Großraumbüro einrichten: Akustik, Zonen & Planung

🏢 Großraumbüro einrichten: Fläche nach ASR ✓ Activity-Based-Zonen ✓ Akustik nach VDI 2569 ✓ ergonomische Möbel & Licht ✓ 6-Schritte-Plan, der funktioniert.

Großraumbüro einrichten: Zonierung, Akustik und ergonomische Arbeitsplätze auf offener Bürofläche

Als zwei Forscher der Harvard Business School 2018 untersuchten, was passiert, wenn Unternehmen auf offene Bürowelten umsteigen, war das Ergebnis das genaue Gegenteil der Erwartung: Die persönliche Kommunikation zwischen den Beschäftigten sank um 72 %, während E-Mail und Chat zunahmen. Das Großraumbüro, das eigentlich die Zusammenarbeit fördern sollte, ließ die Menschen verstummen. Gleichzeitig zeigt eine Studie des Fraunhofer IAO, dass eine wirklich gut gestaltete Arbeitsumgebung die Produktivität um bis zu 36 % steigern kann.

Beide Zahlen zusammen ergeben die zentrale Botschaft dieses Ratgebers: Ein Großraumbüro ist weder gut noch schlecht – es kommt einzig darauf an, wie man es einrichtet. Dieser Leitfaden zeigt, woran offene Flächen typischerweise scheitern und wie Sie es besser machen: von der ehrlichen Bedarfsanalyse über die Zonierung und das oft sträflich vernachlässigte Akustikkonzept bis zu Möbeln, Licht und einem Projektablauf, der teure Fehler vermeidet.

1. Das Großraumbüro-Paradox: warum offene Flächen oft scheitern

Die Idee hinter dem Großraumbüro klingt bestechend: Wände weg, alle zusammen, kurze Wege, spontaner Austausch – und nebenbei spart man Fläche und Miete. In der Praxis kippt dieser Plan jedoch häufig, weil die menschliche Reaktion auf den Wegfall von Privatsphäre eine andere ist als erhofft. Wer sich ständig beobachtet und beschallt fühlt, zieht sich zurück: Kopfhörer auf, Blick auf den Bildschirm, Kommunikation per Chat statt über den Schreibtisch hinweg. Genau das hat die Harvard-Studie gemessen – nicht mehr, sondern weniger echte Zusammenarbeit.

Dahinter steckt ein psychologischer Mechanismus, den Planer oft übersehen: Menschen brauchen ein Mindestmaß an wahrgenommener Privatsphäre, um sich zu konzentrieren und frei zu sprechen. Fällt diese weg, entsteht das Gefühl ständiger Beobachtung – und die Reaktion ist Selbstschutz. Man telefoniert leiser oder gar nicht, verschiebt heikle Gespräche in den Chat und meidet spontane Zurufe, um die Nachbarn nicht zu stören. Das vermeintlich offene Büro wird so paradoxerweise verschlossener als das alte Zellenbüro. Hinzu kommt die Rechnung, die viele Projekte überhaupt erst auslöst: Offene Flächen versprechen niedrigere Quadratmeterkosten pro Kopf. Dieser Spareffekt ist real – er verpufft jedoch sofort, wenn die gewonnene Fläche mit Produktivitätsverlusten und Unzufriedenheit erkauft wird. Genau an dieser Stelle trennt sich gute von schlechter Planung.

Der Hauptgrund dafür hat einen Namen: Lärm. In einer offenen Fläche summieren sich Telefonate, Gespräche, Tastaturgeklapper und Schritte zu einer Dauerkulisse, die das Gehirn nicht ausblenden kann – menschliche Sprache zieht die Aufmerksamkeit unwillkürlich an. Die Folgen sind messbar und teuer, wie die folgenden Kennzahlen zeigen.

