Moderne BĂŒrokonzepte

Was moderne BĂŒrokonzepte ausmacht – Prinzipien, die fĂŒnf Zonen-Bausteine, der FlĂ€chenbedarf nach ASR A1.2 und ein 6-Schritte-Prozess, wie man ein eigenes BĂŒrokonzept entwickelt. Der Hub des BĂŒrokonzept-Clusters.

Moderne BĂŒrokonzepte: zonierte BĂŒroflĂ€che nach Activity-Based Working mit Fokus-, Team- und Begegnungsbereichen

Das BĂŒro steht vor seiner grĂ¶ĂŸten VerĂ€nderung seit Jahrzehnten. Weil immer mehr Menschen hybrid arbeiten, prognostiziert das ifo Institut, dass die Nachfrage nach BĂŒroflĂ€chen in Deutschland bis 2030 um rund 12 % sinken könnte. Gleichzeitig zeigt die Fraunhofer-Forschung, dass moderne, durchdacht gestaltete BĂŒrowelten Zusammenarbeit, Wohlbefinden und ProduktivitĂ€t spĂŒrbar besser unterstĂŒtzen als klassische Schreibtischlandschaften. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Es geht nicht mehr um mehr FlĂ€che, sondern um die richtige.

Ein modernes BĂŒrokonzept beantwortet genau diese Frage – wie aus einer gegebenen FlĂ€che ein Ort wird, an dem konzentriert gearbeitet, gut zusammengearbeitet und gern hingegangen wird. Dieser Leitfaden erklĂ€rt, was ein modernes BĂŒrokonzept ausmacht, nach welchen Prinzipien es funktioniert, aus welchen Bausteinen es besteht und – Schritt fĂŒr Schritt – wie Sie ein eigenes entwickeln. FĂŒr die konkrete Vertiefung fĂŒhrt er an den passenden Stellen zu spezialisierten Ratgebern weiter.

Zahlen, die moderne BĂŒrokonzepte prĂ€gen

Zahlen, die moderne BĂŒrokonzepte prĂ€gen

Warum das BĂŒro gerade neu gedacht wird
−12 %
prognostizierte Nachfrage nach BĂŒroflĂ€chen in Deutschland bis 2030 – Folge des hybriden Arbeitens
ifo Institut
+36 %
mehr messbare ProduktivitÀt in einer gut gestalteten Arbeitsumgebung
Fraunhofer IAO
12–15 mÂČ
RichtflĂ€che je Arbeitsplatz im GroßraumbĂŒro – planbar statt geschĂ€tzt
ASR A1.2
5 Zonen
statt eines einzigen Schreibtischtyps – das Prinzip des Activity-Based Working
BĂŒrokonzept-Praxis

Diese vier Zahlen markieren den Wandel: FlĂ€che wird knapper geplant, gute Gestaltung zahlt sich messbar aus, und an die Stelle der einen Schreibtischreihe tritt ein Mix aus Zonen. Wer das verstanden hat, plant sein BĂŒro nicht mehr nach Quadratmetern pro Kopf, sondern nach TĂ€tigkeiten – und genau hier beginnt das moderne BĂŒrokonzept.

1. Was ist ein modernes BĂŒrokonzept?

Ein BĂŒrokonzept ist der ĂŒbergeordnete Plan, der festlegt, wie eine BĂŒroflĂ€che organisiert, gestaltet und genutzt wird – von der Raumaufteilung ĂŒber die Möblierung bis zu den Spielregeln der Zusammenarbeit. Ein modernes BĂŒrokonzept unterscheidet sich vom klassischen vor allem in einer Grundannahme: Nicht mehr jeder Mensch bekommt einen festen Schreibtisch, an dem er den ganzen Tag verbringt, sondern die FlĂ€che bietet verschiedene Umgebungen fĂŒr verschiedene TĂ€tigkeiten. Konzentrierte Einzelarbeit, kreatives Zusammenarbeiten, Videocalls und informeller Austausch brauchen jeweils einen anderen Raum – und ein modernes Konzept stellt sie alle bereit.

