Großraumbüro einrichten: Effektive Gestaltung offener Arbeitsflächen

Großraumbüro einrichten leicht gemacht 🏢 Zonierung ✓ Akustiklösungen ✓ Flexibles Mobiliar ✓ Teamarbeit & Privatsphäre optimieren!

Großraumbüro einrichten – Büroeinrichtung | Fenyx Office

1. Warum 80% aller Großraumbüros an denselben Fehlern scheitern

Ein Großraumbüro einzurichten ist mehr als ein Möbelkauf. Es ist ein komplexes Projekt, bei dem eine einzige falsche Entscheidung in der Planungsphase monatelange Beschwerden, sinkende Produktivität und teure Nachbesserungen nach sich ziehen kann. Die Statistik ist ernüchternd: Laut einer Ifop-Studie gehen durch Bürolärm täglich 30 Minuten Arbeitszeit verloren – pro Person. Bei einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitenden summiert sich das auf 50 Arbeitsstunden pro Tag oder 12.500 Stunden pro Jahr. Bei einem konservativen Stundensatz von 50 Euro bedeutet das einen jährlichen Produktivitätsverlust von 625.000 Euro. Und das ist nur ein Aspekt.

Die häufigsten Fehler haben dabei System: Unternehmen unterschätzen den Flächenbedarf, planen die Akustik als nachträgliches Nice-to-have statt als Grundvoraussetzung und kalkulieren nur die reinen Möbelkosten, während IT-Infrastruktur, Akustikmaßnahmen und Umzugskosten das Budget um 50 bis 70 Prozent in die Höhe treiben. Dieser Leitfaden soll Ihnen helfen, diese Fehler von Anfang an zu vermeiden.

Er richtet sich an Facility Manager, Office Manager und Geschäftsführer, die ein Großraumbüro von der ersten Bedarfsanalyse bis zum finalen Einzug planen müssen. Sie erhalten keine theoretischen Konzepte, sondern konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitungen, durchgerechnete Beispiele und Kostenkalkulationen, mit denen Sie morgen anfangen können. Das Ziel: Ein funktionierendes Großraumbüro, das rechtssicher ist, akustisch funktioniert und im Budget bleibt.

2. Bedarfsanalyse: Die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen

Die teuersten Fehler werden in der Bedarfsanalyse gemacht. Das liegt daran, dass Entscheidungen, die hier getroffen werden, sich durch das gesamte Projekt ziehen und später nur noch mit enormem Aufwand korrigiert werden können. Wenn Sie beispielsweise die Anwesenheitsquote falsch einschätzen und 20 Prozent zu viele Arbeitsplätze einplanen, zahlen Sie nicht nur für unnötige Möbel, sondern auch für überflüssige Fläche, Beleuchtung, Klimatisierung und IT-Infrastruktur. Bei einem Durchschnittspreis von 15.000 Euro pro Arbeitsplatz bedeuten 10 überflüssige Plätze eine Fehlinvestition von 150.000 Euro – Geld, das Sie niemals zurückholen werden.

Wie viele Arbeitsplätze brauchen Sie wirklich?

Die klassische Denkweise lautete jahrzehntelang: Ein Mitarbeitender, ein Schreibtisch. Diese 1:1-Logik funktioniert in hybriden Arbeitsmodellen nicht mehr. Studien zeigen, dass in Unternehmen mit flexiblen Homeoffice-Regelungen die tatsächliche Auslastung der Büroarbeitsplätze zwischen 50 und 70 Prozent liegt. Das bedeutet: 30 bis 50 Prozent aller Schreibtische stehen täglich leer – bezahlt, klimatisiert, beleuchtet, aber ungenutzt.

Die Lösung ist eine ehrliche Bedarfsberechnung, die auf gemessenen Daten basiert, nicht auf Annahmen. Die Formel dafür ist einfach: Benötigte Arbeitsplätze = Anzahl Mitarbeitende × durchschnittliche Anwesenheitsquote × Sicherheitspuffer. Der Sicherheitspuffer liegt typischerweise zwischen 1,1 und 1,15, also 10 bis 15 Prozent zusätzlicher Kapazität, um Peak-Zeiten abzufedern. Diese Peak-Zeiten sind in den meisten Unternehmen erfahrungsgemäß Dienstag und Mittwoch, während Montag und Freitag oft deutlich schwächer ausgelastet sind.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitenden, bei dem die gemessene Anwesenheitsquote 70 Prozent beträgt – das entspricht im Schnitt 3,5 von 5 Bürotagen pro Woche. Mit einem Sicherheitspuffer von 15 Prozent ergibt sich: 100 × 0,7 × 1,15 = 80,5 Arbeitsplätze. Sie brauchen also 81 Arbeitsplätze, nicht 100. Das spart Ihnen nicht nur 19 × 15.000 Euro = 285.000 Euro an Erstausstattung, sondern auch laufende Flächenkosten von geschätzt 20.000 bis 30.000 Euro pro Jahr.

Tätigkeitsprofile: Was wird im Büro eigentlich gemacht?

Ein Großraumbüro ist kein Einheitsraum, in dem alle dasselbe tun. Die moderne Arbeitswelt ist differenziert: Manche Mitarbeitende verbringen 80 Prozent ihrer Zeit in konzentrierter Einzelarbeit, andere sind 60 Prozent des Tages in Meetings oder kollaborativen Projekten. Diese Unterschiede müssen sich in der Raumplanung widerspiegeln, sonst entsteht eine Arbeitsumgebung, die für niemanden wirklich passt.

Die Erhebung der Tätigkeitsprofile ist dabei erstaunlich einfach: Eine kurze Umfrage mit vier Fragen reicht aus. Fragen Sie Ihre Mitarbeitenden, wie viel Prozent ihrer Arbeitszeit sie schätzungsweise mit konzentrierter Einzelarbeit verbringen, wie viel mit kollaborativer Teamarbeit, wie viel mit Telefon- oder Videogesprächen und wie viel mit informellem Austausch. Die Antworten müssen nicht auf die Prozentpunkt genau sein – eine grobe Einschätzung reicht völlig aus, um Tendenzen zu erkennen.

In den meisten Wissensarbeits-Unternehmen ergibt sich eine ähnliche Verteilung: 40 bis 50 Prozent konzentrierte Einzelarbeit, 20 bis 30 Prozent kollaborative Teamarbeit, 10 bis 15 Prozent Telefonate und Videocalls, 10 bis 15 Prozent informeller Austausch. Diese Verteilung hat direkte Konsequenzen für die Flächenplanung. Wenn 45 Prozent der Arbeitszeit in konzentrierter Einzelarbeit stattfinden, sollten auch 40 bis 50 Prozent der Bürofläche dafür optimiert sein – also Fokus-Zonen mit guter Akustik, wenig Durchgangsverkehr und visueller Abschirmung.

Es gibt aber Branchen und Unternehmen, die signifikant von diesem Durchschnitt abweichen. Ein Software-Entwicklungsteam verbringt oft 60 bis 70 Prozent der Zeit in konzentrierter Einzelarbeit – hier müssen Sie deutlich mehr Fokus-Fläche einplanen. Eine Kreativagentur oder ein Beratungshaus arbeitet dagegen zu 40 bis 50 Prozent kollaborativ – hier brauchen Sie mehr Projekt-Bereiche mit flexiblen Möbeln und beschreibbaren Wänden. Die Tätigkeitsprofile sind also nicht nur eine nette Information, sondern die Grundlage für alle weiteren Planungsentscheidungen.

Tätigkeitstyp Durchschnittlicher Anteil Benötigte Fläche / Ausstattung
Konzentrierte Einzelarbeit 40–50 % Fokus-Zonen, Think Tanks, akustisch abgeschirmt
Kollaborative Teamarbeit 20–30 % Projekt-Bereiche, Meeting-Räume, flexible Möbel
Telefonate / Videocalls 10–15 % Phone Booths, Call-Räume, Hybrid-Meeting-Technik
Informeller Austausch 10–15 % Social Spaces, Lounge, Küche

Budget realistisch kalkulieren: Die drei häufigsten Irrtümer

Wenn Unternehmen ein Großraumbüro einrichten, budgetieren sie oft nur die Möbelkosten. Das ist der erste große Irrtum. Die reinen Möbelkosten machen in der Regel nur 30 bis 40 Prozent des Gesamtbudgets aus. Der Rest verteilt sich auf Akustikmaßnahmen, IT-Infrastruktur, Beleuchtung, Meeting-Technik, Planung, Umzug und einen Puffer für Unvorhergesehenes. Wenn Sie mit 500.000 Euro Möbelbudget planen, sollten Sie also eher 1,2 bis 1,5 Millionen Euro Gesamtbudget einkalkulieren.