Was Lärm im Großraumbüro kostet – und was gutes Design bringt

Was Lärm kostet – und was gutes Design bringt

Warum die Einrichtung über Erfolg oder Scheitern entscheidet
−72 %
weniger persönliche Interaktion nach dem Umstieg ins Großraumbüro – offene Flächen fördern Zusammenarbeit nicht von allein
Harvard Business School, 2018
30 Min
Arbeitszeit gehen pro Tag und Person durch Bürolärm verloren
Ifop-Studie
63 %
fühlen sich bei hohem Lärmpegel körperlich müde und ausgelaugt
Jabra-Studie, 2.000 Befragte
+36 %
mehr messbare Produktivität in einer gut gestalteten Arbeitsumgebung – der Hebel eines richtig eingerichteten Großraumbüros
Fraunhofer IAO

Diese Zahlen sind kein Argument gegen das Großraumbüro, sondern eine Bauanleitung: Wer die Ursachen von Lärm und Ablenkung von Anfang an mitplant, dreht den Effekt um und landet im Bereich des Produktivitätsgewinns statt des Verlusts. Die folgenden Abschnitte zeigen die Stellschrauben in der Reihenfolge, in der man sie angehen sollte – beginnend mit der Frage, wie viel Büro überhaupt nötig ist.

2. Bedarf messen statt schätzen

Der erste und folgenreichste Fehler passiert lange vor dem ersten Möbelstück: Viele Unternehmen planen die Fläche nach gefühlter statt nach tatsächlicher Anwesenheit. Seit hybrides Arbeiten zur Normalität geworden ist, sind selten alle gleichzeitig vor Ort – wer trotzdem für jeden einen festen Platz vorhält, baut ein zu großes, zu teures und zu leeres Büro. Die solide Grundlage ist deshalb eine echte Bedarfsanalyse: Wie viele Menschen sind im Schnitt und in der Spitze da? Welche Tätigkeiten überwiegen – konzentrierte Einzelarbeit, Calls, Teamarbeit? Erst diese Daten sagen, wie viele Arbeitsplätze und welche Zonen die Fläche wirklich braucht.

Für die reine Fläche gibt die Arbeitsstättenregel ASR A1.2 einen Richtwert vor: Im Großraumbüro sind 12 bis 15 m² je Arbeitsplatz anzusetzen, deutlich mehr als die 8 bis 10 m² im Einzelbüro, weil offene Flächen zusätzlichen Raum für Verkehrswege und Abstände zwischen den Plätzen brauchen. Diese Spanne ist kein bürokratisches Detail, sondern Arbeitsschutz: Zu eng gestellte Plätze erhöhen Lärm, Störungen und Stress und sind ein häufiger Grund, warum sich Beschäftigte im Großraumbüro unwohl fühlen. Wer hier zu knapp plant, spart an der falschen Stelle. Hilfreiche Hinweise zur konkreten Anordnung liefert der Ratgeber zu Bewegungsflächen im Büro.

Wie aber misst man den tatsächlichen Bedarf, statt ihn zu schätzen? In der Praxis kombiniert man mehrere Quellen: Anonymisierte Auswertungen vorhandener Buchungs- und Zutrittssysteme zeigen, wie viele Menschen an welchen Wochentagen wirklich vor Ort sind. Eine kurze Mitarbeiterbefragung erfasst, welche Tätigkeiten überwiegen und woran es im aktuellen Büro hakt. Und eine einfache Beobachtung über ein, zwei Wochen offenbart, welche Räume chronisch leer stehen und wo es regelmäßig eng wird. Fast immer zeigt sich dabei dasselbe Muster: Die Spitzenbelegung liegt deutlich unter der Mitarbeiterzahl, weil Urlaub, Homeoffice, Außentermine und Krankheit nie alle gleichzeitig ins Büro lassen. Wer auf dieser Datenbasis plant, vermeidet die teuerste aller Fehlentscheidungen – eine Fläche, die für einen Idealtag dimensioniert ist, der in der Realität nie eintritt.

Aus der Bedarfsanalyse ergibt sich fast automatisch der nächste Schritt: Wenn nicht alle gleichzeitig da sind und unterschiedliche Tätigkeiten unterschiedliche Umgebungen brauchen, kann die Fläche nicht aus lauter gleichen Schreibtischreihen bestehen. Sie muss in Zonen gedacht werden.

3. Zonierung: das Herzstück der Großraumbüro-Planung

Die wirksamste Antwort auf das Lärmproblem ist nicht die nachträgliche Schallschluckmatte, sondern die kluge Aufteilung der Fläche. Das Prinzip dahinter heißt Activity-Based Working: Statt jedem einen festen Platz zuzuweisen, schafft man unterschiedliche Bereiche für unterschiedliche Tätigkeiten, und die Beschäftigten wählen je nach Aufgabe den passenden. Lautes und leises Arbeiten werden so räumlich getrennt – Lärm wird dort aufgefangen, wo er entsteht, statt sich über die ganze Etage auszubreiten.