Den geschichtlichen Hintergrund liefert die Entwicklung der BĂŒrotypen: vom abgeschlossenen ZellenbĂŒro der Nachkriegszeit ĂŒber das auf Effizienz getrimmte GroßraumbĂŒro bis zum KombibĂŒro, das beides verbinden wollte. Die heutige Antwort heißt Multispace beziehungsweise Activity-Based Working: eine offene, aber klar zonierte FlĂ€che, auf der die BeschĂ€ftigten je nach Aufgabe den passenden Bereich wĂ€hlen. Der entscheidende Auslöser fĂŒr diesen jĂŒngsten Schritt ist das hybride Arbeiten. Wenn ein erheblicher Teil der Belegschaft mehrere Tage pro Woche aus dem Homeoffice arbeitet, steht ein klassisches BĂŒro mit festen PlĂ€tzen die halbe Woche halb leer – ein teurer Leerstand. Das moderne BĂŒrokonzept löst dieses Problem, indem es die FlĂ€che flexibel und gemeinsam nutzbar macht.

Wichtig ist die Abgrenzung zu zwei verwandten Begriffen. BĂŒroplanung meint die konkrete technische Umsetzung – Grundriss, Brandschutz, Elektrik, Möblierung. BĂŒroeinrichtung bezeichnet die Ausstattung mit Möbeln und Technik. Das BĂŒrokonzept steht ĂŒber beidem: Es ist die Idee und Strategie, aus der sich Planung und Einrichtung erst ableiten. Wer mit der Möbelauswahl beginnt, bevor das Konzept steht, baut fast zwangslĂ€ufig am Bedarf vorbei.

Warum das geschĂ€ftlich zĂ€hlt: Ein modernes BĂŒrokonzept ist keine reine Design- oder WohlfĂŒhlfrage, sondern eine betriebswirtschaftliche Entscheidung mit drei Hebeln. Erstens die Kosten: BĂŒroflĂ€che gehört zu den grĂ¶ĂŸten Fixposten eines Unternehmens, und halb leere Etagen sind teuer bezahlter Leerstand. Zweitens die ProduktivitĂ€t, die – wie die Zahlen zu Beginn zeigen – unmittelbar an der Gestaltung hĂ€ngt. Und drittens die Personalgewinnung: In einem angespannten Arbeitsmarkt ist ein durchdachtes, gesundes BĂŒro ein sichtbares Signal an Bewerberinnen und Bewerber und oft das entscheidende Argument, ĂŒberhaupt regelmĂ€ĂŸig ins BĂŒro zu kommen. Wer das Konzept nur als Innenarchitektur begreift, unterschĂ€tzt seinen Hebel auf Bilanz, Leistung und Arbeitgebermarke gleichermaßen.

2. Die Prinzipien moderner BĂŒrokonzepte

So unterschiedlich moderne BĂŒros aussehen, sie folgen einigen gemeinsamen Prinzipien. Das erste und wichtigste ist die TĂ€tigkeitsorientierung (Activity-Based Working): Der Ausgangspunkt der Planung ist nicht die Zahl der Mitarbeitenden, sondern die Frage, welche TĂ€tigkeiten im Unternehmen anfallen und welche Umgebung jede davon braucht. Daraus folgt das zweite Prinzip, die Zonierung – die bewusste Aufteilung der FlĂ€che in Bereiche mit unterschiedlichem Charakter, von der stillen Fokuszone bis zur lebhaften BegegnungsflĂ€che.

Das dritte Prinzip ist FlexibilitĂ€t. Ein modernes BĂŒrokonzept rechnet damit, dass sich TeamgrĂ¶ĂŸen, Arbeitsweisen und Anwesenheiten Ă€ndern. Bewegliche, modulare Möbel, Desk-Sharing und multifunktional nutzbare RĂ€ume halten die FlĂ€che anpassbar, statt sie in einem Zustand einzufrieren, der in zwei Jahren nicht mehr passt. Eng damit verbunden ist die FlĂ€cheneffizienz: Weil selten alle gleichzeitig vor Ort sind, kommt ein modernes BĂŒro mit weniger ArbeitsplĂ€tzen als Mitarbeitenden aus – die gewonnene FlĂ€che fließt in Zonen, die im klassischen BĂŒro fehlen.