Der zweite Irrtum: Akustik wird als Nice-to-have behandelt und mit 20.000 bis 30.000 Euro veranschlagt. Für ein 600 Quadratmeter großes Großraumbüro ist das viel zu wenig. Realistische Akustikkosten liegen bei 80 bis 120 Euro pro Quadratmeter, also bei 48.000 bis 72.000 Euro. Wenn Sie hier zu knapp kalkulieren, sparen Sie vielleicht 30.000 Euro – zahlen aber später das Doppelte für nachträgliche Nachrüstung, ganz abgesehen von den laufenden Produktivitätsverlusten durch schlechte Akustik.

Der dritte Irrtum betrifft die IT-Infrastruktur. Viele Unternehmen gehen davon aus, dass das bestehende WLAN ausreicht und nur ein paar Netzwerkdosen verlegt werden müssen. In der Realität brauchen Sie für ein modernes Großraumbüro eine komplett neue WLAN-Ausleuchtung, strukturierte Verkabelung an jedem Arbeitsplatz, Stromversorgung für höhenverstellbare Tische, professionelle Meeting-Technik in jedem Besprechungsraum und eventuell ein Buchungssystem für Arbeitsplätze und Räume. Die Kosten dafür liegen schnell bei 1.500 bis 3.000 Euro pro Arbeitsplatz – deutlich mehr als die meisten erwarten.

Um eine realistische Budgetvorstellung zu entwickeln, hilft es, von Kosten pro Arbeitsplatz auszugehen. Diese liegen je nach Ausstattungsqualität zwischen 12.000 und 25.000 Euro. Für ein Büro mit 80 Arbeitsplätzen bedeutet das ein Gesamtbudget von 960.000 bis 2 Millionen Euro. Das klingt nach viel, aber es ist die Realität, wenn Sie ein funktionierendes, rechtssicheres und akustisch hochwertiges Großraumbüro einrichten wollen.

Budget-Kategorie Kosten pro Arbeitsplatz Was ist inkludiert
Low Budget 12.000–15.000 € Basis-Möbel (teilweise refurbished), Standard-Akustik, einfache Beleuchtung, IT-Grundausstattung
Mid-Range 15.000–20.000 € Ergonomische Möbel (neu oder Premium-Refurbished), gute Akustik (VDI 2569 Klasse B), hybride Meeting-Technik, strukturierte IT
Premium 20.000–25.000 € Designer-Möbel, VDI 2569 Klasse A Akustik, Human Centric Lighting, Smart-Office-Technik, biophile Elemente

Bei 80 Arbeitsplätzen im Mid-Range-Segment landen Sie also bei 1,2 bis 1,6 Millionen Euro Gesamtbudget. Das mag zunächst abschreckend wirken, aber bedenken Sie: Diese Investition ersetzt nicht nur alte Möbel, sondern schafft eine Arbeitsumgebung, die messbar produktiver ist, die Mitarbeiterzufriedenheit steigert und die Fluktuation senkt. Die Amortisationszeit liegt erfahrungsgemäß bei 24 bis 36 Monaten – danach zahlt die Investition dauerhaft auf Effizienz und Attraktivität ein.

3. Raumplanung: Wie Grundrisse funktionieren (oder scheitern)

Die Grundrissplanung ist der Moment, in dem aus abstrakten Zahlen eine konkrete räumliche Struktur wird. Hier entscheiden Sie, wo Fokus-Zonen, Kollaborationsbereiche, Meeting-Räume und Social Spaces liegen – und diese Entscheidungen haben direkten Einfluss darauf, ob Ihr Großraumbüro später funktioniert oder nicht. Ein häufiger Fehler: Planer orientieren sich an ästhetischen Kriterien oder folgen der Logik 'möglichst viele Plätze auf möglichst wenig Fläche', während die funktionalen Anforderungen – Akustik, Laufwege, Tageslicht – in den Hintergrund rücken.

Gesetzliche Mindestanforderungen nach ASR A1.2: Mehr als nur Quadratmeter

Die Arbeitsstättenregel ASR A1.2 'Raumabmessungen und Bewegungsflächen' legt fest, wie viel Raum einem Mitarbeitenden zur Verfügung stehen muss. Für Großraumbüros – definiert als zusammenhängende Fläche ab 400 Quadratmetern – gelten dabei höhere Anforderungen als für kleinere Büros. Der Grund ist nachvollziehbar: In großen, offenen Strukturen entstehen komplexere Verkehrswege, es gibt mehr zentrale Funktionsflächen wie Drucker oder Archivschränke und die höhere Personendichte erfordert mehr Bewegungsfreiraum.

Die ASR schreibt für Großraumbüros 12 bis 15 Quadratmeter pro Arbeitsplatz vor. Das klingt zunächst nach viel, aber diese Zahl schließt mehr ein als nur den Schreibtisch. Inkludiert sind der Tisch selbst, der Stuhl, ein Rollcontainer oder Schrank, die Bewegungsfläche von mindestens 1,5 Quadratmetern direkt am Arbeitsplatz, die anteiligen Verkehrswege zwischen den Plätzen und die gemeinsam genutzten Funktionsflächen wie Kopierstationen oder Archivbereiche. Wenn Sie also 12 Quadratmeter pro Person einplanen, bedeutet das nicht, dass jeder Mitarbeitende einen 12 Quadratmeter großen persönlichen Bereich bekommt – es bedeutet, dass die Gesamtfläche durch die Anzahl der Arbeitsplätze geteilt mindestens diesen Wert ergeben muss.

Ein konkretes Beispiel: Sie planen ein Großraumbüro für 50 Arbeitsplätze. Nach ASR A1.2 benötigen Sie mindestens 50 × 12 m² = 600 Quadratmeter Nettogrundfläche. Das ist die reine Bürofläche, ohne Flure, WCs, Technikräume oder Küchen. Wenn Sie diese zusätzlichen Flächen einrechnen (typischerweise 20 bis 30 Prozent Aufschlag), landen Sie bei einer benötigten Gesamtfläche von 720 bis 780 Quadratmetern. Diese Rechnung zeigt auch, warum die ASR A1.2 keine optionale Empfehlung ist, sondern eine rechtliche Untergrenze: Wer darunter bleibt, riskiert Beanstandungen durch die Gewerbeaufsicht.

Neben der Grundfläche pro Person gibt es noch eine weitere oft übersehene Anforderung: die lichte Raumhöhe. Je größer die zusammenhängende Fläche, desto höher muss der Raum sein. Bei Großraumbüros ab 100 Quadratmetern schreibt die ASR eine Mindesthöhe von 3,00 Metern vor. Der Grund ist physiologisch: In tiefen, niedrigen Räumen entsteht schnell ein bedrückendes Raumklima, das Konzentration und Wohlbefinden messbar mindert. Die Raumhöhe ist also nicht nur eine technische Kennzahl, sondern hat direkte Auswirkungen auf die Arbeitsqualität.

Parameter Einzelbüro Gruppenbüro Großraumbüro (ab 400 m²)
Grundfläche pro Person 8–10 m² 10–12 m² 12–15 m²
Bewegungsfläche am Arbeitsplatz ≥ 1,5 m² ≥ 1,5 m² ≥ 1,5 m²
Lichte Raumhöhe ≥ 2,50 m ≥ 2,75 m ≥ 3,00 m
Luftraum pro Person 12 m³ 12 m³ 15 m³

Diese Tabelle zeigt: Großraumbüros haben nicht nur quantitativ höhere Anforderungen (mehr Quadratmeter), sondern auch qualitativ (mehr Raumhöhe, mehr Luftvolumen). Wer ein Großraumbüro einrichten will, muss diese Parameter von Anfang an in die Immobilienauswahl einbeziehen. Eine Fläche mit nur 2,70 Metern Raumhöhe mag günstig sein – sie ist aber für ein Großraumbüro nicht rechtskonform nutzbar.