Zonen im Großraumbüro: Richtwerte zur Flächenaufteilung

Zonen im Großraumbüro: Richtwerte zur Flächenaufteilung

Activity-Based Working – grobe Orientierung je nach Tätigkeitsmix
Richtwerte, kein Normwert · an die reale Anwesenheit anpassen
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 %
Fokus & Konzentrationruhige Einzelarbeit
ca. 40 %
Kollaboration & Teamgemeinsames Arbeiten
ca. 25 %
Meeting & Call-BoxenBesprechung, Videocalls
ca. 15 %
Rückzug & Stilleungestörte Phasen
ca. 10 %
Soziales & PauseAustausch, Erholung
ca. 10 %

In der Praxis haben sich fünf Zonentypen bewährt, deren Anteile je nach Tätigkeitsmix variieren. Fokuszonen für konzentrierte Einzelarbeit machen meist den größten Teil aus und gehören in die ruhigsten Bereiche, abseits der Laufwege. Kollaborationszonen mit größeren Tischen laden zum gemeinsamen Arbeiten ein und dürfen lebhafter sein. Meeting- und Call-Boxen – kleine, schallgedämmte Kabinen – fangen Telefonate und Videocalls ab, die sonst die größte Störquelle im Großraum sind. Rückzugsbereiche bieten Raum für ungestörte Phasen, und eine Sozialzone für Pause und Austausch rundet das Konzept ab.

Neben der reinen Zuordnung von Flächen entscheidet die Anordnung im Raum über den Erfolg. Sichtachsen und Blickbeziehungen wirken stärker, als man denkt: Wer den ganzen Tag dem Hauptlaufweg oder der Eingangstür zugewandt sitzt, kommt schwerer in den Konzentrationsfluss, weil das Auge jede Bewegung registriert. Halbhohe Stellwände, Regale als Raumteiler oder begrünte Trennelemente schaffen hier Abhilfe, ohne die Fläche optisch zu zerschneiden – sie geben Schutz im Rücken und beruhigen das Blickfeld. Ebenso lohnt es sich, laute und leise Bereiche nicht nur nebeneinanderzustellen, sondern entlang der natürlichen Wege anzuordnen: Sozialzone und Kaffeeküche gehören an den belebten Eingangsbereich, die Fokuszone in die ruhige Ecke am Ende der Fläche. So entsteht ein Gefälle vom Lebhaften zum Stillen, das die Menschen intuitiv verstehen und das die Wege kurz hält, ohne die Ruhe zu stören.

Der häufigste Planungsfehler bei der Zonierung ist, Fokus-Bereiche mitten in die Laufwege oder direkt neben die Kaffeeküche zu setzen. Dann nützt die beste Absicht nichts, weil die ruhige Zone permanent gestört wird. Die goldene Regel lautet deshalb: erst die Lärmquellen und Laufwege bestimmen, dann die ruhigen Zonen bewusst dorthin legen, wo es ohnehin still ist. Akustik geht vor Ästhetik – ein optisch schönes Layout, das den Schall ignoriert, scheitert im Alltag.

Damit die Zonen im Alltag auch greifen, gehört ein Stück Organisation dazu. In den meisten modernen Großraumbüros sind die Plätze nicht mehr fest zugewiesen, sondern werden über Desk-Sharing flexibel genutzt – wer ins Büro kommt, wählt je nach Aufgabe die passende Zone. Das spart bei hoher Homeoffice-Quote nicht nur Fläche, sondern hält die Bereiche auch lebendig und passt die Nutzung an die tatsächliche Anwesenheit an. Wichtig ist dann ein einfaches Buchungs- oder Clean-Desk-Prinzip, damit niemand morgens lange einen freien Platz suchen muss und die Tische am Abend geräumt sind. Ohne diese Spielregeln verkommen die schönsten Zonen schnell zu einem Flickenteppich aus belegten und blockierten Plätzen.

4. Akustik: wo die meisten Projekte scheitern

Wenn ein Großraumbüro nicht funktioniert, liegt es in den allermeisten Fällen an der Akustik. Sie ist gleichzeitig der wichtigste und der am häufigsten vernachlässigte Faktor – oft, weil sie sich schlecht auf Renderings zeigen lässt und im Budget als erstes gekürzt wird. Das rächt sich, denn nachträglich lässt sich Raumakustik nur teuer und halbherzig reparieren. Wer sie von Anfang an mitplant, legt den Grundstein für ein Büro, in dem Menschen tatsächlich denken können.