Das vierte Prinzip rĂŒckt den Menschen in den Mittelpunkt. Gesundheit, Wohlbefinden und Konzentration sind keine weichen Faktoren, sondern die Voraussetzung fĂŒr ProduktivitĂ€t – und sie hĂ€ngen unmittelbar an Akustik, Licht, Luft und Ergonomie. Genau hier zeigt die Fraunhofer-Forschung, dass das Wohlbefinden in modern gestalteten Multispace-BĂŒros signifikant höher liegt als in traditionellen Umgebungen, dass aber unzureichende Akustik oder Klima die Konzentration massiv beeintrĂ€chtigen können. Ein modernes Konzept, das diese Faktoren ignoriert, scheitert – egal wie schön der Grundriss aussieht. Wie stark gerade die Einrichtung ĂŒber Erfolg oder Misserfolg offener FlĂ€chen entscheidet, vertieft der Ratgeber GroßraumbĂŒro einrichten.

Wie sehr sich diese Prinzipien vom klassischen Denken unterscheiden, zeigt der direkte Vergleich:

DimensionKlassisches BĂŒroModernes BĂŒrokonzept
Grundideefester Platz pro PersontĂ€tigkeitsbasiert, Zonen fĂŒr Aufgaben
FlÀchennutzungein Schreibtisch je KopfDesk-Sharing & gemeinsame Zonen
LeitgrĂ¶ĂŸeStatus & HierarchieFunktion, Wohlbefinden, Kultur
FlexibilitÀtgering, fest verbauthoch, modular & anpassbar
TreibertÀgliche VollprÀsenzhybrides Arbeiten

Diese GegenĂŒberstellung ist bewusst zugespitzt – in der Praxis sind viele BĂŒros Mischformen. Entscheidend ist die Richtung: Ein modernes Konzept bewegt sich konsequent von der linken zur rechten Spalte.

Ein fĂŒnftes Prinzip gewinnt rasch an Gewicht: Nachhaltigkeit. Ein modernes BĂŒrokonzept denkt nicht nur an die Nutzung, sondern auch an die Herkunft und die Zukunft der Einrichtung. Langlebige, modulare Möbel, die sich umbauen statt entsorgen lassen, und der gezielte Einsatz geprĂŒfter Gebraucht- beziehungsweise Refurbished-Möbel senken Kosten und CO₂-Fußabdruck zugleich – ein Großteil der Emissionen eines MöbelstĂŒcks entsteht in der Herstellung, nicht im Gebrauch. Damit wird die Einrichtung Teil der Kreislaufwirtschaft und zahlt auf die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens ein, statt ihnen zu widersprechen. FĂŒr eine junge, werteorientierte Belegschaft ist genau das zunehmend ein Kriterium, an dem sie die GlaubwĂŒrdigkeit ihres Arbeitgebers misst.

3. Die Bausteine: Zonen eines modernen BĂŒros

Das HerzstĂŒck jedes modernen BĂŒrokonzepts ist die Zonierung. Statt einer einheitlichen FlĂ€che entsteht ein Nebeneinander von Bereichen, die jeweils fĂŒr eine bestimmte Art zu arbeiten optimiert sind. Welche Anteile diese Zonen einnehmen, hĂ€ngt vom TĂ€tigkeitsprofil ab – die folgende Grafik zeigt typische Richtwerte als Orientierung.