 Die vier Grundregeln der Zonierung: Warum Akustik über Ästhetik geht

Ein funktionierender Grundriss folgt klaren akustischen und psychologischen Prinzipien. Diese Regeln sind nicht verhandelbar – wer sie ignoriert, erhält ein Büro, das auf dem Papier schön aussieht, in der Praxis aber nicht funktioniert. Die vier Grundregeln lauten: Laute Bereiche an die Ränder, Fokus-Zonen abschirmen, Laufwege optimieren und Tageslicht priorisieren.

Regel 1: Laute Bereiche an die Ränder

Kollaborations-Zonen, Social Spaces, Küchen und Meeting-Räume erzeugen Lärm. Das ist keine Kritik, sondern eine Tatsache: Wo Menschen zusammenkommen, reden und arbeiten, entsteht Geräuschkulisse. Diese Bereiche dürfen niemals inmitten von Fokus-Zonen liegen. Ein lebhaftes Brainstorming in Hörweite konzentriert arbeitender Kollegen ist der sicherste Weg zu Beschwerden und sinkender Produktivität. Platzieren Sie laute Bereiche stattdessen an den Rand der Fläche oder in separate Räume, idealerweise mit einer Pufferzone dazwischen.

Regel 2: Fokus-Zonen physisch und akustisch abschirmen

Bereiche für konzentrierte Arbeit brauchen Schutz – nicht nur vor Lärm, sondern auch vor visuellem Durchgangsverkehr. Die beste Lösung sind geschlossene Räume (Think Tanks, Einzelkabinen). Wenn das aus Platz- oder Budgetgründen nicht möglich ist, müssen Open-Desk-Bereiche mindestens 5 Meter Abstand zu lauten Zonen haben, plus schallabsorbierende Trennwände mit mindestens 150 Zentimetern Höhe. Alles darunter ist akustisch wirkungslos und dient nur der Optik.

Regel 3: Laufwege dürfen nicht durch Fokus-Zonen führen

Jeder Mensch, der an einem konzentriert arbeitenden Kollegen vorbeiläuft, erzeugt eine kurze Ablenkung. Einzeln ist das vernachlässigbar, aber wenn 50 Personen pro Stunde durch eine Fokus-Zone laufen, wird sie unbenutzbar. Planen Sie Hauptverkehrswege deshalb an den Rändern entlang, mit direktem Zugang zu Küche, WC und Meeting-Räumen, aber ohne Durchquerung der stillen Arbeitsbereiche.

Regel 4: Tageslicht-Flächen priorisieren

Arbeitsplätze mit direktem Tageslicht sind nachweislich produktiver und zufriedenstellender. Das UK Green Building Council hat in einer Studie gezeigt, dass Mitarbeitende in Büros mit gutem Tageslicht 18 Prozent weniger Krankheitstage melden. Vermeiden Sie deshalb, dass Besprechungsräume die fensternahen Flächen blockieren. Meeting-Räume werden nur temporär genutzt – Dauerarbeitsplätze sollten Vorrang haben.

4. Akustik: Warum hier die meisten Projekte scheitern – und wie Sie es besser machen

Akustik ist der wichtigste Erfolgsfaktor beim Großraumbüro einrichten – und gleichzeitig der am häufigsten unterschätzte. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Eine Jabra-Studie mit 2.000 Wissensarbeitern ergab, dass sich 63 Prozent bei hohem Lärmpegel körperlich müde fühlen und 47 Prozent gestresst. Laut Ifop-Studie gehen durch Bürolärm täglich 30 Minuten Arbeitszeit verloren – pro Person. Bei einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitenden summiert sich das auf einen jährlichen Produktivitätsverlust von 625.000 Euro, wie bereits in der Einleitung erwähnt. Und das ist nur die direkt messbare Arbeitszeit – hinzu kommen erhöhte Fehlerquoten, sinkende Kreativität und steigende Fluktuation.

Das Paradoxe: Akustikmaßnahmen kosten in der Erstausstattung 5.000 bis 10.000 Euro pro 100 Quadratmeter Bürofläche. Für ein 600 Quadratmeter großes Großraumbüro bedeutet das 30.000 bis 60.000 Euro – ein Bruchteil des Gesamtbudgets. Trotzdem wird Akustik oft als 'Nice-to-have' behandelt und auf die Zeit nach dem Einzug verschoben. Das ist ein schwerer Fehler. Akustik nachträglich zu verbessern kostet das 1,5- bis 2-fache, weil Arbeitsplätze geräumt, Möbel verschoben und der laufende Betrieb gestört werden muss. Schlimmer noch: Bis die Nachbesserung erfolgt, haben Sie Monate oder Jahre Produktivitätsverluste angehäuft.

Was VDI 2569 eigentlich bedeutet: Die drei Akustikklassen erklärt

Die VDI 2569 'Schallschutz und akustische Gestaltung in Büros' ist die zentrale Norm für Büroakustik in Deutschland. Sie wurde 2019 grundlegend überarbeitet und definiert drei Akustikklassen: A (exzellent), B (gut) und C (befriedigend). Diese Klassifizierung basiert auf vier messbaren Parametern: Nachhallzeit, Ablenkungsabstand, Abklingrate und Störschallpegel. Die Klassen sind dabei nicht nur eine akademische Einteilung, sondern haben direkte Auswirkungen auf die Arbeitsqualität.

Klasse A ist die höchste Stufe und für hochkonzentrierte Wissensarbeit ausgelegt – beispielsweise Software-Entwicklung, Forschung, strategische Planung. In einem Klasse-A-Büro beträgt die Nachhallzeit 0,4 bis 0,5 Sekunden, der Ablenkungsabstand liegt bei mindestens 5 Metern und die Abklingrate bei mindestens 11 Dezibel. Das bedeutet konkret: Ein Gespräch am Arbeitsplatz ist nach 5 Metern akustisch so weit abgeklungen, dass es nicht mehr verständlich und damit nicht mehr ablenkend ist. Nur die unmittelbaren Nachbarn im Umkreis von 3 bis 4 Metern sind betroffen – der Rest des Büros arbeitet ungestört weiter.

Klasse B ist der Standardbereich für die meisten Büroumgebungen. Die Nachhallzeit liegt bei 0,5 bis 0,7 Sekunden, der Ablenkungsabstand bei 3 bis 5 Metern. Das ist immer noch gut, aber spürbar lauter als Klasse A. In einem Klasse-B-Büro hören Sie Gespräche bis zu einer Entfernung von 6 bis 8 Metern, auch wenn sie nicht mehr klar verständlich sind. Für allgemeine Büroarbeit mit moderatem Konzentrationsanspruch ist das ausreichend.

Klasse C ist die unterste Stufe und entspricht in etwa dem, was in vielen älteren Großraumbüros ohne gezielte Akustikplanung vorherrscht. Die Nachhallzeit liegt über 0,7 Sekunden, der Ablenkungsabstand unter 3 Metern. In der Praxis bedeutet das: Sie hören Gespräche aus 10 bis 15 Metern Entfernung deutlich, der Grundgeräuschpegel ist hoch und konzentriertes Arbeiten ist nur mit Kopfhörern möglich. Klasse C führt erfahrungsgemäß zu regelmäßigen Nutzerbeschwerden und sollte vermieden werden.

Parameter Klasse A (exzellent) Klasse B (gut) Klasse C (befriedigend)
Nachhallzeit (T) 0,4–0,5 s 0,5–0,7 s 0,7–0,9 s
Ablenkungsabstand (rD) ≥ 5 m 3–5 m < 3 m
Abklingrate (D2,S) ≥ 11 dB 8–11 dB < 8 dB
Störschallpegel (Li) ≤ 38 dB(A) 38–42 dB(A) > 42 dB(A)
Geeignet für Hoch konzentrierte Wissensarbeit Standard-Büroarbeit Nur mit Einschränkungen

Für ein neu einzurichtendes Großraumbüro sollten Sie mindestens Klasse B anstreben, besser Klasse A. Der Kostenunterschied zwischen B und A liegt bei etwa 20 bis 30 Prozent mehr Akustikbudget, aber der Nutzen – messbar höhere Produktivität, weniger Beschwerden, geringere Fluktuation – rechtfertigt diese Investition in den allermeisten Fällen.