Den fachlichen Rahmen liefert die Richtlinie VDI 2569, die die raumakustische Qualität offener Büros in drei Klassen einteilt. Sie hilft, das gewünschte Niveau überhaupt zu benennen und mit dem Planer messbar zu vereinbaren, statt sich auf ein vages „bitte nicht so laut" zu verlassen:

Akustikklasse (VDI 2569)Qualität / Eignungtypischer Einsatz
Klasse Ahöchste raumakustische Qualität, geringste Störunganspruchsvolle Konzentrations- und Vertrauensarbeit
Klasse Bgute, ausgewogene QualitätStandard für die meisten Großraumbüros
Klasse Cakustische Basisqualitäteinfache Anforderungen, viel Teamkommunikation

Um eine gute Klasse zu erreichen, greifen mehrere Maßnahmen ineinander. An der Decke schlucken Akustiksegel und absorbierende Deckenplatten den größten Teil des Schalls, weil sie die größte freie Fläche im Raum nutzen. Stellwände und begrünte Trennelemente unterbrechen die direkte Schallausbreitung zwischen den Plätzen. Wandabsorber, Teppichböden und Polstermöbel nehmen Nachhall aus dem Raum. Und wo es besonders ruhig sein muss, sorgt Sound Masking – ein gleichmäßiges, leises Hintergrundrauschen – dafür, dass einzelne Gespräche nicht mehr verständlich aus der Geräuschkulisse herausstechen. Erst die Kombination dieser Bausteine, abgestimmt auf die Zonen, bringt die spürbare Ruhe.

Ein häufig übersehener Hebel ist die Materialwahl der Oberflächen. Große, harte und glatte Flächen – Sichtbeton, Glas, blanke Wände und Tischplatten – werfen Schall zurück und verlängern den Nachhall, in dem sich Stimmen zu einem unverständlichen Brei überlagern. Schon mit der Auswahl der Materialien lässt sich gegensteuern: ein Teppichboden statt Estrich, textile Vorhänge an den Fensterfronten, gepolsterte Sitzmöbel und Akustikputz oder Holzlamellen an den Wänden nehmen Energie aus dem Raum, bevor sie sich aufschaukelt. Wichtig ist dabei die Balance, denn ein zu stark gedämpfter Raum wirkt dumpf und unangenehm „tot". Ziel ist nicht Stille um jeden Preis, sondern eine kurze, natürliche Nachhallzeit, in der Sprache auf kurze Distanz klar verständlich bleibt, sich aber nicht über die ganze Fläche ausbreitet. Wer Akustik so von der Rohbauplanung an mitdenkt, erreicht mit weniger nachträglichen Maßnahmen ein besseres Ergebnis.

5. Möbel, Licht & Ergonomie

Erst nach Zonierung und Akustik kommt die sichtbare Ausstattung – und auch hier entscheidet die Qualität über Gesundheit und Akzeptanz. Höhenverstellbare Schreibtische sind längst kein Luxus mehr, sondern der Standard, weil der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen Rückenbeschwerden vorbeugt; die ergonomischen Anforderungen sind in Normen wie EN 527-1 für Tische und EN 1335 für Bürodrehstühle festgehalten. Worauf es beim einzelnen Arbeitsplatz konkret ankommt, vertieft der Ratgeber zum ergonomischen Arbeitsplatz; einen breiteren Blick auf Normen und Gestaltung gibt die Arbeitsplatzgestaltung.

Ein oft unterschätzter Faktor ist das Licht. Für Büroarbeit schreiben die DIN EN 12464-1 und die ergänzende ASR A3.4 mindestens 500 Lux am Arbeitsplatz vor, dazu eine Blendungsbegrenzung von UGR ≤ 19, damit nichts auf dem Bildschirm spiegelt, und eine gute Farbwiedergabe (Ra ≥ 80). Gutes Licht ist kein Komfortthema: Büros mit viel Tageslicht weisen laut UK Green Building Council bis zu 18 % weniger Krankheitstage auf. Wer kann, plant Arbeitsplätze deshalb nah ans Fenster und ergänzt blendfreie, idealerweise tageslichtabhängig geregelte Beleuchtung.