Die Bausteine eines modernen BĂŒrokonzepts

Die Bausteine eines modernen BĂŒrokonzepts

Typische FlÀchenaufteilung nach Activity-Based Working
Richtwerte, kein Normwert · an TÀtigkeitsmix & Anwesenheit anpassen
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 %
Fokus & Konzentrationruhige Einzelarbeit
ca. 40 %
Kollaboration & Teamgemeinsames Arbeiten
ca. 25 %
Meeting & Call-BoxenBesprechung, Videocalls
ca. 15 %
RĂŒckzug & Stilleungestörte Phasen
ca. 10 %
Soziales & BegegnungAustausch, Kultur, Pause
ca. 10 %

Diese Bausteine kehren in praktisch jedem modernen Konzept wieder, nur in unterschiedlicher Gewichtung. Ein Softwareteam, das viel konzentriert programmiert, braucht großzĂŒgige Fokuszonen; eine Agentur, die stĂ€ndig im Austausch steht, mehr Kollaborations- und BegegnungsflĂ€chen. Entscheidend ist, dass jede Zone ihre Aufgabe erfĂŒllen kann – und dazu gehört vor allem, dass laute und leise TĂ€tigkeiten rĂ€umlich getrennt werden. Die folgende Übersicht fasst zusammen, was jede Zone leistet und worauf es bei ihrer Gestaltung ankommt:

ZoneFunktionGestaltungs- & Akustikbedarf
Fokus & Konzentrationungestörte Einzelarbeitruhig, abgeschirmt, abseits der Laufwege
Kollaboration & Teamgemeinsames, kreatives Arbeitenlebhaft erlaubt, flexible Möblierung
Meeting & Call-BoxenBesprechungen und VideocallsschallgedĂ€mmt, abschließbar
RĂŒckzug & StilleTelefonate, Pausen, Vertraulichessehr ruhig, sichtgeschĂŒtzt
Soziales & BegegnungAustausch, Kultur, Erholungeinladend, robust, zentral gelegen

Beim Anordnen dieser Zonen gilt eine einfache Regel: Es sollte ein GefĂ€lle vom Lebhaften zum Stillen entstehen. Begegnungs- und TeamflĂ€chen liegen dort, wo ohnehin Bewegung herrscht – am Eingang, an Knotenpunkten; Fokus- und RĂŒckzugszonen wandern in die ruhigen Ecken. Die genaue FlĂ€chenkalkulation orientiert sich an der ArbeitsstĂ€ttenregel ASR A1.2, die fĂŒr GroßraumbĂŒros 12 bis 15 mÂČ je Arbeitsplatz vorsieht. Hinweise zur konkreten Bemessung von Wegen und AbstĂ€nden liefert der Ratgeber zu den BewegungsflĂ€chen im BĂŒro.

4. Wie entwickelt man ein BĂŒrokonzept? Schritt fĂŒr Schritt

Ein gutes BĂŒrokonzept entsteht nicht am Reißbrett des Innenarchitekten allein, sondern in einem geordneten Prozess, der bei der Strategie beginnt und beim Feinschliff nach dem Einzug endet. Wer die Schritte in der richtigen Reihenfolge geht, vermeidet die teuersten Fehler – allen voran ein BĂŒro, das an den tatsĂ€chlichen BedĂŒrfnissen vorbeigeplant wurde.

