, Orientierungsaufwand Unternehmen mit hoher Homeoffice-Quote und digitalem Reifegrad
Multi-Space Ausgewogene Mischung, individuelle Anpassung Planungsaufwand, höhere Investition pro m² Mittlere bis große Unternehmen mit heterogenen Tätigkeitsprofilen

Der entscheidende Hinweis: Ein modernes Bürokonzept muss nicht die Abschaffung aller geschlossenen Räume bedeuten. Studien bestätigen, dass klassische Einzel- und kleine Gemeinschaftsbüros für viele Wissensarbeitende nach wie vor produktiver und zufriedenstellender sind als rein offene Konzepte. Es geht darum, eine intelligente Mischung zu finden, die den spezifischen Anforderungen des Unternehmens entspricht.

3. Flächenbedarf berechnen: Desk-Sharing-Quote und Bürofläche pro Arbeitsplatz

Bürofläche ist nach dem Personal der zweitgrößte Kostenfaktor. In hybriden Arbeitsmodellen ist eine 1:1-Zuordnung von Schreibtischen zu Mitarbeitenden fast immer Verschwendung. Die Desk-Sharing-Quote gibt das Verhältnis von verfügbaren Arbeitsplätzen zur Gesamtzahl der Mitarbeitenden an und ist der zentrale Planungswert für die Flächenoptimierung.

Die Formel:

Desk-Sharing-Quote = Anzahl der Arbeitsplätze ÷ Anzahl der Mitarbeitenden

Eine Quote von 0,7 bedeutet: Für 100 Mitarbeitende stehen 70 Arbeitsplätze bereit.

Welche Quote ist die richtige?

Es gibt keine Universalquote. Die richtige Zahl hängt von der tatsächlichen Anwesenheit ab, und diese muss gemessen werden – nicht geschätzt. Ein Erhebungszeitraum von mindestens zwei Wochen ist sinnvoll, um saisonale Schwankungen und Wochentags-Unterschiede abzubilden.

Orientierungswerte aus der Praxis:

Quote 0,9 (konservativ): Minimales Risiko, geringe Einsparung. Geeignet für den Einstieg oder Unternehmen mit überwiegender Präsenzkultur. Im Prinzip reichen hier bereits Urlaubs- und Krankheitstage aus, um die Quote zu decken.

Quote 0,7 (moderat): Ausgewogenes Verhältnis zwischen Effizienz und Komfort. Für die meisten Unternehmen mit hybridem Arbeitsmodell der empfohlene Startpunkt. 100 Mitarbeitende teilen sich 70 Plätze, jede Person kann im Schnitt 3 bis 3,5 Tage pro Woche im Büro arbeiten.

Quote 0,5 (progressiv): Maximale Flächeneffizienz, aber höheres Risiko. Nur für Unternehmen mit sehr hoher Homeoffice-Affinität geeignet, etwa IT-Unternehmen oder Beratungen mit hohem Reiseanteil. Bei 120 Mitarbeitenden stehen 60 Plätze zur Verfügung – durchschnittlich 2,5 Bürotage pro Person.

Wichtig: Ein Puffer von 10 bis 15 % sollte immer eingeplant werden, um Peak-Zeiten (erfahrungsgemäß Dienstag und Mittwoch) abzufangen. Ohne Puffer entsteht Frustration – und Frustration ist der größte Feind der Akzeptanz.

Flächenbedarf pro Arbeitsplatz

Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und die zugehörigen Arbeitsstättenregeln (ASR) definieren Mindestanforderungen: mindestens 8 m² pro Arbeitsplatz, besser 10 m² inklusive Bewegungsflächen und Stauraum. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) empfiehlt für Gruppenbüros ab drei Personen 10 bis 12 m² pro Arbeitsplatz.