Neben Schall und Licht entscheidet auch das Raumklima über das Wohlbefinden auf der offenen Fläche. Viele Menschen in einem Raum bedeuten mehr Wärme, mehr verbrauchte Luft und schnell stickige oder zu trockene Bedingungen – eine leistungsfähige Lüftung oder Klimatechnik ist im Großraumbüro deshalb kein Komfort, sondern Voraussetzung für konzentriertes Arbeiten. Begrünung wirkt hier gleich dreifach: Pflanzen verbessern das subjektive Raumempfinden, gliedern als grüne Raumteiler zugleich die Zonen und schlucken nebenbei einen Teil des Schalls. So zahlt ein einziges Gestaltungselement auf Akustik, Luftqualität und Atmosphäre gleichzeitig ein – ein gutes Beispiel dafür, dass die Faktoren im Großraumbüro nicht isoliert, sondern als Gesamtsystem zu denken sind.

Dieses Zusammenspiel ist der Kern des sogenannten Biophilic Design, das natürliche Elemente bewusst ins Büro holt – Pflanzen, Tageslicht, natürliche Materialien wie Holz, organische Formen und Ausblicke ins Grüne. Der Gedanke dahinter ist nicht bloß dekorativ: Eine Umgebung, die an die Natur anknüpft, wirkt nachweislich beruhigend und unterstützt die Erholung zwischen anstrengenden Phasen. Gerade im Großraumbüro, wo Reizdichte und Anonymität schnell belasten, geben solche Elemente der Fläche Wärme und Orientierung. Man muss dafür keinen Dschungel pflanzen – oft genügen großzügig verteilte Grünpflanzen, ein Material- und Farbkonzept in ruhigen, naturnahen Tönen und der konsequente Vorrang für Tageslichtplätze, um den Unterschied spürbar zu machen. So wird aus einer rein funktionalen Fläche ein Ort, an dem man sich gern aufhält – und das ist in Zeiten, in denen das Büro mit dem Homeoffice konkurriert, ein handfester Vorteil.

Bei der Beschaffung selbst stellt sich die Grundsatzfrage: Neuware oder geprüfte Refurbished-Möbel? Beide haben ihre Berechtigung, und oft ist die Mischung am klügsten:

KriteriumNeuwareRefurbished (geprüft)
Preisvoller Neupreisdeutlich günstiger
Auswahl & Verfügbarkeitkomplette aktuelle Kollektionabhängig vom Angebot
Lieferzeitoft mehrere Wochenmeist sofort verfügbar
Nachhaltigkeithoher CO₂-Fußabdruck der Herstellungvermeidet rund 95 % davon
GewährleistungHerstellergarantieGewährleistung beim seriösen Anbieter

Der entscheidende Punkt bei Refurbished ist die Seriosität der Quelle: Geprüfte, aufbereitete Markenmöbel mit Gewährleistung sind eine ausgezeichnete Wahl – Billig-Gebrauchtware ohne jede Garantie dagegen ein Risiko. Wie sich der faire Wert solcher Möbel bestimmen lässt, zeigt die Wertermittlung gebrauchter Büromöbel. Wer Flexibilität braucht oder Kapital schonen will, kann die Einrichtung auch mieten – gerade in Wachstumsphasen eine sinnvolle Option.

6. Großraumbüro einrichten: Schritt für Schritt

Aus den einzelnen Bausteinen wird erst dann ein gelungenes Büro, wenn man sie in der richtigen Reihenfolge angeht. Ein bewährter Projektablauf führt von der Datenbasis über das Konzept bis zum getesteten Rollout – und schaltet bewusst eine Pilotphase dazwischen, in der sich Fehler noch günstig korrigieren lassen.