Ein BĂŒrokonzept entwickeln in 6 Schritten

Ein BĂŒrokonzept entwickeln in 6 Schritten

Von der Strategie bis zur evaluierten Umsetzung
Praxis-Workflow mit Bedarfsanalyse & PilotflÀche
1
Strategie & Ziele klÀren
Warum ĂŒberhaupt umbauen? Hybrid-Modell, Unternehmenskultur, FlĂ€chen- und Kostenziele festlegen. Das Konzept folgt der Strategie, nicht dem Möbelkatalog.
AuftragHybrid-ModellZiele
2
Bedarf analysieren
TatsĂ€chliche Anwesenheit und TĂ€tigkeitsprofile erheben und die Mitarbeitenden befragen. Diese Datenbasis ist das Fundament – ohne sie plant man am Team vorbei.
AnalyseBefragungTĂ€tigkeiten
3
Zonen & FlÀchen planen
Den FlĂ€chenmix nach Activity-Based Working festlegen: Fokus, Kollaboration, Meeting, RĂŒckzug, Soziales. FlĂ€chen nach ASR A1.2 ansetzen und Laufwege bewusst fĂŒhren.
LayoutActivity-BasedASR A1.2
4
Akustik, Licht & Ergonomie
Die Erfolgsfaktoren frĂŒh einplanen: Schallabsorption, 500 Lux blendfreies Licht und ergonomische, flexible Möbel. Sie entscheiden ĂŒber die Akzeptanz im Alltag.
QualitÀtAkustikErgonomie
5
PilotflÀche testen
Eine Musterzone mit echten Nutzern erproben, bevor die ganze FlĂ€che umgebaut wird. So zeigen sich SchwĂ€chen, solange ihre Korrektur noch gĂŒnstig ist.
PilotTest mit Nutzern
6
Umsetzen & evaluieren
Ausrollen, das Team mit Change Management und klaren Spielregeln mitnehmen und nach einigen Wochen nachjustieren. Ein gutes BĂŒrokonzept ist nie ganz „fertig".
RolloutChange ManagementNachjustieren

Der mit Abstand wichtigste Schritt ist die Bedarfsanalyse. Sie klingt unspektakulĂ€r, entscheidet aber ĂŒber alles Weitere. Konkret heißt das, die tatsĂ€chliche Anwesenheit ĂŒber mehrere Wochen zu erfassen, die TĂ€tigkeitsprofile der Teams zu verstehen und – das wird am hĂ€ufigsten ĂŒbersprungen – die Mitarbeitenden selbst zu befragen. Niemand weiß besser, woran das aktuelle BĂŒro krankt und was im Alltag fehlt. Wer die Belegschaft frĂŒh einbindet, gewinnt nicht nur bessere Daten, sondern auch die Akzeptanz, ohne die spĂ€ter kein Umbau funktioniert.

Ebenso wichtig ist die PilotflĂ€che. Anstatt die ganze Etage auf einmal umzubauen und auf das Beste zu hoffen, richtet man eine Musterzone ein und lĂ€sst echte Teams dort arbeiten. Was sich bewĂ€hrt, wird ausgerollt; was stört, wird korrigiert, solange die Änderung noch ein einzelnes MöbelstĂŒck und nicht die gesamte FlĂ€che betrifft. Diese Schleife aus Testen, Lernen und Anpassen ist der Unterschied zwischen einem Konzept, das auf dem Papier ĂŒberzeugt, und einem, das im Alltag trĂ€gt. Ein durchdachtes BĂŒrokonzept ist deshalb nie endgĂŒltig fertig, sondern wird nach dem Einzug weiter justiert.

Praxistipp zur Reihenfolge: Zwischen den Schritten lauert eine typische Falle – der Sprung von der Strategie direkt zur Möbelbestellung, weil ein Budget „verplant" werden muss oder ein Termin drĂ€ngt. Wer die Bedarfsanalyse und die Pilotphase ĂŒberspringt, spart ein paar Wochen und zahlt sie spĂ€ter mit teuren Nachbesserungen zurĂŒck. Realistisch sollte man fĂŒr die Entwicklung eines tragfĂ€higen Konzepts inklusive Analyse, Planung und Pilotbetrieb mehrere Monate einplanen – nicht, weil die reine Arbeit so lange dauert, sondern weil belastbare Anwesenheitsdaten und ein ehrlicher Pilotbetrieb schlicht eine gewisse Laufzeit brauchen, um aussagekrĂ€ftig zu sein.

5. Welches BĂŒrokonzept passt zu welchem Unternehmen?

Es gibt kein universell „bestes" BĂŒrokonzept – nur das, das zu Kultur, TĂ€tigkeiten und Wachstumsphase eines Unternehmens passt. Ein junges, stark vernetztes Team profitiert von viel offener BegegnungsflĂ€che, wĂ€hrend eine Kanzlei mit vertraulichen MandantengesprĂ€chen mehr abgeschlossene RĂ€ume braucht. Auch die Branche prĂ€gt das Konzept: Kreativagenturen setzen auf Sichtbarkeit und Austausch, Entwicklungsabteilungen auf Ruhe und Fokus. Die konkreten AusprĂ€gungen – von der offenen Multispace-FlĂ€che ĂŒber das KombibĂŒro bis zum Cluster-Konzept – mit ihren jeweiligen StĂ€rken und SchwĂ€chen stellt der Ratgeber Moderne BĂŒrokonzepte: Beispiele ausfĂŒhrlich vor.