Die fünf wirksamen Maßnahmen – mit Kostenrechnung

Akustik ist keine Zauberei, sondern angewandte Physik. Es gibt fünf bewährte Maßnahmen, die in Kombination ein Großraumbüro von Klasse C auf Klasse A oder B heben können. Keine dieser Maßnahmen allein reicht aus – aber zusammen entfalten sie ihre Wirkung. Im Folgenden werden alle fünf Maßnahmen erklärt, jeweils mit einer konkreten Kostenrechnung für ein 600 Quadratmeter großes Büro.

Maßnahme 1: Deckensegel und Deckenabsorber

Deckensegel aus Akustikschaumstoff oder Mineralfaser sind die wirksamste Einzelmaßnahme, weil sie Schallreflexionen direkt über der Quelle abfangen. Schall breitet sich kugelförmig aus – ein Teil geht nach oben, prallt von der Decke ab und verteilt sich im ganzen Raum. Deckensegel unterbrechen diesen Kreislauf, indem sie den nach oben gerichteten Schall absorbieren. Die optimale Belegungsrate liegt bei 50 bis 60 Prozent der Deckenfläche. Weniger bringt kaum Effekt, mehr behindert die thermische Bauteilaktivierung und ist unnötig teuer.

Konkrete Kostenrechnung: Bei 600 Quadratmetern Bürofläche und 60 Prozent Deckenbelegung brauchen Sie 360 Quadratmeter Deckensegel. Standard-Akustiksegel kosten 40 bis 80 Euro pro Quadratmeter, Design-Elemente mit indirekter Beleuchtung 100 bis 150 Euro. Bei Standard-Qualität landen Sie also bei 360 × 60 Euro = 21.600 Euro, bei Premium-Qualität bei 360 × 120 Euro = 43.200 Euro. Das klingt nach viel, aber diese Investition reduziert die Nachhallzeit um 50 bis 70 Prozent – der größte Einzeleffekt aller Maßnahmen.

Maßnahme 2: Akustische Trennwände zwischen Arbeitsplätzen

Trennwände zwischen Arbeitsplätzen haben zwei Funktionen: Sie schirmen visuell ab und reduzieren die direkte Schallübertragung. Entscheidend ist die Höhe. Trennwände müssen mindestens 150 Zentimeter Gesamthöhe erreichen – oder alternativ mindestens 80 Zentimeter über die Tischkante hinausragen. Alles darunter ist akustisch wirkungslos und dient nur der Optik. Das Material muss schallabsorbierend sein, idealerweise Akustik-Filz oder Schaumstoff mit einem Absorptionsgrad von mindestens 0,8. Reine Glas- oder Kunststofftrennwände ohne absorbierende Oberfläche bringen akustisch nichts – sie reflektieren den Schall nur in eine andere Richtung.

Kostenrechnung: Freistehende Trennwände im Format 80×150 Zentimeter kosten 200 bis 400 Euro pro Stück, Premium-Systeme mit integriertem Kabelmanagement 500 bis 800 Euro. Bei 80 Arbeitsplätzen und durchschnittlich einer Trennwand pro Platz (nicht jeder Platz braucht Trennwände auf allen Seiten) benötigen Sie etwa 80 Stück. Das ergibt 80 × 300 Euro = 24.000 Euro im Mid-Range-Segment. Diese Investition reduziert die Sprachverständlichkeit zwischen benachbarten Arbeitsplätzen um 30 bis 40 Prozent.

Maßnahme 3: Schallabsorbierende Wandpaneele

Wandabsorber sind besonders in Bereichen ohne Deckensegel sinnvoll – beispielsweise bei Betondecken, die aus statischen Gründen nicht mit Segeln bestückt werden können. Sie werden an Wänden montiert und reduzieren Echo-Effekte, die in langen, schmalen Räumen besonders stark auftreten. Wandpaneele sind auch optisch ansprechend und können als Designelement eingesetzt werden, beispielsweise in Unternehmensfarben oder mit individuellen Mustern.

Kostenrechnung: Akustikpaneele mit Montage kosten 80 bis 150 Euro pro Quadratmeter. Für ein 600 Quadratmeter großes Büro reicht es in der Regel, 10 bis 15 Prozent der Wandfläche zu bestücken – also etwa 60 bis 90 Quadratmeter. Bei durchschnittlich 100 Euro pro Quadratmeter ergibt das 6.000 bis 9.000 Euro. Wandpaneele sind also deutlich günstiger als Deckensegel, haben aber auch eine geringere Wirkung. Sie sollten immer als Ergänzung, nie als Ersatz eingesetzt werden.

Maßnahme 4: Teppichboden statt Hartböden

Teppichböden reduzieren Trittschall und senken den Grundgeräuschpegel um 3 bis 5 Dezibel. Das klingt wenig, ist aber spürbar. Wichtig: Teppich allein reicht nicht. Er wirkt vor allem auf niederfrequente Geräusche wie Schritte oder Stuhlbewegungen, hat aber auf die Sprachverständlichkeit über größere Distanzen nur marginalen Einfluss. Teppich muss daher immer mit Decken- und Wandabsorbern kombiniert werden.

Kostenrechnung: Büro-Teppichböden mit Verlegung kosten 25 bis 60 Euro pro Quadratmeter. Bei 600 Quadratmetern landen Sie bei 15.000 bis 36.000 Euro. Das ist die teuerste Einzelmaßnahme, aber sie hat auch den angenehmen Nebeneffekt, dass Teppich wärmer und angenehmer wirkt als Hartböden. Viele Unternehmen entscheiden sich aus diesem Grund für Teppich, auch wenn die rein akustische Wirkung begrenzt ist.

Maßnahme 5: Sound Masking (Pink Noise)

Sound Masking ist eine aktive Akustikmaßnahme: Ein kaum wahrnehmbares Hintergrundrauschen, sogenanntes Pink Noise, wird über Deckenlautsprecher eingespielt und maskiert die Sprachverständlichkeit in der Distanz. Das Prinzip ist paradox: Man fügt Geräusche hinzu, um Ruhe zu schaffen. Aber es funktioniert. Sound Masking ist besonders in sehr leisen Umgebungen sinnvoll – beispielsweise in einem Büro, das bereits akustisch optimiert wurde (Klasse A), aber trotzdem vertrauliche Gespräche geführt werden. Auch in Call-Centern oder Open Spaces mit vielen Videocalls ist es bewährt.

Kostenrechnung: Sound-Masking-Lautsprecher kosten 100 bis 200 Euro pro Stück, typischerweise braucht man einen Lautsprecher pro 40 bis 50 Quadratmeter. Bei 600 Quadratmetern benötigen Sie also 12 bis 15 Lautsprecher, plus eine zentrale Steuerungseinheit. Gesamtkosten: 1.500 bis 3.000 Euro für die Lautsprecher, plus 2.000 bis 3.000 Euro für die Steuerung, insgesamt also 3.500 bis 6.000 Euro. Das ist die günstigste der fünf Maßnahmen, sollte aber nur ergänzend eingesetzt werden, nicht als Ersatz für passive Akustikmaßnahmen.

Zusammengerechnet ergeben sich für ein 600 Quadratmeter großes Großraumbüro folgende Akustikkosten im Mid-Range-Segment: Deckensegel 21.600 Euro, Trennwände 24.000 Euro, Wandpaneele 7.500 Euro, Teppichboden 25.000 Euro, Sound Masking 5.000 Euro – insgesamt 83.100 Euro. Das entspricht etwa 140 Euro pro Quadratmeter oder knapp 1.000 Euro pro Arbeitsplatz (bei 80 Plätzen). Diese Investition ist nicht optional, wenn Sie ein funktionierendes Großraumbüro einrichten wollen.

5. Möbel & Ausstattung: Die Entscheidung zwischen Neuware und Refurbished

Die Möbelauswahl hat direkten Einfluss auf drei entscheidende Faktoren: die Gesundheit der Mitarbeitenden, ihre Produktivität und das Budget. Gleichzeitig ist sie mit 35 bis 45 Prozent des Gesamtbudgets der größte Einzelkostenblock. Eine falsche Entscheidung hier kann also nicht nur gesundheitliche Folgen haben, sondern auch finanzielle. Die gute Nachricht: Es gibt heute Beschaffungsstrategien, die Qualität und Budget in Einklang bringen – wenn man die richtigen Fragen stellt und die Mechanismen versteht.