Großraumbüro einrichten in 6 Schritten

Großraumbüro einrichten in 6 Schritten

Von der Bedarfsmessung bis zum evaluierten Rollout
Praxis-Workflow mit Pilotfläche
1
Bedarf messen statt schätzen
Tatsächliche Anwesenheit und Tätigkeiten erheben – nicht raten. Daraus ergibt sich, wie viele Plätze, welche Zonen und wie viel Fläche das Büro wirklich braucht.
AnalyseAnwesenheitTätigkeitsprofile
2
Zonen & Fläche planen
Grundriss in Fokus-, Team-, Meeting- und Rückzugszonen gliedern; Flächenbedarf nach ASR A1.2 (12–15 m² je Arbeitsplatz) ansetzen und Laufwege bewusst führen.
LayoutASR A1.2Zonierung
3
Akustikkonzept festlegen
Der wichtigste und meistunterschätzte Schritt: Deckensegel, Stellwände, Wandabsorber und ggf. Sound Masking nach VDI 2569 einplanen – früh, nicht als Nachrüstung.
AkustikVDI 2569Absorber
4
Möbel, Licht & Ergonomie
Höhenverstellbare Tische und ergonomische Stühle wählen, 500 Lux blendfrei (UGR ≤ 19) planen. Geprüfte Refurbished-Möbel sparen Budget und CO₂.
Ausstattung500 LuxRefurbished
5
Pilotfläche testen
Eine Musterzone aufbauen und mit echten Nutzern erproben, bevor die gesamte Etage umgebaut wird. So werden teure Fehler erkannt, solange sie noch billig zu beheben sind.
PilotTest mit Nutzern
6
Rollout & Evaluation
Umbau ausrollen, Team mit Change Management und klaren Spielregeln mitnehmen und nach einigen Wochen nachjustieren – ein Großraumbüro ist nie ganz „fertig".
UmsetzungChange ManagementNachjustieren

Die Pilotfläche ist dabei der vielleicht unterschätzteste Schritt. Statt die gesamte Etage auf einmal umzubauen und zu hoffen, dass das Konzept aufgeht, richtet man zunächst eine Musterzone ein und lässt echte Teams dort arbeiten. Was sich bewährt, wird ausgerollt; was stört, wird korrigiert, solange die Änderung noch ein einzelnes Möbelstück und nicht die ganze Etage betrifft. Genauso wichtig ist der letzte Schritt: Ein Großraumbüro lebt von klaren Spielregeln – wann Calls in die Box gehören, wie Fokuszonen genutzt werden – und davon, dass das Team den Wandel mitträgt. Ohne dieses Change Management bleibt selbst die beste Einrichtung hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Unterschätzt wird auch, was nach dem Einzug kommt. Ein Großraumbüro ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein System, das man beobachten und nachsteuern muss. Eine kurze Befragung der Belegschaft einige Wochen nach dem Umzug – ergänzt um schlichte Beobachtung, welche Zonen überlaufen und welche leer bleiben – zeigt schnell, wo nachzubessern ist: Vielleicht fehlen Call-Boxen, vielleicht liegt die Fokuszone doch zu nah an der Küche, vielleicht braucht es klarere Regeln für Telefonate. Diese Feinjustierung kostet wenig, hebt die Akzeptanz aber enorm, weil die Beschäftigten merken, dass ihr Feedback ankommt. Für neue Teammitglieder lohnt sich zudem ein kurzes Onboarding in die Logik der Fläche – welche Zone wofür gedacht ist und welche Spielregeln gelten –, damit das Konzept nicht mit der Zeit verwässert und jede neue Generation im Team es aufs Neue mit Leben füllt.

7. Die häufigsten Fehler – und wie Sie sie vermeiden

Die meisten gescheiterten Großraumbüros sind nicht an Geldmangel gescheitert, sondern an vermeidbaren Denkfehlern in der Planung. Wer diese Klassiker kennt, umgeht sie:

  • Anwesenheit schätzen statt messen: führt zu teurer Überdimensionierung – lieber echte Daten erheben.
  • Akustik als Nice-to-have behandeln: der häufigste und folgenreichste Fehler; sie gehört von Anfang ins Budget.
  • Ohne Pilotfläche ausrollen: macht Fehler erst sichtbar, wenn ihre Korrektur teuer ist.
  • Fokuszonen in Laufwege legen: entwertet die ruhigen Bereiche, für die man bezahlt hat.
  • Change Management vergessen: ohne Spielregeln und Mitnahme des Teams bleibt das beste Konzept Theorie.

Auffällig ist, dass fast alle diese Fehler nichts kosten, wenn man sie vermeidet – sie sind eine Frage der Reihenfolge und der Sorgfalt, nicht des Budgets. Genau deshalb lohnt es sich, in Planung und Beratung zu investieren, bevor der erste Schreibtisch bestellt wird.

8. Häufige Fragen zum Großraumbüro einrichten

Wie viele Quadratmeter braucht ein Arbeitsplatz im Großraumbüro?