Wichtig ist, sich von Trends nicht zu festen Vorgaben verleiten zu lassen. Ein Konzept, das bei einem bewunderten Vorbildunternehmen funktioniert, kann im eigenen Haus scheitern, wenn TĂ€tigkeiten und Kultur andere sind. Die Beispiele anderer dienen als Inspiration und zur SchĂ€rfung der eigenen Anforderungen – nicht als Schablone, die man eins zu eins ĂŒbertrĂ€gt.

Eine oft unterschĂ€tzte Dimension ist die Wachstumsphase. Ein schnell wachsendes Unternehmen sollte sein Konzept von vornherein auf VerĂ€nderung auslegen – mit modularen Möbeln, die sich ergĂ€nzen lassen, und FlĂ€chen, die sich umwidmen statt umbauen lassen. Ein etabliertes Unternehmen mit stabiler Belegschaft kann dagegen stĂ€rker auf Dauerhaftigkeit und ReprĂ€sentation setzen. Auch die Frage, ob die FlĂ€che gemietet oder im Eigentum ist, beeinflusst, wie tief man in feste Einbauten investiert: Wer mietet, fĂ€hrt mit beweglichen Lösungen meist besser. Das beste Konzept ist deshalb nicht das aufwendigste, sondern das, das zur eigenen Beweglichkeit und Planungssicherheit passt.

6. BĂŒrokonzept, New Work und die Zukunft

Moderne BĂŒrokonzepte sind eng mit zwei grĂ¶ĂŸeren Strömungen verbunden. Die eine ist New Work – die Idee, Arbeit stĂ€rker an Selbstbestimmung, FlexibilitĂ€t und Sinn auszurichten. Ein BĂŒrokonzept ist gewissermaßen die rĂ€umliche Übersetzung dieser Haltung: Wer Vertrauen und Eigenverantwortung ernst meint, gibt den Menschen die Wahl, wo und wie sie arbeiten. Wie sich die New-Work-Prinzipien konkret in Raum, Einrichtung und Umbau ĂŒbersetzen, vertieft der Ratgeber New Work BĂŒrokonzept.

Die andere Strömung ist der Blick nach vorn: Technologie, Nachhaltigkeit und das wachsende Gewicht von Wohlbefinden verĂ€ndern, wie BĂŒros in den kommenden Jahren aussehen werden. Welche Entwicklungen das BĂŒro bis 2026 und darĂŒber hinaus prĂ€gen, beleuchtet der Ratgeber BĂŒrokonzept der Zukunft. FĂŒr das eigene Konzept heißt das vor allem, flexibel zu bleiben – also Strukturen zu schaffen, die sich mit den Anforderungen weiterentwickeln lassen, statt sich auf einen vermeintlich endgĂŒltigen Zustand festzulegen.

Wichtig ist, beide Strömungen nicht als ferne Theorie misszuverstehen: New Work und Zukunftstrends wirken bereits auf jede heutige Entscheidung zurĂŒck. Ob ein Unternehmen feste BĂŒrotage vorschreibt oder auf Freiwilligkeit setzt, bestimmt unmittelbar, wie viele ArbeitsplĂ€tze und welche Zonen die FlĂ€che ĂŒberhaupt braucht. BĂŒrokonzept und Arbeitsmodell lassen sich deshalb nicht getrennt planen – die Raumstrategie und die Frage, wie und wann das Team zusammenkommt, gehören an denselben Tisch. Wer zuerst die Anwesenheitsregeln klĂ€rt und dann die FlĂ€che plant, vermeidet den klassischen Widerspruch zwischen halb leerem BĂŒro und ĂŒberfĂŒlltem Montag.