In modernen Multi-Space-Büros rechnet man eher mit 12 bis 15 m² pro Arbeitsplatz, da zusätzliche Fläche für Zonierung, Verkehrswege und Gemeinschaftsbereiche benötigt wird. Der scheinbare Widerspruch – mehr Fläche pro Arbeitsplatz, aber weniger Gesamtfläche – löst sich über das Desk-Sharing auf: Weniger Tische insgesamt, dafür ist die verbleibende Fläche hochwertiger gestaltet.

Rechenbeispiel: 100 Mitarbeitende × 60 % Anwesenheitsquote × 12 m² pro Arbeitsplatz = 720 m² benötigte Bürofläche. Im Vergleich: Bei einer klassischen 1:1-Zuordnung wären es 100 × 10 m² = 1.000 m². Die Einsparung beträgt 28 % – bei gleichzeitig besserer Ausstattung der verbleibenden Fläche.

4. Biophiles Design: Was die Forschung über Pflanzen, Licht und Materialien sagt

Biophiles Design – die Integration natürlicher Elemente in die gebaute Umwelt – gehört zu den am besten erforschten Hebeln für Wohlbefinden und Produktivität im Büro. Die Datenlage ist hier ausnahmsweise eindeutig.

Die umfassendste Studie zum Thema, der Human Spaces Report, untersuchte 7.600 Büroangestellte weltweit. Das Ergebnis: Mitarbeitende in Büroumgebungen mit natürlichen Elementen berichten 6 % höhere Produktivität, 15 % mehr Kreativität und ein um 15 % gesteigertes Wohlbefinden. Ein Drittel der Befragten gab an, dass die Bürogestaltung ihre Entscheidung für einen Arbeitgeber beeinflusst.

Gleichzeitig sagen 47 % der Befragten, dass sie kein natürliches Tageslicht an ihrem Arbeitsplatz haben – obwohl natürliches Licht der meistgenannte Wunsch ist, noch vor Fitnessräumen, Cafeterien oder Kinderbetreuung. Mitarbeitende in Büros mit gutem Tageslicht melden laut dem UK Green Building Council 18 % weniger Krankheitstage.

Wie viel Grün ist optimal?

Eine quantitative Studie, die den Effekt verschiedener Grünanteile im Büro untersuchte, liefert eine überraschend präzise Antwort: 12 % Grünflächenanteil im Sichtfeld ist die optimale Dosis. Unter 5 % reicht die Menge nicht aus, um messbare psychologische Effekte zu erzeugen. Über 20 % wird die visuelle Stimulation als überwältigend empfunden. Der Wert von 12 % erzeugt sowohl auf der physiologischen Ebene (Gehirnaktivität) als auch auf der psychologischen Ebene (Stressreduktion, Zufriedenheit) die stärksten positiven Effekte.

Die drei Wirkfaktoren biophilen Designs

Tageslicht und Lichtdynamik: Human Centric Lighting (HCL) simuliert den natürlichen Tagesverlauf – kühleres, blaureiches Licht am Morgen für Wachheit und Konzentration, wärmeres Licht am Nachmittag für Regeneration. Die Kombination aus maximalem Tageslichteinfall und dynamischer Kunstlichtsteuerung kann den Schlaf-Wach-Rhythmus der Mitarbeitenden stabilisieren und die Fokusleistung spürbar verbessern.

Pflanzen und Luftqualität: Echte Pflanzen (nicht Kunstgrün) wirken dreifach: Sie verbessern die Luftqualität durch das Filtern von Schadstoffen, erhöhen die Luftfeuchtigkeit und senken den Stresslevel messbar – nachgewiesen unter anderem durch eine Reduktion der Herzfrequenz und des Blutdrucks bei Sichtkontakt mit Grün.

Natürliche Materialien: Sichtbare Holzstrukturen, Stein, Wolle – natürliche Materialien vermitteln Geborgenheit und senken die psychophysiologische Anspannung. Im Gegensatz zu glatten, hochreflektierenden Oberflächen (Glas, Metall, Beton) absorbieren sie zudem Schall, was einen doppelten Nutzen für die Raumqualität hat.