Die ASR A1.2 nennt als Richtwert 12 bis 15 m² je Arbeitsplatz im Großraumbüro – mehr als die 8 bis 10 m² im Einzelbüro, weil zusätzlicher Raum für Verkehrswege und Abstände nötig ist. Pro Person müssen mindestens 1,5 m² freie Bewegungsfläche bleiben. Bei hohem Hybrid-Anteil lässt sich die Gesamtfläche über Desk-Sharing reduzieren.

Warum scheitern so viele Großraumbüros?

Meist an vernachlässigter Akustik und fehlender Zonierung. Eine offene Fläche ohne Schallkonzept wird zwangsläufig laut, was Konzentration und sogar die Zusammenarbeit verschlechtert – eine Harvard-Studie maß nach dem Umstieg 72 % weniger persönliche Interaktion. Mit Zonen und Akustikmaßnahmen lässt sich das umkehren.

Was hilft am besten gegen Lärm im Großraumbüro?

Die Kombination aus Zonierung und Raumakustik: Fokus-, Team- und Rückzugsbereiche trennen, Telefonate in schallgedämmte Call-Boxen verlagern und mit Akustiksegeln, Stellwänden, Absorbern und gegebenenfalls Sound Masking nach VDI 2569 den Schall dämpfen. Entscheidend ist, die Akustik früh einzuplanen, nicht nachzurüsten.

Großraumbüro neu oder refurbished einrichten?

Oft ist die Mischung ideal: geprüfte Refurbished-Markenmöbel mit Gewährleistung sparen Kosten und vermeiden rund 95 % des Herstellungs-CO₂, während einzelne Sonderstücke neu beschafft werden. Wichtig ist eine seriöse Quelle mit Gewährleistung – Billig-Gebrauchtware ohne Garantie ist ein Risiko.

Wie viel Licht braucht ein Büroarbeitsplatz?

Nach DIN EN 12464-1 und ASR A3.4 mindestens 500 Lux am Arbeitsplatz, mit einer Blendungsbegrenzung von UGR ≤ 19 und einer Farbwiedergabe von Ra ≥ 80. Tageslicht ist zusätzlich wertvoll: Es senkt nachweislich die Krankheitstage. Arbeitsplätze sollten deshalb möglichst fensternah liegen.

9. Fazit: Es kommt auf die Einrichtung an

Das Großraumbüro hat einen schlechten Ruf – aber nicht, weil das Konzept grundsätzlich falsch wäre, sondern weil es so oft schlecht umgesetzt wird. Die Forschung ist eindeutig: Ohne Akustik- und Zonenkonzept überwiegen Lärm, Ablenkung und Rückzug; mit durchdachter Einrichtung wird aus derselben offenen Fläche ein Ort, der Konzentration und Zusammenarbeit ermöglicht und die Produktivität messbar hebt.

Der rote Faden ist die Reihenfolge: erst den echten Bedarf messen, dann in Zonen denken, die Akustik von Anfang an mitplanen und schließlich mit guten, ergonomischen Möbeln und gutem Licht ausstatten – getestet an einer Pilotfläche, begleitet von klaren Spielregeln. Wer so vorgeht, gibt sein Geld nicht für ein schickes Rendering aus, sondern für ein Büro, in dem die Menschen gern und gut arbeiten. Für die Gesamtplanung und Umsetzung bündelt die Büroeinrichtung alle Leistungen aus einer Hand.

Quellenverzeichnis

  1. Bernstein & Turban (2018): The impact of the „open" workspace on human collaboration, Royal Society / Harvard Business School. https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rstb.2017.0239
  2. Fraunhofer IAO: Forschung zu Büroarbeit und Produktivität (Office 21). https://www.iao.fraunhofer.de/
  3. DGUV Information 215-443: Akustik im Büro. DGUV / VBG – Akustik im Büro
  4. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): ASR A1.2 – Raumabmessungen und Bewegungsflächen. https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/ASR/ASR-A1-2.html
  5. VDI 2569: Schallschutz und akustische Gestaltung im Büro (Akustikklassen). https://www.vdi.de/
  6. DIN EN 12464-1 / ASR A3.4: Beleuchtung von Arbeitsstätten (500 Lux, UGR ≤ 19). https://www.lightrechner.de/themen/buerobeleuchtung-normen
  7. UK Green Building Council: Health, wellbeing & productivity in offices. https://www.ukgbc.org/

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