7. HĂ€ufige Fehler und Erfolgsfaktoren

Die meisten gescheiterten BĂŒrokonzepte kranken nicht am Budget, sondern an vermeidbaren Denkfehlern. Wer sie kennt, umgeht sie:

  • Ohne Bedarfsanalyse planen: Wer die Anwesenheit schĂ€tzt statt misst, baut zu groß oder schafft Zonen, die niemand nutzt.
  • Akustik als Nebensache behandeln: LĂ€rm ist der hĂ€ufigste Grund, warum offene Konzepte scheitern – er gehört von Anfang ins Budget.
  • Ohne PilotflĂ€che ausrollen: Fehler werden erst sichtbar, wenn ihre Korrektur teuer ist.
  • Mitarbeitende nicht mitnehmen: Ohne Beteiligung und klare Spielregeln stĂ¶ĂŸt selbst das beste Konzept auf Widerstand.
  • Mit Möbeln statt mit der Strategie beginnen: Wer kauft, bevor das Konzept steht, richtet fĂŒr ein BĂŒro ein, das es so gar nicht geben sollte.

AuffĂ€llig ist, dass fast alle diese Fehler nichts kosten, wenn man sie vermeidet – sie sind eine Frage der Reihenfolge und der Sorgfalt, nicht des Geldes. Umgekehrt lassen sich die Erfolgsfaktoren auf eine einfache Formel bringen: echte Daten als Grundlage, konsequente Zonierung, ernst genommene Akustik und Ergonomie sowie ein Team, das den Wandel mittrĂ€gt. FĂŒr die professionelle Planung und Umsetzung von der Konzeption bis zur FlĂ€che bĂŒndelt die BĂŒroplanung alle Leistungen aus einer Hand.

Damit aus Erfolgsfaktoren auch nachweisbarer Erfolg wird, lohnt es sich, ihn messbar zu machen. Kennzahlen wie die Auslastung der einzelnen Zonen, die Zufriedenheit in regelmĂ€ĂŸigen Kurzbefragungen oder die Entwicklung von Krankheits- und Fluktuationsquoten zeigen, ob das Konzept im Alltag trĂ€gt – und wo nachzusteuern ist. Erst diese RĂŒckkopplung schließt den Kreis: Sie verwandelt das einmalige Projekt „BĂŒrokonzept" in einen fortlaufenden Verbesserungsprozess, der die FlĂ€che mit den BedĂŒrfnissen des Unternehmens mitwachsen lĂ€sst, statt nach dem Einzug zu erstarren.

8. HĂ€ufige Fragen zu modernen BĂŒrokonzepten

Was ist ein modernes BĂŒrokonzept?

Ein modernes BĂŒrokonzept organisiert die BĂŒroflĂ€che nach TĂ€tigkeiten statt nach festen PlĂ€tzen. Es bietet verschiedene Zonen fĂŒr konzentriertes Arbeiten, Zusammenarbeit, Meetings, RĂŒckzug und Austausch (Activity-Based Working bzw. Multispace) und ist auf hybrides Arbeiten, FlexibilitĂ€t und Wohlbefinden ausgelegt – statt jedem Mitarbeitenden einen festen Schreibtisch zuzuweisen.

Wie entwickelt man ein BĂŒrokonzept Schritt fĂŒr Schritt?

In sechs Schritten: zuerst Strategie und Ziele klĂ€ren, dann den Bedarf analysieren (Anwesenheit, TĂ€tigkeiten, Mitarbeiterbefragung), Zonen und FlĂ€chen planen, Akustik, Licht und Ergonomie festlegen, eine PilotflĂ€che testen und schließlich umsetzen und nachjustieren. Der wichtigste Schritt ist die Bedarfsanalyse – sie ist das Fundament jeder guten Planung.

Welche modernen BĂŒrokonzepte gibt es?