5. Nachhaltigkeit im Büro: Zirkuläre Möblierung als wirtschaftliche und ökologische Strategie

Nachhaltigkeit ist 2026 keine optionale Zusatzleistung mehr. ESG-Berichtspflichten, Zertifizierungen wie B Corp, LEVEL und WELL v2 sowie steigende Erwartungen von Mitarbeitenden und Kunden machen ökologisch verantwortungsvolle Bürogestaltung zur Grundvoraussetzung.

Die Zahlen zum Status quo sind ernüchternd: In der Europäischen Union werden jährlich rund 10 Millionen Tonnen Möbel entsorgt, ein Großteil davon landet auf Deponien oder wird verbrannt. Weltweit sind es sogar 57 Millionen Tonnen Büromöbel pro Jahr. Dabei befinden sich viele dieser Möbel in einwandfreiem Zustand – sie werden ersetzt, weil Unternehmen umziehen, fusionieren oder ihre Flächen umstrukturieren.

Refurbished statt Neuware: Was die Zahlen sagen

Der zirkuläre Ansatz – professionell aufbereitete Gebrauchtmöbel statt Neuware – ist kein Kompromiss, sondern eine strategisch überlegene Lösung. Die konkreten Vorteile:

Kostenreduktion: Aufbereitete Büromöbel kosten im Schnitt 45 bis 60 % weniger als vergleichbare Neuware – bei voller Funktionalität und professioneller Aufbereitung mit Gewährleistung. Der Zugang zu Premium-Marken (Vitra, Steelcase, Herman Miller), die im Neukauf für viele Budgets nicht erreichbar wären, wird dadurch realistisch.

CO₂-Einsparung: Rund 95 % der CO₂-Emissionen eines Büromöbels fallen während der Herstellung an, nur 5 % während der gesamten Nutzungsdauer. Durch Refurbishment lassen sich pro Arbeitsplatz etwa 100 bis 150 kg CO₂ einsparen. Bei einem Büro mit 100 Arbeitsplätzen summiert sich das auf 10 bis 15 Tonnen vermiedene Emissionen. Im Fall von Drehstühlen kann die Einsparung beim Materialeinsatz und den Emissionen laut Herstellerangaben bis zu 80 % betragen.

Verfügbarkeit: Während bei Neumöbeln Lieferzeiten von 8 bis 16 Wochen keine Seltenheit sind, sind aufbereitete Möbel in der Regel sofort verfügbar. Das verkürzt Projektlaufzeiten erheblich und reduziert die Downtime bei Umzügen oder Umstrukturierungen.

Transparenz: Digitale Inventarisierung des vorhandenen Bestands schafft Klarheit darüber, welche Möbel weiterverwendet, aufbereitet oder ersetzt werden sollten – bevor neue Beschaffungsentscheidungen getroffen werden. Viele Unternehmen wissen schlicht nicht, welchen Wert ihr vorhandenes Mobiliar noch hat.

6. Der Weg zur Umsetzung: Worauf es beim Change Management ankommt

Die häufigste Ursache für das Scheitern moderner Bürokonzepte ist nicht das Konzept selbst – es sind mangelnde Vorbereitung und fehlende Einbindung der Mitarbeitenden. Der Verlust des festen Arbeitsplatzes wird von vielen Menschen als Kontrollverlust empfunden. Dieser Verlust muss durch einen spürbaren Gewinn an Wahlfreiheit und Raumqualität kompensiert werden.

Phase 1: Analyse (4–6 Wochen)

Bevor ein einziges Möbelstück bewegt wird, muss die Datenbasis stehen. Das bedeutet:

Auslastung messen: Wie viele Arbeitsplätze werden an welchen Wochentagen tatsächlich genutzt? Sensoren, Buchungssysteme oder auch eine einfache manuelle Zählung über zwei bis drei Wochen liefern die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. Ohne diese Daten ist jede Planung Spekulation.