Was ergonomische Ausstattung rechtlich bedeutet

Ergonomie ist kein Luxus, sondern gesetzliche Pflicht. Die Arbeitsstättenverordnung und die DGUV-Vorschriften definieren klare Mindestanforderungen an Büromöbel. Diese Anforderungen sind nicht verhandelbar – wer sie unterschreitet, handelt ordnungswidrig und haftet im Schadensfall. Gleichzeitig zeigt die Forschung eindeutig: Ergonomische Arbeitsplätze senken nicht nur die Krankheitstage, sondern steigern auch die Leistungsfähigkeit messbar.

Höhenverstellbare Schreibtische: Der neue Standard

Statische Sitzpositionen über Stunden hinweg sind eine Hauptursache für Rückenbeschwerden, die wiederum der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland sind. Die Lösung ist einfach: Sitz-Steh-Dynamik. Moderne Bürokonzepte setzen deshalb flächendeckend auf elektrisch höhenverstellbare Schreibtische. Der gesundheitliche Nutzen ist wissenschaftlich belegt: Regelmäßiger Wechsel zwischen Sitzen und Stehen alle 20 bis 45 Minuten reduziert Rückenschmerzen, verbessert die Durchblutung und steigert die kognitive Leistungsfähigkeit.

Die technischen Anforderungen nach DIN EN 527-1 sind klar definiert: Die Tischhöhe muss stufenlos zwischen 650 und 1.250 Millimetern verstellbar sein. Das deckt sowohl die Sitzhöhe für kleinere Personen als auch die Stehhöhe für größere Personen ab. Die Tischplatte sollte mindestens 160×80 Zentimeter groß sein, um zwei Monitore, Tastatur und ein paar Dokumente unterzubringen. Wichtig ist auch die Oberfläche: Sie muss reflexionsarm sein, um Blendungen durch Deckenbeleuchtung zu vermeiden. Die Tragkraft sollte mindestens 80 Kilogramm betragen – moderne elektrische Tische schaffen in der Regel 100 bis 120 Kilogramm.

Die Preisspanne ist erheblich. Einfache elektrische Sitz-Steh-Tische ohne Schnickschnack gibt es ab 400 bis 700 Euro. Diese reichen für die meisten Anwendungsfälle völlig aus. Im Mid-Range-Segment zwischen 700 und 1.200 Euro erhalten Sie zusätzliche Features wie Memory-Funktionen für individuell gespeicherte Höhenpositionen, leisere Motoren und hochwertigere Oberflächen. Premium-Tische ab 1.200 Euro bieten Kollisionserkennung, App-Steuerung und Designer-Oberflächen – funktional meist nicht notwendig, aber ästhetisch ansprechend. Für ein Büro mit 80 Arbeitsplätzen im Mid-Range-Segment rechnen Sie also mit 80 × 900 Euro = 72.000 Euro allein für die Tische.

Bürodrehstühle: GS-Zeichen als Mindeststandard

Ein ergonomischer Bürostuhl ist die zweitwichtigste Investition nach dem Schreibtisch. Die Anforderungen sind in der DIN EN 1335 definiert und umfassen fünf zentrale Merkmale. Erstens: Synchronmechanik. Das bedeutet, dass sich Rückenlehne und Sitzfläche beim Zurücklehnen gemeinsam bewegen und so die natürliche Bewegung der Wirbelsäule nachahmen. Zweitens: Lordosenstütze. Diese stützt die natürliche Krümmung der Lendenwirbelsäule und verhindert Rundrücken. Drittens: Sitztiefenverstellung. Menschen haben unterschiedlich lange Oberschenkel – eine verstellbare Sitztiefe sorgt dafür, dass die Kniekehlen nicht auf der Sitzkante aufliegen. Viertens: 3D-Armlehnen, die in Höhe, Breite und Tiefe verstellbar sind. Fünftens: Das GS-Zeichen (Geprüfte Sicherheit), das bestätigt, dass der Stuhl alle europäischen Sicherheits- und Ergonomienormen erfüllt.

Die Preisspanne bei Stühlen ist noch größer als bei Tischen. Budget-Stühle mit Basis-Ergonomie und GS-Zeichen kosten 250 bis 400 Euro. Diese erfüllen die gesetzlichen Mindestanforderungen, sind aber oft weniger langlebig. Im Mid-Range-Segment zwischen 400 und 800 Euro erhalten Sie vollwertige Ergonomie, hochwertige Polster und eine Lebensdauer von 8 bis 10 Jahren. Premium-Stühle von Marken wie Vitra, Herman Miller oder Steelcase kosten 800 bis 1.500 Euro und bieten neben maximaler Ergonomie auch Design-Ästhetik und oft 12 Jahre Garantie. Für 80 Arbeitsplätze im Mid-Range-Segment rechnen Sie mit 80 × 600 Euro = 48.000 Euro.

Beleuchtung: 500 Lux sind Pflicht, Human Centric Lighting ist die Zukunft

Die ASR A3.4 schreibt für Bildschirmarbeitsplätze eine Beleuchtungsstärke von 500 Lux vor. Das ist nicht die Helligkeit der Leuchte, sondern das Licht, das tatsächlich auf der Arbeitsfläche ankommt. Wichtig sind auch drei weitere Parameter: Die Farbwiedergabe (Ra-Wert) muss mindestens 80 betragen, damit Farben natürlich wahrgenommen werden. Die Blendungsbegrenzung (UGR-Wert) muss unter 19 liegen, um Direkt- und Reflexblendung zu vermeiden. Und die Gleichmäßigkeit (Uo) muss über 0,6 liegen, damit die Lichtverteilung im Raum homogen ist und keine dunklen Ecken entstehen.

Standard-LED-Büroleuchten erfüllen diese Anforderungen zu Kosten von 40 bis 80 Euro pro Leuchte. Deutlich sinnvoller ist aber eine Investition in Human Centric Lighting (HCL). Diese Systeme passen Farbtemperatur und Helligkeit automatisch dem natürlichen Tagesverlauf an: morgens kühles, blaureiches Licht für Wachheit und Konzentration, nachmittags wärmeres Licht für Entspannung. Studien zeigen, dass HCL den Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisiert, die Konzentration verbessert und Augenermüdung reduziert. HCL-Leuchten kosten 80 bis 150 Euro pro Stück. Bei einer Bürofläche von 600 Quadratmetern brauchen Sie etwa 60 bis 75 Leuchten (eine pro 8 bis 10 Quadratmeter), also 4.800 bis 11.250 Euro. Das klingt nach viel, aber der Nutzen – bessere Gesundheit, höhere Produktivität – rechtfertigt die Investition.

Neuware vs. Refurbished: Der ehrliche Vergleich

Hier kommt die Frage, die viele Unternehmen überrascht: Müssen wir wirklich alles neu kaufen? Die Antwort ist ein klares Nein. Professionell aufbereitete Büromöbel – sogenannte Refurbished-Möbel – sind in Qualität und Erscheinungsbild von Neuware praktisch nicht zu unterscheiden, kosten aber nur 40 bis 55 Prozent des Neupreises. Das ist keine Billig-Lösung, sondern eine intelligente Beschaffungsstrategie, die ökonomische und ökologische Ziele verbindet.

Der Unterschied zu privat verkauften Gebrauchtmöbeln ist entscheidend. Professionelles Refurbishment bedeutet: Jedes Möbelstück wird komplett zerlegt, tiefengereinigt, auf Funktionsfähigkeit geprüft und alle Verschleißteile werden ausgetauscht. Bei Stühlen werden Gasdruckfedern, Rollen und Polster erneuert. Bei Tischen werden Oberflächen aufgearbeitet, Hubmechaniken geprüft und Kabel ersetzt. Am Ende steht ein Möbelstück, das optisch und funktional neuwertig ist – mit Gewährleistung von mindestens 12 Monaten, genau wie bei Neuware.