Verbreitet sind das Multispace- bzw. Activity-Based-Office (offene FlĂ€che mit Zonen), das KombibĂŒro (Mischung aus EinzelrĂ€umen und GemeinschaftsflĂ€chen), Cluster- bzw. GruppenbĂŒros sowie Desk-Sharing-Konzepte. Welches passt, hĂ€ngt von TĂ€tigkeiten und Kultur ab. Eine ausfĂŒhrliche Übersicht mit Vor- und Nachteilen bietet der Ratgeber „Moderne BĂŒrokonzepte: Beispiele".

Wie viel FlÀche braucht ein moderner Arbeitsplatz?

Die ASR A1.2 nennt als Richtwert 8 bis 10 mÂČ je Arbeitsplatz im EinzelbĂŒro und 12 bis 15 mÂČ im GroßraumbĂŒro. Durch Desk-Sharing und hybrides Arbeiten lĂ€sst sich die GesamtflĂ€che reduzieren, weil selten alle gleichzeitig vor Ort sind – die gewonnene FlĂ€che fließt in zusĂ€tzliche Zonen statt in leere Schreibtische.

Was bedeutet Activity-Based Working?

Activity-Based Working bedeutet, dass BeschĂ€ftigte keinen festen Schreibtisch haben, sondern je nach TĂ€tigkeit den passenden Bereich wĂ€hlen – die Fokuszone zum konzentrierten Arbeiten, die Teamzone zur Zusammenarbeit, die Call-Box fĂŒr Videocalls. Es ist das zentrale Prinzip moderner Multispace-BĂŒros.

9. Fazit: Vom Schreibtisch zum durchdachten Raum

Ein modernes BĂŒrokonzept ist kein Möbelkatalog und keine Frage des Geschmacks, sondern eine Strategie: Es richtet die FlĂ€che an den tatsĂ€chlichen TĂ€tigkeiten und BedĂŒrfnissen aus und macht aus knapper werdendem Raum einen Ort, der Konzentration und Zusammenarbeit zugleich ermöglicht. Die Prinzipien sind klar – TĂ€tigkeitsorientierung, Zonierung, FlexibilitĂ€t und der Mensch im Mittelpunkt –, und der Weg dorthin folgt einem geordneten Prozess von der Bedarfsanalyse bis zur evaluierten Umsetzung.

Der rote Faden ist, in der richtigen Reihenfolge zu denken: erst die Strategie, dann der Bedarf, dann die Zonen, dann die Ausstattung. Wer so vorgeht, gibt sein Geld nicht fĂŒr ein schickes Rendering aus, sondern fĂŒr ein BĂŒro, das die Menschen anzieht, das Team verbindet und mit dem Unternehmen mitwĂ€chst. Die spezialisierten Ratgeber zu Beispielen, New Work und der Zukunft des BĂŒros vertiefen die einzelnen Bausteine – dieses Konzept liefert den roten Faden, der sie zusammenhĂ€lt.

Quellenverzeichnis

  1. ifo Institut, zit. nach Wirtschaftsforum: Hybrides Arbeiten, neue BĂŒrokonzepte und die Frage nach der FlĂ€che. wirtschaftsforum.de
  2. Fraunhofer IAO: „Wirksame BĂŒro- und Arbeitswelten" / Office 21. https://www.iao.fraunhofer.de/
  3. Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): ASR A1.2 – Raumabmessungen und BewegungsflĂ€chen. baua.de
  4. designfunktion: Activity Based Working – Definition & Umsetzung. designfunktion.de
  5. b-k-p: Multispace-BĂŒro & FlĂ€chenoptimierung. b-k-p.net
  6. bĂŒroforum: Neugestaltung – die fĂŒnf Schritte zum modernen BĂŒro. bueroforum.net
Anina Blatter, Einrichtungsberaterin bei Fenyx Office

„Bilder sagen viel, aber Zahlen und Prozesse noch mehr. Gern erzĂ€hle ich Ihnen die ganze Geschichte hinter unseren Projekten."

Anina Blatter

Einrichtungsberaterin