Tätigkeitsprofile erfassen: Welche Arbeit leisten die Teams? Wie hoch ist der Anteil an konzentrierter Einzelarbeit, an Meetings, an Telefonaten, an kollaborativer Projektarbeit? Die Zonierung des Büros muss diese realen Tätigkeitsprofile widerspiegeln.

Bestand inventarisieren: Welche Möbel sind vorhanden? In welchem Zustand? Welchen Restwert haben sie? Eine digitale Bestandsaufnahme verhindert, dass funktionstüchtige Einrichtung entsorgt und teuer neu beschafft wird.

Phase 2: Konzept und Partizipation (6–8 Wochen)

Die Planung sollte so partizipativ wie möglich sein. Das heißt nicht, dass Mitarbeitende das Büro selbst entwerfen – aber sie müssen in Workshops zu ihren Bedürfnissen, Bedenken und Prioritäten befragt werden. Die Erfahrung zeigt: Je stärker die Einbindung, desto höher die Akzeptanz.

In dieser Phase werden die Zonierung festgelegt, die Desk-Sharing-Quote definiert, die Möbelplanung (Refurbished, Neuware, Bestandsintegration) erstellt und das Budget verabschiedet.

Phase 3: Pilotfläche (4–8 Wochen)

Nicht sofort das gesamte Büro umbauen. Stattdessen: eine Testfläche einrichten, die das neue Konzept im Kleinen abbildet. Teams arbeiten dort unter realen Bedingungen, geben Feedback, und die Planung wird iterativ angepasst. Typische Erkenntnisse aus Pilotphasen: zu wenig Fokus-Räume, zu laute Kollaborationszonen, unklare Regeln für Desk-Sharing.

Phase 4: Rollout und kulturelle Verankerung

Nach der Pilotphase folgt der Rollout – idealerweise bereichsweise, nicht auf einen Schlag. Parallel müssen klare Spielregeln kommuniziert werden: Clean-Desk-Policy, Buchungsetikette, Verhalten in Fokus-Zonen. Ohne kulturelle Rahmenbedingungen verfällt das beste Konzept schnell in alte Muster.

Die technische Befähigung ist dabei nicht zu unterschätzen: Buchungssysteme für Arbeitsplätze müssen intuitiv sein, hybride Meeting-Technik muss zuverlässig funktionieren, und Mitarbeitende brauchen eine kurze, praxisnahe Einführung in die neuen Tools.

Phase 5: Kontinuierliche Evaluation

Ein Bürokonzept ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein lebendiges System. Die Flächennutzung sollte mindestens vierteljährlich ausgewertet werden: Welche Zonen werden stark genutzt, welche stehen leer? Wo entstehen Engpässe? Die Erkenntnisse fließen in laufende Anpassungen ein – von der Nachjustierung der Zonierung bis zur Ergänzung von Akustikelementen.

7. Internationale Beispiele: Was von den Besten zu lernen ist

Booking.com, Amsterdam: Ein 70.000 m² großes Headquarter, das als „Dorf" konzipiert wurde. Elf verschiedene Innenarchitekturbüros gestalteten 28 individuell thematisierte Besprechungsräume. Das Gebäude dient nicht nur als Arbeitsort, sondern bewusst als Rekrutierungsinstrument für internationale Talente.

Unilever, Istanbul: Nach der Pandemie wurde der Fokus radikal auf Wellbeing gesetzt: Massage-, Yoga- und Gebetsräume sowie biophiles Design in allen Bereichen. Das Ergebnis: messbar gestärkte Mitarbeiterbindung und eine Unternehmenskultur, die den Bürobesuch als Mehrwert – nicht als Pflicht – positioniert.