Die wirtschaftlichen Vorteile sind enorm. Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Ein elektrischer Sitz-Steh-Tisch von einem Premium-Hersteller kostet neu 1.200 Euro. Professionell refurbished kostet derselbe Tisch 550 bis 650 Euro – eine Ersparnis von 45 bis 55 Prozent. Ein ergonomischer Bürostuhl von Steelcase oder Herman Miller kostet neu 800 bis 1.200 Euro. Refurbished zahlen Sie 400 bis 550 Euro. Für ein Büro mit 80 Arbeitsplätzen ergibt sich folgende Rechnung: Neuware würde 80 × 1.800 Euro (Tisch + Stuhl) = 144.000 Euro kosten. Mit Refurbished landen Sie bei 80 × 1.000 Euro = 80.000 Euro. Die Ersparnis beträgt 64.000 Euro – fast 45 Prozent.

Die ökologischen Vorteile sind mindestens ebenso beeindruckend. Laut einer Studie des Climate Lab im Auftrag des österreichischen Klimaschutzministeriums fallen rund 95 Prozent der CO₂-Emissionen eines Büromöbels während der Herstellung an, nur 5 Prozent während der gesamten Nutzungsdauer. Durch Refurbishment verlängern Sie die Lebensdauer und vermeiden die energieintensive Neuproduktion. Pro Arbeitsplatz lassen sich so 80 bis 125 Kilogramm CO₂ einsparen. Bei 80 Arbeitsplätzen sind das 6.400 bis 10.000 Kilogramm CO₂ – der CO₂-Ausstoß, den ein Durchschnitts-PKW auf 40.000 bis 60.000 Kilometern verursacht.

Kriterium Neuware Refurbished (professionell)
Kosten 100 % (Referenz) 40–55 % des Neupreises
Qualität Neuwertig Neuwertig nach Aufbereitung
Gewährleistung 24 Monate 12–24 Monate
Verfügbarkeit 8–16 Wochen Lieferzeit Sofort verfügbar (Lagerware)
CO₂-Fußabdruck 100 % (Referenz) 5–20 % (durch entfallende Produktion)
Marken-Zugang Vollpreis Premium-Marken zu Mid-Range-Preisen

Ein häufiges Missverständnis: Refurbished bedeutet nicht, dass Sie Kompromisse bei der Qualität eingehen müssen. Im Gegenteil – durch Refurbishment erhalten Sie Zugang zu Premium-Marken wie Vitra, Steelcase oder Herman Miller zu Preisen, die sonst nur für Einstiegsmodelle realistisch wären. Ein neuer Herman-Miller-Stuhl kostet 1.200 Euro. Refurbished zahlen Sie 500 bis 600 Euro – und erhalten trotzdem einen Stuhl, der für 15 Jahre Lebensdauer konstruiert wurde und auch nach der Aufbereitung noch 10 bis 12 Jahre hält.

6. Projektablauf: Von der Idee bis zum Einzug in 8 Phasen

Ein Großraumbüro einzurichten ist ein Projekt von 6 bis 9 Monaten Dauer, abhängig von der Größe, Komplexität und davon, ob Sie eine Pilotphase einplanen. Diese Timeline überrascht viele Unternehmen, die davon ausgehen, dass 'ein paar Möbel bestellen' in 6 bis 8 Wochen erledigt ist. Die Realität ist komplexer. Sie müssen Bedarfe analysieren, Grundrisse planen, Angebote einholen, Lieferzeiten berücksichtigen, IT-Infrastruktur vorbereiten, bauliche Maßnahmen koordinieren und Mitarbeitende einbinden. Jede dieser Phasen braucht Zeit – und wenn Sie eine überspringen, zahlen Sie später mit teuren Nachbesserungen.

Phase 1: Bedarfsanalyse & Konzeption (4-6 Wochen)

In dieser Phase geht es darum, die Grundlagen zu schaffen. Sie erheben die tatsächliche Anzahl der Mitarbeitenden, messen die reale Anwesenheitsquote über mindestens zwei Wochen und erfassen die Tätigkeitsprofile durch eine kurze Umfrage. Parallel dazu inventarisieren Sie den Möbelbestand: Welche Möbel sind vorhanden? In welchem Zustand? Welchen Restwert haben sie? Diese digitale Bestandsaufnahme verhindert, dass funktionstüchtige Einrichtung entsorgt und teuer neu beschafft wird.

Gleichzeitig entwickeln Sie erste Grundriss-Skizzen. Wo könnten Fokus-Zonen liegen? Wo die Kollaborationsbereiche? Wo die Social Spaces? Diese Skizzen müssen noch nicht detailliert sein, aber sie geben eine erste Orientierung. Am Ende der Phase legen Sie das Budget fest – nicht als vage Schätzung, sondern als fundierte Kalkulation basierend auf der Anzahl der Arbeitsplätze, der gewünschten Ausstattungsqualität und den bekannten Rahmenbedingungen.

Wer ist beteiligt? Geschäftsführung, Facility Management, HR (für die Tätigkeitsprofile) und gegebenenfalls ein externer Planer. Das Ergebnis ist ein Lastenheft mit klar definierten Anforderungen und eine Budget-Freigabe. Ohne diese Freigabe startet Phase 2 nicht.

Phase 2: Detailplanung & Ausschreibung (6-8 Wochen)

Jetzt wird es konkret. Der Grundriss wird im Detail geplant: Wo steht welcher Schreibtisch? Wo verlaufen die Laufwege? Wo werden Deckensegel montiert? Wo kommen die akustischen Trennwände hin? Parallel dazu wählen Sie die Möbel aus: Neuware, Refurbished oder ein Mix? Welche Hersteller? Welche Modelle? Diese Entscheidungen müssen dokumentiert werden, weil sie die Grundlage für die Ausschreibung sind.

Die Ausschreibung selbst sollte an mindestens drei Lieferanten gehen, um vergleichbare Angebote zu erhalten. Wichtig: Definieren Sie klare Anforderungen – Ergonomie-Standards, Akustikklassen, Lieferzeiten, Gewährleistung. Vage Ausschreibungen führen zu unvergleichbaren Angeboten und späteren Missverständnissen. Falls Sie noch kein Akustikgutachten haben, beauftragen Sie es jetzt. Die Kosten liegen bei 800 bis 1.500 Euro und sind eine lohnende Investition.

Wer ist beteiligt? Planer, Facility Management, Einkauf und gegebenenfalls der Betriebsrat, wenn es um grundlegende Veränderungen der Arbeitsbedingungen geht. Das Ergebnis sind vergabereife Unterlagen, drei vergleichbare Angebote und eine fundierte Lieferantenauswahl.

Phase 3: Pilotfläche einrichten (4-6 Wochen)

Die Pilotphase ist die wichtigste und am häufigsten übersprungene Phase. Hier richten Sie eine Testfläche ein – typischerweise 15 bis 20 Prozent der Gesamtfläche – und lassen freiwillige Teams unter realen Bedingungen arbeiten. Nach 4 bis 6 Wochen sammeln Sie Feedback: Was funktioniert? Was fehlt? Was stört? Typische Erkenntnisse: Zu wenig Fokus-Räume, zu laute Kollaborationszonen, unklare Desk-Sharing-Regeln, fehlende Stauraum-Lösungen.

Diese Erkenntnisse fließen in die Anpassung des Konzepts ein, bevor Sie den Rest der Fläche ausrollen. Das klingt nach Zeitverlust, ist aber das Gegenteil. Anpassungen in der Pilotphase kosten 5.000 bis 10.000 Euro. Dieselben Anpassungen nach dem kompletten Rollout kosten 30.000 bis 60.000 Euro, weil bereits installierte Möbel bewegt, Verkabelung geändert und der laufende Betrieb gestört werden muss. Die Pilotphase amortisiert sich also garantiert.

Wer ist beteiligt? Die Test-Teams, Facility Management und der Planer. Das Ergebnis ist ein finalisiertes Konzept mit Praxiserfahrung – kein theoretisches Konstrukt, sondern ein getestetes, funktionierendes Modell.

Phase 4: Beschaffung & Vorbereitung (8-12 Wochen)

Jetzt werden die Möbel bestellt. Bei Neuware müssen Sie mit Lieferzeiten von 8 bis 16 Wochen rechnen, bei Refurbished-Möbeln sind sie oft sofort verfügbar. Parallel dazu bereiten Sie die IT-Infrastruktur vor: Verkabelung planen, WLAN-Access-Points positionieren, Buchungssystem konfigurieren. Die Akustik-Elemente – Deckensegel, Wandpaneele, Trennwände – werden ebenfalls beschafft und gegebenenfalls vorgefertigt.

Gleichzeitig planen Sie den Umzug: Wer zieht wann wohin? Welche Bereiche werden zuerst umgebaut? Gibt es provisorische Ausweichflächen oder arbeiten die betroffenen Teams temporär im Homeoffice? Diese Logistik ist kritisch, weil Verzögerungen hier den gesamten Zeitplan verschieben.

Wer ist beteiligt? Einkauf, IT, Facility Management und gegebenenfalls ein professioneller Umzugsdienstleister. Das Ergebnis: Alle Materialien sind bestellt, die IT-Infrastruktur ist vorbereitet und der Umzugsplan steht.

Phase 5: Umbau & Installation (2-4 Wochen)

In dieser Phase passiert die physische Transformation. Falls bauliche Maßnahmen nötig sind – Trennwände einziehen, Bodenbeläge verlegen, Malerarbeiten – werden sie jetzt durchgeführt. Anschließend werden die Akustik-Elemente installiert: Deckensegel an der Decke montiert, Wandpaneele angebracht, Teppichboden verlegt. Danach folgt die Möbelmontage: Tische werden aufgebaut, Stühle montiert, Container platziert. Parallel dazu verlegt das IT-Team die Kabel und installiert die WLAN-Access-Points.

Kritisch: In dieser Phase muss das betroffene Areal oft komplett leer sein. Mitarbeitende müssen entweder auf provisorische Flächen ausweichen oder im Homeoffice arbeiten. Planen Sie diese Downtime frühzeitig ein und kommunizieren Sie sie klar.

Wer ist beteiligt? Handwerker, Möbelmonteure, IT-Techniker, Facility Management als Koordinator. Das Ergebnis: Das neue Büro steht, ist aber noch nicht betriebsbereit.

Phase 6: Technische Inbetriebnahme (1 Woche)

Jetzt werden alle technischen Systeme getestet und justiert. Funktioniert das WLAN überall? Sind alle Netzwerkdosen aktiv? Lässt sich das Buchungssystem problemlos nutzen? Funktionieren die Meeting-Räume mit Kamera, Mikrofon und Bildschirm? Ist die Beleuchtung richtig eingestellt – sowohl die Helligkeit als auch die Human-Centric-Lighting-Steuerung?

Optional, aber empfohlen: Eine akustische Nachmessung. Ein zertifizierter Akustiker misst nach VDI 2569, ob die geplanten Werte tatsächlich erreicht wurden. Falls nicht, können jetzt noch letzte Anpassungen vorgenommen werden – beispielsweise zusätzliche Wandpaneele oder eine Nachjustierung des Sound-Masking-Systems.

Wer ist beteiligt? IT, Facility Management, gegebenenfalls Akustiker. Das Ergebnis: Alle Systeme funktionieren und sind dokumentiert.

Phase 7: Onboarding & Schulung (1-2 Wochen)

Ein neues Bürokonzept braucht kulturelle Verankerung. Ohne Erklärung fallen Mitarbeitende in alte Muster zurück. Organisieren Sie deshalb Rundgänge, bei denen Sie die Logik des Konzepts erklären: Warum gibt es verschiedene Zonen? Wie funktioniert das Desk-Sharing? Wo finde ich einen ruhigen Platz für konzentrierte Arbeit? Schulen Sie die Nutzung des Buchungssystems und der Meeting-Technik. Erstellen Sie ein FAQ-Dokument mit den häufigsten Fragen und benennen Sie Ansprechpartner für Probleme.

Kommunizieren Sie auch die Spielregeln: Clean-Desk-Policy (Arbeitsplätze werden abends aufgeräumt), Buchungsetikette (Reservierungen werden storniert, wenn sie nicht genutzt werden), Verhalten in Fokus-Zonen (Telefonate nur in den dafür vorgesehenen Bereichen). Diese Regeln sind nicht Schikane, sondern die Voraussetzung dafür, dass das Konzept funktioniert.

Wer ist beteiligt? Facility Management, HR, Teamleiter. Das Ergebnis: Die Belegschaft versteht das Konzept und weiß, wie sie die neuen Flächen nutzen soll.

Phase 8: Evaluation & Nachjustierung (laufend)

Ein Bürokonzept ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein lebendiges System. Nach 4 Wochen führen Sie die erste Nutzerbefragung durch: Was läuft gut? Was nicht? Nach 3 Monaten analysieren Sie die Auslastungsdaten aus dem Buchungssystem: Werden alle Zonen genutzt? Gibt es Engpässe? Stehen manche Bereiche dauerhaft leer? Nach 6 Monaten beauftragen Sie eine akustische Nachmessung und rüsten gegebenenfalls nach.

Planen Sie 10 bis 15 Prozent des Budgets als Reserve für Nachjustierungen ein. Kein Bürokonzept ist beim ersten Anlauf perfekt. Typische Anpassungen: Zusätzliche Phone Booths, mehr akustische Trennwände, Umstellung der Zonierung. Diese Anpassungen sind normal und keine Fehlplanung – sie sind Teil eines iterativen Prozesses.

7. Die 7 häufigsten Fehler beim Großraumbüro einrichten (und wie Sie sie vermeiden)

Aus hunderten Projekten kristallisieren sich immer wieder dieselben Fehler heraus. Sie sind nicht das Ergebnis von Inkompetenz, sondern von systematischen Unterschätzungen, falschen Annahmen oder zu optimistischen Budgetplanungen. Die gute Nachricht: Alle diese Fehler sind vermeidbar, wenn Sie sie kennen und bewusst gegensteuern.

Fehler 1: Anwesenheit schätzen statt messen

Führungskräfte überschätzen die Anwesenheitsquote systematisch. Was als '70 Prozent' gefühlt wird, liegt in der Realität oft bei 55 bis 60 Prozent. Eine Fehleinschätzung von nur 10 Prozentpunkten bedeutet bei 100 Mitarbeitenden 10 unnötige Arbeitsplätze im Wert von 150.000 Euro – plus laufende Flächenkosten von 20.000 bis 30.000 Euro pro Jahr. Die Lösung ist einfach: Messen Sie die tatsächliche Auslastung über mindestens zwei Wochen mit Sensoren, Buchungssystemen oder manueller Zählung. Die Kosten für diese Messung liegen bei 500 bis 2.000 Euro – ein Bruchteil dessen, was eine Fehlplanung kostet.

Fehler 2: Akustik als Nice-to-have behandeln

Akustik ist nicht optional, sondern die Grundvoraussetzung dafür, dass ein Großraumbüro funktioniert. Wer hier spart, zahlt doppelt: erst durch niedrigere Anschaffungskosten, dann durch jahrelange Produktivitätsverluste und teure nachträgliche Nachrüstung. Reservieren Sie mindestens 10 bis 15 Prozent des Budgets für Akustikmaßnahmen. Bei einem Gesamtbudget von 500.000 Euro sind das 50.000 bis 75.000 Euro. Das klingt nach viel, aber die Produktivitätsverluste durch schlechte Akustik übersteigen diese Investition bereits im ersten Jahr um das Zehnfache.

Fehler 3: Ohne Pilotfläche direkt ausrollen

Eine Pilotphase erscheint wie Zeitverschwendung – ist aber das Gegenteil. Anpassungen in der Pilotphase kosten 5.000 bis 10.000 Euro und 4 bis 6 Wochen Projektdauer. Dieselben Anpassungen nach dem kompletten Rollout kosten 30.000 bis 60.000 Euro und 3 bis 6 Monate Nachbesserungszeit. Die Pilotphase spart also Zeit und Geld. Investieren Sie immer 4 bis 6 Wochen in eine Testfläche, sammeln Sie ehrliches Feedback und passen Sie das Konzept an, bevor Sie den Rest ausrollen.

Fehler 4: Versteckte Kosten unterschätzen

Möbel sind nur 30 bis 40 Prozent der Gesamtkosten. Wer nur die Möbel budgetiert, erlebt bei der ersten Rechnung eine böse Überraschung. Kalkulieren Sie immer eine Vollkostenrechnung: Möbel, Akustik, IT-Infrastruktur, Meeting-Technik, Beleuchtung, Planung, Umzug und 10 Prozent Puffer für Unvorhergesehenes. Nur so vermeiden Sie, dass das Projekt mitten in der Umsetzung gestoppt werden muss, weil das Budget nicht reicht.