Gensler-Datenbank, global: Über alle 16.800 Befragten der aktuellen Studie hinweg zeigt sich ein klares Muster: Hochperformante Büros bieten mehr Raumtypen zur Auswahl. Innovation Hubs, Work Cafés, Outdoor-Arbeitsbereiche und Fokusräume existieren in den besten Büros zwei- bis viermal häufiger als in den schlechtesten. Weniger als ein Drittel aller Büros weltweit wurde in den letzten drei Jahren redesigned – hier liegt enormes ungenutztes Potenzial.

8. Fazit: Die Investition, die sich rechnet

Moderne Bürokonzepte sind keine kosmetische Aufwertung. Sie sind eine betriebswirtschaftliche Entscheidung mit messbarem Return on Investment:

Flächenkosten: Eine Reduktion der Gesamtfläche um 25 bis 30 % ist in den meisten Transformationsprojekten realistisch – bei gleichzeitiger Verbesserung der Raumqualität. Die Einsparungen betreffen nicht nur Miete, sondern auch Energie, Reinigung und IT-Infrastruktur.

Produktivität: Die Forschung zeigt konsistent, dass gut gestaltete Arbeitsumgebungen mit Wahlfreiheit, guter Akustik und biophilen Elementen die Leistungsfähigkeit steigern. Die konkreten Zahlen variieren je nach Studie zwischen 6 und 17 %, aber die Richtung ist eindeutig.

Mitarbeiterbindung: 90 % der Mitarbeitenden in als gut bewerteten Büros sind stolz auf ihren Arbeitgeber – verglichen mit 47 % bei denen, die sich von ihrem Arbeitsumfeld abgehängt fühlen. In einem Arbeitsmarkt, in dem Fachkräfte wählen können, ist das Büro ein handfestes Argument.

Nachhaltigkeit: Zirkuläre Möblierung spart 45 bis 60 % der Beschaffungskosten und vermeidet pro Arbeitsplatz rund 100 bis 150 kg CO₂. Bei steigenden ESG-Anforderungen wird dieser Aspekt von der Kür zur Pflicht.

Die Amortisation liegt erfahrungsgemäß bei 24 bis 36 Monaten – danach zahlt die Investition dauerhaft auf Effizienz, Attraktivität und Nachhaltigkeit ein

Quellenverzeichnis

  1. Gensler Research Institute (2025): Global Workplace Survey 2025. https://www.gensler.com/gri/global-workplace-survey-2025
  2. Gensler Research Institute (2024): Global Workplace Survey 2024. https://www.gensler.com/gri/global-workplace-survey-2024
  3. Interface / Human Spaces (2015): The Global Impact of Biophilic Design in the Workplace. https://greenplantsforgreenbuildings.org/wp-content/uploads/2015/08/Human-Spaces-Report-Biophilic-Global_Impact_Biophilic_Design.pdf
  4. Lei, Q. et al. (2021): A quantitative study for indoor workplace biophilic design to improve health and productivity performance. Journal of Cleaner Production. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0959652621033540
  5. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin – BAuA (2016): Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Lärm. https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F2353-4a.pdf
  6. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2004, zuletzt geändert 2016): Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) inkl. Arbeitsstättenregeln (ASR A1.2). https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Arbeitsschutz/Gesicherte-Erkenntnisse/Technische-Regeln/Arbeitstaetten/arbeitstaetten.html
  7. Deutsches Institut für Normung (2016): DIN 18041:2016-03 – Hörsamkeit in Räumen. https://www.din.de/de/mitwirken/normenausschuesse/nals/veroeffentlichungen/wdc-beuth:din21:248885780
  8. Klimaschutzministerium Österreich / Climate Lab (o. D.): Abschlussbericht Zirkuläre Büromöbel. https://www.klimaschutzministerium.at

Kostenlose Erstberatung buchen.

Bild von Anina Blatter, Einrichtungsberaterin bei Fenyx Office
Anina Blatter
Einrichtungsberaterin

„Ich freue mich, Sie zur nachhaltigen Transformation Ihres Büros zu beraten.“