Fehler 5: Billig-Refurbished ohne Gewährleistung kaufen

Refurbished ist eine intelligente Strategie – aber nur, wenn Sie bei seriösen Anbietern kaufen. Achten Sie auf: professionelle Aufbereitung durch Fachbetrieb, mindestens 12 Monate Gewährleistung, dokumentierte Zustandsprüfung und Ersatzteilgarantie. Privat verkaufte Gebrauchtmöbel ohne diese Kriterien sind ein Risiko. Sie sparen vielleicht 10 Prozent mehr, zahlen aber später doppelt, wenn die Möbel nach 6 Monaten ausfallen und keine Gewährleistung greift.

Fehler 6: Fokus-Zonen inmitten von Laufwegen platzieren

Fokus-Bereiche müssen abgeschirmt sein – nicht nur akustisch, sondern auch visuell. Jeder Mensch, der vorbeiläuft, erzeugt eine kurze Ablenkung. In einer Fokus-Zone, durch die 50 Personen pro Stunde laufen, ist konzentriertes Arbeiten unmöglich. Planen Sie Hauptverkehrswege an den Rändern entlang, mit direktem Zugang zu Küche, WC und Meeting-Räumen, aber ohne Durchquerung der stillen Arbeitsbereiche. Diese Grundrisslogik ist nicht verhandelbar.

Fehler 7: Change Management vernachlässigen

Ein neues Bürokonzept ist nicht nur eine räumliche Veränderung, sondern eine kulturelle. Ohne Erklärung und Schulung fallen Mitarbeitende in alte Muster zurück: Platz-Reservierung durch liegengelassene Jacken, unaufgeräumte Desks, Telefonate in Fokus-Zonen. Investieren Sie 1 bis 2 Wochen in Onboarding: Erklären Sie die Logik des Konzepts, schulen Sie die Tools, kommunizieren Sie die Spielregeln. Ohne kulturelle Verankerung scheitert das beste Konzept.

8. Fazit: Investition in Qualität zahlt sich mehrfach aus

Ein professionell geplantes Großraumbüro ist eine Investition, die sich innerhalb von 24 bis 36 Monaten amortisiert – durch Flächenreduktion, höhere Produktivität, geringere Fluktuation und bessere Arbeitgeberattraktivität. Die Formel ist dabei überraschend einfach: Messen Sie Bedarfe statt sie zu schätzen, investieren Sie von Anfang an in Akustik statt nachträglich nachzurüsten, testen Sie das Konzept in einer Pilotphase statt es blind auszurollen und kalkulieren Sie realistisch mit allen Kosten statt nur die Möbel zu budgetieren.

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren noch einmal zusammengefasst: Erstens, ehrliche Bedarfsanalyse. Messen Sie die tatsächliche Anwesenheitsquote über mindestens zwei Wochen. Eine Fehleinschätzung von 10 Prozentpunkten kostet Sie 150.000 Euro bei 100 Arbeitsplätzen. Zweitens, Akustik von Anfang an. Reservieren Sie 10 bis 15 Prozent des Budgets für Akustikmaßnahmen und behandeln Sie sie als Grundvoraussetzung, nicht als Nice-to-have. Drittens, Pilotphase nutzen. Vier bis sechs Wochen Testbetrieb sparen Monate teurer Nachbesserung. Viertens, realistische Budgetplanung. Möbel sind nur 30 bis 40 Prozent der Kosten – kalkulieren Sie immer eine Vollkostenrechnung mit Puffer.

Fünftens, zirkuläre Beschaffung prüfen. Professionell aufbereitete Möbel sparen 40 bis 60 Prozent der Kosten bei gleicher Qualität und vermeiden 80 bis 125 Kilogramm CO₂ pro Arbeitsplatz. Und sechstens, Change Management ernst nehmen. Ohne kulturelle Verankerung scheitert jedes noch so gute Konzept. Investieren Sie 1 bis 2 Wochen in Onboarding, Schulung und Kommunikation.

Die teuersten Fehler werden in der Planungsphase gemacht. Investieren Sie Zeit und Budget in eine saubere Analyse, in professionelle Planung und in eine Pilotphase. Diese drei Schritte zahlen sich garantiert aus – in Form eines funktionierenden Büros, zufriedener Mitarbeitender und eines Budgets, das nicht gesprengt wird.

Quellenverzeichnis

  1. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (2022): ASR A1.2 'Raumabmessungen und Bewegungsflächen', Fassung 2022 – Verbindliche Mindestanforderungen für Büroflächen. https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/ASR/ASR-A1-2
  2. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (2023): ASR A3.4 'Beleuchtung und Sichtverbindung', Neufassung Mai 2023 – Anforderungen an Beleuchtungsstärke, Blendungsbegrenzung und Farbwiedergabe. https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/ASR/ASR-A3-4
  3. Verein Deutscher Ingenieure (VDI) (2019): VDI 2569:2019 'Schallschutz und akustische Gestaltung in Büros' – Definiert die drei Akustikklassen A, B und C für Büroumgebungen. https://www.vdi.de/richtlinien/details/vdi-2569-schallschutz-und-akustische-gestaltung-in-bueros
  4. DIN Deutsches Institut für Normung (2012): DIN EN ISO 3382-3:2012 'Akustik – Messung von Parametern der Raumakustik – Teil 3: Großraumbüros' – Messverfahren für Nachhallzeit, Ablenkungsabstand und Abklingrate. https://www.dinmedia.de/de/norm/din-en-iso-3382-3/145931485
  5. DIN Deutsches Institut für Normung (2011): DIN EN 527-1:2011 'Büromöbel – Büro-Arbeitstische – Teil 1: Maße' – Ergonomische Anforderungen an höhenverstellbare Schreibtische. https://www.beuth.de (Kostenpflichtige Norm, Beuth Verlag)
  6. DIN Deutsches Institut für Normung (2018): DIN EN 1335:2018 'Büromöbel – Büro-Arbeitsstuhl' – Ergonomie-Norm für Synchronmechanik, Lordosenstütze und Sitztiefenverstellung. https://www.beuth.de (Kostenpflichtige Norm, Beuth Verlag)
  7. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) (März 2023): DGUV Information 215-441 'Büroraumplanung – Hilfen für das systematische Planen und Gestalten von Büros' – Praxisleitfaden der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/224/bueroraumplanung-hilfen-fuer-das-systematische-planen-und-gestalten-von-bueros
  8. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) (o.D.): DGUV Information 215-442 'Beleuchtung im Büro – Hilfen für die Planung der künstlichen Beleuchtung in Büroräumen' – Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen (Suche: 215-442)
  9. Ifop (2019): Produktivitätsverlust durch Bürolärm – 30 Minuten pro Person und Tag, entspricht bei 100 Mitarbeitenden einem jährlichen Verlust von 625.000 Euro bei 50 Euro Stundensatz. (Studie wird in Fachpublikationen zitiert; Direktlink nicht öffentlich verfügbar)
  10. Jabra (2024): 'Making the workplace sound better' – 2.000 Wissensarbeiter in 15 Ländern. 63% fühlen sich bei hohem Lärmpegel körperlich müde, 47% gestresst. https://www.jabra.com/business/campaigns/hybrid-working
  11. UK Green Building Council (o.D.): 'Health, Wellbeing and Productivity in Offices' – Mitarbeitende in Büros mit gutem Tageslicht melden 18% weniger Krankheitstage. https://ukgbc.org/resources/
  12. Gensler Research Institute (2024 & 2025): 'Global Workplace Survey 2024 & 2025' – 16.000+ bzw. 16.800+ Befragte in 15 Ländern zu Büronutzung, Zufriedenheit und Produktivität. https://www.gensler.com/research-insight/workplace-surveys
  13. Climate Lab / Klimaschutzministerium Österreich (o.D.): 'Abschlussbericht Zirkuläre Büromöbel' – 95% der CO₂-Emissionen fallen während der Herstellung an, Refurbishment spart 80-125 kg CO₂ pro Arbeitsplatz. (Bericht über BMK Österreich, Direktlink nicht öffentlich verfügbar)

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Bild von Anina Blatter, Einrichtungsberaterin bei Fenyx Office
Anina Blatter
Einrichtungsberaterin

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